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Brandanschlag von Salzhemmendorf: Verteidiger von Saskia B. fordert Bewährungsstrafe

„Stümperhafte Spontan-Tat“

Springe/Salzhemmendorf. Vier Jahre und zwei Monate Haft für die Springerin Saskia B. (24) – das fordert die Staatsanwaltschaft im Prozess um den Brandanschlag auf ein von Flüchtlingen bewohntes Haus in Salzhemmdorf.

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Ihr Anwalt, Christoph Rautenstengel plädierte während der Fortsetzung des Verfahrens gestern für „ein faires und gerechtes Urteil mit Augenmaß“. Die junge Frau aus Springe hatte in der Tatnacht den Fluchtwagen gefahren. Der Strafverteidiger sprach von einer „insgesamt stümperhaften Spontan-Tat“ und stellte fest: „Für meine Mandantin wäre rechtlich gesehen auch eine Bewährungsstrafe möglich.“

In der U-Haft sei die 24-Jährige „behandlungsbedürftig depressiv“ geworden. Sie leide sehr darunter, derzeit nicht für ihre kleinen Kinder da zu sein zu können. Saskia B. sei „kein politischer Mensch“, sie habe seinerzeit nicht aus politischer Überzeugung oder Gesinnung gehandelt. „Ihr Verhalten ist aber als moralisch schwach zu bewerten.“

Sie bereue aufrichtig, was sie getan habe. Die junge Frau sei bislang „kein krimineller Mensch“ gewesen. Sie habe sich im vergangenen Sommer lenken und anweisen lassen. „Sie hat nicht Ja gesagt, und sie hat nicht Nein gesagt.“ Deshalb habe Saskia B. objektiv betrachtet einen Tatbeitrag geleistet, der bestraft werden müsse. Es sei aber so: „Ihre Kinder brauchen alsbald ihre Mutter zurück.“

Mit seinen Anwaltskollegen, die Nebenkläger vertreten, ging Rautenstengel scharf ins Gericht. Die meisten hätten nicht einmal ihre Mandanten präsentiert. Überhaupt frage er sich, wie einige Rechtsanwälte zu ihren Vollmachten gekommen sind. Wie könne es sein, dass eine vierköpfige Familie gleich von vier Anwälten vertreten wird. Vier Nebenkläger hätten extra einen Anwalt bemühen müssen, um nicht mehr länger gegen ihren Willen vertreten zu werden.

Zuvor erklärten gestern sechs Nebenklage-Vertreter ihre Sicht der Dinge. Sie vertreten Hausbewohner, die in dem Prozess als Nebenkläger auftreten. Alle verzichteten darauf, eigene Strafanträge zu stellen. Am Mittwoch werden die Verteidiger von Dennis L. und Sascha D. ihre Plädoyers halten.

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