weather-image
20°
Die Erfolgsgeschichte des Vereins Kunst und Begegnung am Hermannshof

Verrückt nach Kultur und guten Storys

Von Jennifer Minke

Völksen. Geschichte erzählen – das ist für Eckhart Liss das Größte. Das macht der künstlerische Leiter des Hermannshofs in Völksen häufig und gerne. Gespräche sind für ihn jedoch nicht nur Spaß. Es steckt viel Arbeit dahinter, denn so haben sich schon etliche Projekte ergeben, sagt der 52-Jährige. Die haben dazu beigetragen, dass er in der vergangenen Woche den Kulturpreis der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover zugesprochen bekam. Und zwar für das ambitionierte spartenübergreifende Forum zur Begegnung mit zeitgenössischer Kunst und Kultur.

270_008_4319397_Liss_0626.jpg

Von Jennifer Minke

Völksen. Geschichte erzählen – das ist für Eckhart Liss das Größte. Das macht der künstlerische Leiter des Hermannshofs in Völksen häufig und gerne. Gespräche sind für ihn jedoch nicht nur Spaß. Es steckt viel Arbeit dahinter, denn so haben sich schon etliche Projekte ergeben, sagt der 52-Jährige. Die haben dazu beigetragen, dass er in der vergangenen Woche den Kulturpreis der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover zugesprochen bekam. Und zwar für das ambitionierte spartenübergreifende Forum zur Begegnung mit zeitgenössischer Kunst und Kultur.

Der Bereich Kirche spielt eine wichtige Rolle für Liss‘ Arbeiten. Vielleicht liegt das an seiner Sozialisation – er stammt aus einer Pastorenfamilie. Ihn beschäftigen aber nach wie vor die Räume, Menschen und Sinnsuche seien Elemente der Kunst.

Gespräche und Kontakte sind definitiv eine sehr wichtige Eigenschaft für seine Arbeit. Das betont er immer wieder. Vielleicht trägt er am Ende eines Tages sogar einige dieser wichtigen Gespräche in sein Arbeitsbuch ein. Das führt er tatsächlich und hält darin fest, was er im Laufe des Tages alles für seine Leidenschaft – den Hermannshof mit seinem eingetragenen Verein Kunst und Begegnung – macht.

Der Jüngling und im Hintergrund das „Haus im Park“.
  • Der Jüngling und im Hintergrund das „Haus im Park“.
Harren getrost der Dinge: der erste Vorsitzende Martin Beyersdor
  • Harren getrost der Dinge: der erste Vorsitzende Martin Beyersdorf und Eckhart Liss. Foto: pr.

1992 wurde dieser gegründet, ein Jahr vorher initiiert er die ersten Künstlertage. „In dieser Zeit glich der Hermannshof noch einem Urwald“, erinnert sich Liss, der es sich seit mehr als zehn Jahren zum Ziel gesetzt hat, auch die heimischen Vereine und aufgeschlossenen Springer für seine Projekte zu öffnen und zu gewinnen. Beim „Konzert für 12 Traktoren“ oder auch das kürzlich erst ausgezeichnete Projekt „Klänge, die Springe sprengen“ bezog Liss die Springer mit ein. Trotz allem ist für viele Menschen die Kunst am Hermannshof eine fremde Welt geblieben. Zu den Präsentationen der Künstler kommen meist nur wenige Einheimische. Voll wird es auf dem Hermannshof aber natürlich, wenn die Vereine mitwirken.

Berührungsängste im Alltag, wenn keine Klanginstallationen oder Skulpturen präsentiert werden, gebe es überhaupt nicht, sagt der 52-Jährige. So helfen ihm etwa häufig Landwirte mit ihren Maschinen aus der Klemme, er verleiht im Gegenzug seine Bierbänke. „Das Geben und Nehmen ist auf dem Land doch völlig normal“, findet Liss. Dass er nicht nur verrückte Kunst mit schrägen Leuten macht, wie wohl einige Springer vermuten, sondern auch jede Menge Handwerk und Büroarbeit erledigt werden müssen, würden viele gar nicht wissen. Das alles gehört dazu, um weitere Projekte voranzutreiben.

Liss will weiterhin versuchen, die Menschen aus ihren „festzementierten Denkweisen“ herauszuholen. Zeigen, dass eine Big-Band nicht nur Töne treffen muss, sondern auch richtig schräge Musik machen kann. Seine Auszeichnungen geben dem künstlerischen Leiter recht. „So langsam aber sicher wird unsere Professionalität anerkannt“, freut er sich, betont aber auch: „Hinter dem Erfolg stecken tolle Künstler wie Jaap Blonk. Ich gebe nur die Denk-Anstöße, pflege Netzwerke und besorge die Kohle.“ Dabei lässt er nicht unerwähnt, dass der Verein seit 2001 am Förder- und Qualifizierungsprogramm „Kultur im ländlichen Raum“ der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur teilnimmt.

Wichtig für die Erfolge sei aber auch die Atmosphäre des Hermannshofs: „Die ist einfach besonders“, meint Liss. Nach Jahren in Fulda und Berlin bekomme ihn nun so schnell niemand mehr von dort weg. Künstler und Freunde schwärmen, dass Urlaubsgefühle entstehen, wenn sie sich in Völksen befinden. „Gerade im Sommer geht es mir noch genau so.“

Welche aufregenden Projekte in der kommenden Zeit auf dem Hermannshof folgen werden? Das weiß selbst Eckhart Liss noch nicht so genau. Das liegt natürlich an den Geschichten, die er Menschen erzählen wird und die er zu hören bekommt.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare