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Kinder reinigen Klassenräume in der Realschule selber / Rektorin Brenneke: „Teil des pädagogischen Konzeptes“

Vater streitet mit Schulleitung über Putzdienst der Schüler

Springe (ric). Gerade erst hat eine Sparmaßnahme der Stadt Hildesheim mächtig Staub aufgewirbelt: Schüler sollen selbst für Sauberkeit sorgen und die Tätigkeit von Putzfrauen übernehmen – zur Entlastung des städtischen Haushalts. Auch in Springe flammt nun eine Diskussion auf: Ein Vater verbietet seiner Tochter, bei der Reinigung des Klassenraumes in der Heinrich-Göbel-Realschule mitzuhelfen.


Wischmopp und Besen statt Mathebuch und Geodreieck – so extrem wie in Hildesheim ist die Situation in Springe nicht. Allerdings: „Kinder sind zum Lernen in der Schule, nicht zum Putzen“, sagt der Vater, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Jede Klasse muss ran, nur damit das Geld für die Putzfirma gespart wird“, ärgert sich der Springer.

Ein Vorwurf, den Rektorin Jutta Brenneke im Gespräch mit der NDZ entschieden von sich weist. Gerade gestern sei mit der Stadt über den Einsatz einer neuen Reinigungsfirma gesprochen worden. Diese wird im Sommer dreimal, im Winter fünfmal pro Woche aktiv sein. Das tägliche Fegen und Aufräumen in den Klassenräumen hingegen sei Teil des pädagogischen Konzeptes. „Das ist vor Jahren von der Gesamtkonferenz so beschlossen worden“, sagt Brenneke. Die Kinder würden lernen, Verantwortung zu übernehmen. Das Motto: Je weniger Dreck sie machen, desto weniger müssen später säubern. Auffällige Schüler müssten zudem als „Erziehungsmittel“ dem Hausmeister helfen. Ein Konzept, das für den Vater der Schülerin nicht in den Unterricht gehört, sondern Teil der Erziehung im Elternhaus sein sollte.

Der Hannoveraner Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann, einer der anerkanntesten Erziehungswissenschaftler Deutschlands, sieht grundsätzlich kein Problem darin, Schüler die Klassenräume putzen zu lassen. „Wenn ein Lehrer gemeinsam mit seinen Schülern Verantwortung für den Lernbereich übernimmt, macht es den Klassenraum zu einem Ort, an dem sich alle wohlfühlen.“ Kinder würden oft auch beim Pflegen einer Pflanze mehr als im Biounterricht lernen. Wenn sich der Vater jedoch gegen eine Anweisung der Obrigkeit wehre, genieße er seine Sympathien. „Als Verfügung von oben oder erzieherische Maßnahme löst so etwas früher oder später Widerstand aus“, sagt der Experte auf NDZ-Anfrage.

Sollten Kinder in ihrer Schule beim Saubermachen helfen? Stimmen Sie ab bei unserer Internet-Umfrage unter www.ndz.de.

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