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Schwerindustrie zwischen Bauernhof und Tanzschule: Stadt will an der Jägerallee reglementieren

Von der ungeliebten, ordnenden Hand

Springe. „Da muss eine ordnende Hand rein“, sagt der Erste Stadtrat Hermann Aden. Die Verwaltung will das Gebiet „Östlich der Jägerallee“ überplanen. Offenbar entgegen dem Willen des größten Grundstücksbesitzers.

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Autor:

Markus Richter

Das Gewerbe- und Industriegebiet ist ein Spiegelbild der Springer Nachkriegsgeschichte: Erstmals planerisch erwähnt in den 60er-Jahren, hat sich dort südlich der Industriestraße einiges gewandelt: Wo früher 1000 Mitarbeiter in den Bisonwerken arbeiteten, sind heute zahlreiche kleine und mittelständische Firmen ansässig. Handwerker und Fitnessstudio, Fahrschule und Kirche, Wohnungen, Schwerindustrie, sogar ein Biobauernhof, bis vor Kurzem eine Sporthalle. „Die Situation wird immer verworrener und komplizierter“, klagt Aden.

Der Baudezernent und seine Mitarbeiter wollen gemeinsam mit den Eigentümern überlegen, was passieren soll – Bedürfnisse abfragen, Probleme klären, die Erschließungssituation überdenken. „Wir müssen das Gebiet fit machen für die Zukunft“, gibt Aden im Planungs- und Umweltausschuss die Marschroute vor. Bei Immobilienbesitzer Rolf Mund stößt dieses Vorgehen der Stadt auf wenig Gegenliebe: „Unseretwegen braucht es keine Überplanung“, sagt Mund auf Anfrage der NDZ. Mund gehören rund zwei Drittel der Flächen, 80 000 Quadratmeter. Alle Flächen seien belegt, Leerstand gebe es nicht.

Die Stadt hat mit Mund für Anfang Dezember einen Gesprächstermin anberaumt – begeistert ist der Springer davon nicht. „Ich vermute, es soll ein Gewerbegebiet entstehen – das ist aber nicht in unserem Sinne.“

Bedenken hatte im Ausschuss zunächst auch der Vorsitzende Jürgen Kohlenberg angemeldet: „Die CDU-Fraktion ist skeptisch.“ Man wolle erst einmal abwarten und das Thema langfristiger angehen. Die Planung gäbe es schließlich auch nicht kostenlos. Kohlenberg beantragte die Zurückstellung des Planungsbeschlusses, zog seinen Antrag nach der Diskussion aber wieder zurück und stimmte wie das gesamte Gremium dafür.

Die Grünen indes wollen ausschließen, dass der Lebensmitteleinzelhandel das Gebiet für sich entdeckt. Dann würden immer mehr Flächen in der Innenstadt leerstehen, so Uwe Pröve. Jenes Anliegen wird auch von den Stadtplanern unterstützt. „Wir haben eindeutig das Ziel, möglichst viel Industrie und Gewerbe anzusiedeln, keinen Einzelhandel“, sagt Aden. Carsten Marock (SPD) schloss sich dessen Meinung an: „Wir sollten das Thema schnell anfassen.“

Fest steht aber wohl, dass es noch zu einigen Diskussionen führen wird.

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