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Viele Händler lehnen eine Ladenöffnung an Heiligabend ab

SPRINGE. „Allein auf die Idee zu kommen, an Heiligabend die Geschäfte zu öffnen, ist arrogant“, stellt Wilko Struckmann, Chef des Springer Werberings, klar. Er schüttelt den Kopf über die Debatte, die die Gewerkschaft Verdi ausgelöst hatte:

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Saskia Helmbrecht Volontärin zur Autorenseite

Sie sah die Gefahr, dass einige Händler die Chance nutzen könnten, die ihnen das Gesetz an einem Sonntag bietet.

Grundsätzlich dürfen an Sonntagen (auch an Heiligabend) nur Bäcker, Tankstellen, Blumenläden oder Kioske öffnen. In Springe als anerkannter Ausflugsort ist theoretisch auch allen anderen Läden mit Waren des täglichen Bedarfs der Verkauf gestattet – Ausnahme: Bekleidung und Schmuck. Oder aber: die Werbegemeinschaft veranstaltet einen verkaufsoffenen Sonntag. Für Struckmann keine Option: die ganze Debatte sei für ihn nicht nachvollziehbar: „Das ist auch eine Frechheit gegenüber allen im Handel Beschäftigten“, so Struckmann. Es sei schlimm, dass überhaupt darüber nachgedacht werde. „Der Handel hat endlich mal eine Chance, frei zu haben. Und das sei den Mitarbeitern gegönnt.“

Die Kunden hätten ausreichend Zeit am Sonnabend, 23. Dezember, die letzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Dann würden die ganz spontanen Einkäufer eben auf den Sonnabend ausweichen – und da hätten ja die meisten frei, betont Struckmann. Auch der Online-Handel werde an einem Sonntag nicht mehr zustellen. „Generell hat sich das Kaufverhalten massiv geändert, hin zum Erlebniseinkauf. Das muss der Handel heute verstehen, sonst sieht es in der Zukunft eher schlecht aus“, so Struckmann.

Auch für Herrenausstatter Erhardt Bormann kommt eine Öffnung zu Weihnachten nicht in Betracht. „Es muss auch mal etwas heilig sein und nicht alles sollte dem Konsum untergeordnet werden.“ Seine Einschätzung: Wenn die Chef-Etage größerer Häuser die Entscheidung treffe, tatsächlich an Heiligabend zu öffnen, würde das nicht die Vorsitzenden, sondern vor allem die Mitarbeiter betreffen, die dann darunter leiden müssten. „Die Obersten selbst sind an diesem Tag sicher nicht da“, so Bormann.

Dass der Handel durch den Verzicht an Umsatz verliere, glaubt er nicht: „Meine Erfahrung ist, dass Heiligabend der Vorbereitung für das Fest an sich gilt und viele schon vorher eingekauft haben.“ Ähnlich sieht das Irmgard Jung vom gleichnamigen Sportshop. „Vorher ist so viel Zeit – ein verkaufsoffener Sonntag muss nicht sein.“ Zugleich sei es ein schönes Geschenk für die Händler selbst, einmal nicht arbeiten zu müssen und mehr Zeit für die Familie zu haben. „In kleineren Geschäften ist das sowieso schon schwer, weil wir mehr Überstunden machen“, weiß Jung.

Was sie sich noch vorstellen kann: die Öffnungszeiten am 23. Dezember vielleicht um eine Stunde zu verlängern. Viele Geschäfte hätten an diesem Tag bereits bis 16 Uhr geöffnet. Wie sich die größeren Supermärkte, zum Beispiel Edeka, entscheiden, ist noch unklar. Was bereits fest steht: Aldi wird nicht öffnen. Das gleiche gelte für Rewe und Penny. Bei der Calenberger Backstube, die es etwa in der Netto-Filiale gibt, habe man sich noch entschieden. „Wir können zum Wochenende mehr sagen“, sagt Bäckermeister Kai Oppenborn.

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