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Nach Sörens Tod: Gehege-Chef weist Kritik an Elchhaltung zurück / Hubschraubereinsatz „unglücklich“

„Unsere Anlage ist definitiv groß genug“

Springe (wul/wm/mari). Nach der tödlichen Flucht von Elch „Sören“ mehren sich jetzt auch kritische Stimmen – sowohl über das Vorgehen von Forstamtsdirektor Joachim Menzel, der das Tier erschoss, als auch über die Haltung der nordischen Tiere im Wisentgehege.

Da lebte Sören noch: Kurz nach seiner Betäubung war der Elch am

Kritik gibt es etwa in den Internetforen der regionalen Medien. Sörens Ausbruch, so die Meinung einiger, hätte nicht tödlich enden müssen. Andere stellen infrage, dass die Betreiber des Wisentgeheges die Tiere artgerecht halten. Von manchen Kommentatoren aber bekommt Menzel, der seit 18 Jahren in diesem Amt tätig ist, für seine Entscheidung auch Rückendeckung.

Warum Sören ausgebrochen ist, darüber kann nach wie vor nur spekuliert werden. Wisentgehege-Leiter Thomas Hennig ist am Dienstagabend von einer Tagung aus Ungarn wiedergekommen. Er bedauert, dass von dem toten Tier keine Blutprobe genommen worden ist: „Vielleicht kämen wir dann der Antwort näher, warum Sören durchgedreht ist.“ Es sei unglücklich gewesen, dass der an der Elchsuche beteiligte Polizeihubschrauber teilweise in 40 Meter Höhe über dem Tier kreiste. „Das stresst zusätzlich.“ Anwohner aus Eldagsen berichten, dass der Hubschrauber den Hirsch immer wieder in Panik versetzt habe.

Was der Auslöser für die Flucht gewesen sein mag, bleibt Spekulation. Eine möglicherweise nicht artgerechte Haltung liege keinesfalls vor, betont Hennig – gerade die „große Gehegegröße“ sei das Markenzeichen des Tierparks. Fünf Hektar (ein Hektar entspricht der Größe eines Fußballfeldes) stünden den acht Elchen zur Verfügung. Nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn entspricht diese Größe aber nicht den Vorgaben des „Gutachtens zur Haltung von Wild in Gehegen“ vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Danach ist für jedes Tier eine Fläche von 10 000 Quadratmetern, sprich einem Hektar, vorzusehen. Wisentgehege-Leiter Thomas Hennig widerspricht: „Die Anlage ist definitiv groß genug.“ Zumal sich die acht Tiere in nur drei Alttiere, zwei Jährlinge und drei Kälber aufgliedern. Und für die Jungtiere gelte ein ganz anderer Schlüssel.

T. Hennig
  • T. Hennig

Die weitere Sicherung des Elchgeheges hätte aus Hennigs Sicht indes keinen Unterschied gemacht: Er glaubt nicht, dass der zwischenzeitlich angedachte Elektrozaun Sörens ersten oder zweiten Ausbruch verhindert hätte. Das Tier sei über eine 2,40 Meter hohe Absperrung gesprungen.

Was danach geschah, darüber will Hennig in einer Nachbetrachtung mit Forstamtsdirektor Menzel sprechen. Der erinnerte sich nach dem Zwischenfall, dass Sören beim ersten Ausbruch noch eher vorsichtig durch die Gegend getrottet sei – erst beim zweiten Mal sei der Elch „richtig schnell“ unterwegs gewesen: „Der hatte Zug! Er überwand einen Zaun nach dem anderen, lief auf die Straße zu.“ Menzel habe keine andere Möglichkeit gesehen, den Irrlauf des Elchs zu beenden, außer jener, die Sörens Ende bedeutete. Mit einem der stärksten Jagdgewehre in Deutschland, Kaliber 8 x 68, tötete er den Bullen. Dass Sören keine zweite Chance per Narkosepfeil bekam, begründet Menzel damit, dass die Entfernung zu dem Elch zu diesem Zeitpunkt dafür zu groß gewesen sei. Für einen Narkoseschuss müsse man sich dem Tier bis auf unter 30 Meter nähern, er aber sei 300 Meter entfernt gewesen. „Die Verantwortung, dass jemandem durch unser Tier etwas passiert, konnte ich nicht übernehmen“, erklärt Menzel seine Entscheidung. „Spaß macht das nicht“, beteuert er, spricht von „Nottötung“ und weist auf den finanziellen Verlust in Höhe von 2000 bis 3000 Euro für das Wisentgehege hin. Kritik an seinem Handeln habe ihm gegenüber noch niemand geübt und „die würde ich auch zurückweisen“, sagt Menzel entschieden.

Seit den 60er-Jahren gibt es im Wisentgehege Elche. Die Haltung der Tiere war immer wieder schwierig, es gab mysteriöse Todesfälle, jahrelang kam kein Nachwuchs zur Welt. Jetzt schien endlich alles zu stimmen: Nach dem Wechsel des Futterlieferanten und Änderungen auf dem Gelände wurde 2007 ein gesundes Elchkalb geboren, 2008 ebenfalls, in den vergangenen beiden Jahren waren es je drei Tiere. „Eigentlich läuft alles hervorragend“, so Gehege-Leiter Thomas Hennig. Der kürzliche Tod einer Kuh und jetzt von Sören seien „zwei bedauerliche Unfälle“.

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