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Tatort Friedhof

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VON KATHARINA WEIßLING

Pastor Reinhard Surendorff aus Völksen pflichtet ihm bei. Erst vor ein paar Tagen hatte sich ein trauerndes Gemeindemitglied bitter beklagt, nachdem die Frau vorm Grab ihres verstorbenen Ehemanns stand, auf dem der Blumenschmuck geplündert wurde. „Das hinterlässt noch mehr Trauer und Schmerz“, weiß Surendorff.

Trotzdem wecken selbst fest verankerte Gegenstände mitunter Begehrlichkeiten. In Bennigsen verschwanden faustgroße Rosenquarzsteine vom Grab eines kleinen Mädchens (wir berichteten). Zusätzlich kommt auch Vandalismus auf Friedhöfen vor. Jüngst brachen Unbekannte in Eldagsen die kupferne Rose eines Grabsteins ab (wir berichteten). Auf dem Neuen Springer Friedhof war in dieser Woche ein Wasserhahn instand zu setzen, den jemand mutwillig abtrat: Ist es der Reiz der Abgeschiedenheit, der manche verlockt, auf Friedhöfen den Anstand zu vergessen, etwas mitgehen zu lassen oder zu zerstören?

„Das ist eine Frage der Kultur“, sagt Achim Gehrke von der Stadt. So tief diese Vorfälle Angehörige auch verletzen: In Springe und den Ortsteilen scheint es sich um Einzelfälle zu handeln. Gehrke: „Hier und da würde ich mir schon eine Kontrolle von der Polizei wünschen.“ Ansonsten sei zur Zeit aber Ruhe. Hartmut Retzlaff von der Polizei bestätigt das. „Wir haben hier keine Gruppen, die regelmäßig auf Friedhöfen rumhängen und Dinge beschädigen.“

Ein Schwerpunkt der Kontrollen seien die Friedhöfe daher gerade nicht. Allerdings nähmen die Beamten Diebstähle von Gräbern durchaus ernst. „Wir wissen, dass so etwas besondere Betroffenheit auslöst und ermitteln natürlich, wenn uns solche Fälle bekannt werden“, sagt der Kriminalhauptkommissar. Auf der Verwaltungsseite beschäftigen Claudia Wolf gerade eher andere Themen rund um die etwa 10 000 Gräber, für die sie zuständig ist.

„Klagen über ungepflegte Gräber laufen immer auf, außerdem kümmern wir uns um Grabsteine, die statisch nicht mehr einwandfrei sind.“ Dass mitunter gelbe oder rote Zettel an solchen Exemplaren kleben, hat nachvollziehbare Gründe: „Es führt dazu, dass man automatisch Abstand von gefährlichen Gräbern nimmt.“ Diskretere Hinweise wären zwar schöner, nicht selten ließen Reaktionen auf städtische Schreiben aber auf sich warten. „Wenn jemand umzieht, ist das Friedhofsamt die vermutlich letzte Stelle, bei der jemand eine Adressänderung angibt“, sagt Claudia Wolf.

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