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Maststall-Schild sorgt für Irritationen

Unbekannte narren Anwohner am Fahrenbrink

Springe. Die Aktion schlug ein wie eine Bombe, Anwohner trauten ihren Augen kaum, hielten auf dem Weg zur Arbeit oder beim Spaziergang inne und starrten auf das riesige Bauschild – Unbekannte haben am Fahrenbrink mit einer ebenso markanten wie kreativen Aktion gegen den Bau von Hähnchenmastställen demonstriert.

Täuschend echt: das vermeintliche Bauschild auf dem Feld.

Autor:

Markus Richter

Den Angaben zufolge werde eine Firma namens „Deisterchicken“ eine Anlage für 39 900 „Produktionseinheiten“ bauen. Was den Eindruck noch verstärkte und viele Anwohner gelungen täuschte: Im Hintergrund des Ackers stehen Bauzäune, wurden Pfosten in die Erde gerammt und Materiallager geschaffen. „Ganz schön fies“, findet Carsten Riegler, der sich das Schild am Deisterhang anschaute und vor Ort auf zahlreiche Anlieger traf. „Im ersten Moment hab ich‘s geglaubt“, räumt auch Andreas Kirchner ein. Und Rolf Moldehn, der direkt am Fahrenbrink in Höhe des Schildes wohnt, spricht von einer vermutlich gewollten Provokation. Findet aber auch: „Das ist witzig gemacht.“

Denn wer genau hinsieht, merkt, dass es sich bei der Tafel um einen zweifelhaften Spaß handelt: Da tauchen Albert & Speer als angebliche Architekten aus Berlin auf (Albert Speer war bekanntlich Hitlers Chefplaner), da soll das Ingenieurbüro W. Bolte GmbH aus Wiedensahl (dem Geburtsort des Dichters Wilhelm Busch) für Gebäudeausrüstung zuständig sein, da sollen mit Hanebuth & von Fromberg ausgerechnet der als Steintorkönig bekannte Chef der berüchtigten Rockergruppe Hells Angels sowie sein Staranwalt auftreten. Dass „Deisterchicken“ nicht am Salmonellenweg residiert, sollte ebenso klar sein, wie der Umstand, dass Hähnchen kein Heim im Passivhausstandard benötigen und dass sich „ADW – der Fleischoptimierer“ natürlich an den ähnlich klingenden Finanzdienstleister anlehnt.

Aber wer hat die Aktion in Gang gebracht? Die Bürgerinitiative um Sabine Schiepanski, die sich gegen eine Großanlage bei Boitzum wehrt, offenbar nicht: „Das ist die falsche Methode, solche Scherze machen wird nicht“, sagte Schiepanski auf NDZ-Anfrage. Vielmehr seien ihr und ihren Mitstreitern offengelegte Informationen wichtig. Landwirt Hauke Flörke-Staats, der das Feld gepachtet hat, bestreitet ebenfalls jegliche Beteiligung. Die Arbeiten im Hintergrund, die vor ein paar Tagen begonnen haben, dienen in Wahrheit dem Einbau einer Drainage zur Entwässerung.

Im Fokus der Anwohner: Auf dem von einem Bauern gepachteten Stück Land haben Unbekannte in der Nacht diese Tafel aufgestellt. Fo
  • Im Fokus der Anwohner: Auf dem von einem Bauern gepachteten Stück Land haben Unbekannte in der Nacht diese Tafel aufgestellt. Fotos: ric

Allerdings stand bei ihm – ebenso wie bei der Stadt – den ganzen Tag über das Telefon nicht still. Die Vermutung liegt nahe, dass sich vorerst niemand bekennen wird, um die Wirkung noch zu verstärken. Denn schon jetzt haben die Anlieger Angst, dass ihnen tatsächlich eine solche Anlage vor die Tür gesetzt werden könnte. Erster Stadtrat Hermann Aden nahm die Aktion gelassen: „Wenn das ein Protest sein sollte, um aufzurütteln, so ist es wohl gelungen.“ Selbstverständlich sei am Deisterkessel kein solches Vorhaben in Planung – „es handelt sich wohl eher um einen verfrühten Aprilscherz“, mutmaßt der Fachbereichsleiter Bauen.

Flörke-Staats will darauf verzichten, Anzeige zu erstatten. „Ich nehme das mit Humor, ebenso wie der Besitzer des Feldes“, sagt er. Wenn sich bis heute Mittag niemand zu der Aktion bekannt hat, wolle er das Gerüst selber wegräumen. „Es steht doch ein bisschen im Weg…“

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