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Travestie-Zauber: Verbal-Fummeleien unter der Gürtellinie

SPRINGE. Sie ist immer auf der Jagd nach ihrem Traummann: Fräulein Luise stand jetzt wieder ebenso schrill wie zotig und zombiehaft auf der Bühne des Schulzentrums Süd. Sie ist – Verzeihung, bitte – die Ausgeburt dessen, was man hässlich nennt. Genau deshalb ist sie der Star der Show „Zauber der Travestie“.

Immer für einen Lacher gut: Die Travestiekünstlerinnen um Fräulein Luise. Fotos: Krause

Autor:

REINHOLD KRAUSE

Der Mut zeichnet die Travestiekünstlerin Luise aus, par excellence sogar. Die Zuschauer konnten den Gürtel gar nicht so tief schnallen, dass es Fräulein Luise nicht doch schaffte, mit ihren frechen Witz- und Wortspielen darunterzugreifen. Ebenso ambitioniert waren ihre Geschlechtsgenossinnen, die mit ihren Plaudereien in die gleiche Kerbe hauten.

Glitzerfummel, aufwendige Kostüme, Persiflagen aber auch gute Gesangsdarbietungen – natürlich live vorgetragen – das ist es, was die Zuschauer der Show „Zauber der Travestie“ erwarten. Gut 250 Besucher, wesentlich mehr als im vergangenen Jahr, füllten die Aula. Unter ihnen waren erkennbar viele Fans dieser schrill-schönen Revue.

Viele der in Springe aufgetretenen Travestiekünstler sind alte Hasen und haben ihr Stammpublikum in der Deisterstadt. Sie umgeben sich mit klingenden Namen wie Marcel Bijou, Miss Jenifer, Denisse Zambrana – die Tante aus Alicante – oder Johnny Boy, der immer wieder mit seiner Tina-Turner-Einlage zu begeistern weiß.

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Dass ein Auftritt als Travestiekünstler harte Arbeit ist, erfährt, wer hinter die Kulissen schaut. Auch wenn es manchmal wirkt, als würden sich die „Damen“ auf der Bühne in endloser, erotischer Plauderei ergießen, es sei verraten: Kein Satz, kein Punkt, kein Komma, nichts wird dem Zufall überlassen. Auch der Dialog und das Zugehen auf Gäste in den vorderen Reihen sind feste Programmteile.

Neu im Ensemble ist in diesem Jahr Sarah Barelly. Sie ist das Küken im Team, bewegt sich aber, als habe sie seit ihrer Geburt nichts anderes gemacht. Gertenschlank und im engen Glitzerkostüm bringt sie das Publikum mit Plaudereien und Livegesang auf Hochtouren.

Dann kam wieder Luise, Fräulein Luise. Im „Lidl Outfit“ oder als „Maite Kelly-Hüpfburg des deutschen Schlagers“ sorgt sie für Schenkelklopfer. Ein krasser Gegensatz ist Denisse Zambrana. Mit ihren Liedern „Desposito“ und „Bueno Sera“ wandelt sie wie auf einem Laufsteg zwischen den Besuchern hindurch und lässt sich frenetisch feiern.

Marcel Bijou hingegen entpuppte sich als die größte Plaudertasche des Abends. Sie sinnierte über „Sexualbedarfsgemeinschaften“ und Aggressionsabbau in einem Discounter und strapazierte damit das Zwerchfell ihrer zahlreichen Zuhörer. Zwischendurch kriegen alle Liebhaber fleischloser Genüsse ihr Fett weg – wobei es in diesem Fall tatsächlich um Vegetarier und Veganer und nicht um eine erotische Anspielung geht.

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