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Polizei setzt Hubschrauber zur Suche ein / Wilde Verfolgungsjagd über Straßen und durch Gärten

Trauer um Sören: Amoklauf endet für Elch tödlich

Springe (mf). Ein aus dem Wisentgehege ausgebrochener Elchbulle hat sich am Sonnabend eine spektakuläre Verfolgungsjagd mit der Polizei und Mitarbeitern des Forstamtes geliefert. Die Flucht von Sören, so der Name des Tieres, führte unter anderem quer durch Eldagsen – über diverse Straßen und durch private Hausgärten. Nach mehreren Stunden konnte der eine halbe Tonne schwere Bulle zunächst wieder eingefangen und zurückgebracht werden, türmte dann aber erneut. Forstamtsdirektor Joachim Menzel blieb nach eigenen Worten keine andere Wahl, als Sören zu erschießen.

Der betäubte Elch wird am Sportplatz abtransportiert.

Gehege-Mitarbeiter hatten das Loch im Gatter und das Fehlen des dreijährigen Bullen am frühen Morgen bemerkt. Wie es dazu kommen konnte – darüber kann auch Menzel bislang nur spekulieren. Schließlich sei nie zuvor ein Elch aus dem Wisentgehege ausgebüxt. „Wir haben Setzzeit, möglicherweise hat eine aggressive Elchkuh Unruhe ausgelöst“, so der Saupark-Chef.

Gegen acht Uhr gingen gleich mehrere Anrufe im Lageführungszentrum der Polizei ein. Autofahrer hatten Sören an der K 421 zwischen Eldagsen und Völksen entdeckt. Als die Einsatzkräfte dort ankamen, war von dem Bullen aber nichts mehr zu sehen. Auch die Absuche umliegender Wiesen und Äcker brachte keinen Erfolg.

Die Sorge wuchs, dass das offenbar sehr unter Stress stehende Tier auf die nahe B 217 oder auch auf die Bahngleise laufen könnte. Per Radiodurchsage wurden Verkehrsteilnehmer zur Vorsicht gemahnt. Die Bundespolizei wurde verständigt, Lokführer auf die drohende Gefahr hingewiesen. In Hannover startete ein Polizeihubschrauber, um die Suche aus der Luft zu unterstützen.

Um 9.15 Uhr tauchte Sören schließlich in Eldagsen im Bereich der Baringstraße auf. Über Trift-, Lange, Obergut- und Talstraße verfolgten ihn Polizei und Forstamtsmitarbeiter bis zur Südstraße. In einer Sackgasse gelang es schließlich, das Tier mit einem speziell präparierten Pfeil zu betäuben. Sören irrte danach noch durch einige Gärten am Untergut und brach schließlich narkotisiert auf einem Bolzplatz an der Hindenburgallee zusammen.

Mit vereinten Kräften wuchteten die Helfer das Tier auf einen Anhänger und transportierten es zurück zum Wisentgehege, wo es in einem kleinen, abgesperrten Gehege allmählich wieder zu sich kam.

Dann passierte das Unglück: „Das Tier kam wieder zu Kräften, begann erneut, sich wild zu gebärden und durchbrach wie von Sinnen einen Zaun nach dem anderen“, schildert Menzel die dramatischen Ereignisse.

Sören büxte wieder aus – und lief ins nahe Unterholz. „Wir hatten dort keine Chance mehr, den Betäubungspfeil einzusetzen“, sagt Menzel. Um zu verhindern, dass der Elch möglicherweise auf die B 217 stürmt und dort einen schweren Verkehrsunfall verursacht, griff er schweren Herzens zu seinem Jagdgewehr und tötete das Tier.

Wisentgehege-Leiter Thomas Hennig erfuhr von den tragischen Ereignissen am Telefon. Er befindet sich derzeit in Ungarn.

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