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Stadtwerke gegen Eon-Avacon / Sind Springe hunderttausende Euro durch die Lappen gegangen?

Stromnetz-Streit soll heute entschieden werden

Von Christian Zett

Springe. Mit Spannung erwarten heute Stadt, Stadtwerke und Konkurrent Eon-Avacon das Urteil des Landgerichts Hannover im Streit um das Springer Stromnetz. Doch das liebe Geld bereitet den Verantwortlichen auch so Kummer: Die Stadtwerke werfen für die Stadt einen Gewinn ab, der um mehrere hunderttausend Euro unter der Summe liegt, die Eon-Avacon bei den Verhandlungen vor drei Jahren als Partner garantieren wollte.


Von Christian Zett

Springe. Mit Spannung erwarten heute Stadt, Stadtwerke und Konkurrent Eon-Avacon das Urteil des Landgerichts Hannover im Streit um das Springer Stromnetz. Doch das liebe Geld bereitet den Verantwortlichen auch so Kummer: Die Stadtwerke werfen für die Stadt einen Gewinn ab, der um mehrere hunderttausend Euro unter der Summe liegt, die Eon-Avacon bei den Verhandlungen vor drei Jahren als Partner garantieren wollte.

Doch heute geht es erst einmal um gleich drei Verfahren, die vor dem Landgericht anhängig sind. Zum einen soll geklärt werden, ob Eon-Avacon den Stadtwerken das Netz nicht nur zur Miete, sondern vollständig überlassen muss. Eon-Avacon wiederum klagt auf die korrekte Erfüllung des aktuellen Pachtvertrags. Die Stadtwerke hatten im Streit die Miete gekürzt. In einem weiteren Verfahren verlangen die Stadtwerke schließlich die Herausgabe von Daten bezüglich des Netzes.

Unterdessen scheint es aber auch so, als seien der Stadt Springe – zumindest kurzfristig – mehrere hunderttausend Euro durch die Lappen gegangen. Schuld daran soll jetzt aber wiederum derjenige sein, der das Geld eigentlich mal zahlen wollte: der Energieversorger Eon-Avacon.

Denn der hatte vor drei Jahren bei den Verhandlungen über den Betrieb der reaktivierten Stadtwerke der Verwaltung eine fixe Einnahme von 450 000 Euro jährlich garantieren wollen – unabhängig vom tatsächlichen Gewinn. Doch Eon-Avacon scheiterte damals; den Zuschlag bekam ein Firmen-Konsortium bestehend aus Veolia Wasser, BS Energy und den Stadtwerken Hameln. Sie halten 49,5 Prozent der Stadtwerke-GmbH, der Rest gehört der Stadt Springe.

Und als deren Vertreter jetzt erfuhren, dass der Jahresgewinn 2009 der Stadtwerke nur rund 16 500 Euro beträgt – und der eigene Anteil damit gut 8250 Euro – da konnten sie einen leichten Unmut nicht verbergen. „Natürlich sind wir damit nicht zufrieden“, sagt Bürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratchef Jörg-Roger Hische. Doch der frappierende Unterschied zwischen den möglichen Gewinnsummen hat für ihn einen Grund: eben jene Gerichtsprozesse, die heute entschieden werden sollen.

Egal, was Eon-Avacon der Stadt damals versprochen habe – jetzt sorge das Unternehmen dafür, dass sich der Weg zum Profit für die Stadtwerke so sehr verzögere. Denn genau wegen der für den Rechtsstreit notwendigen Rücklagen und Planungsunsicherheiten sei der Gewinn des städtischen Unternehmens so niedrig ausgefallen.

Ins gleiche Horn stieß in der jüngsten Finanzausschuss- Sitzung auch der Erste Stadtrat Hermann Aden. Er bezeichnete Stadt und Stadtwerke als „Opfer der Machenschaften“ von Eon-Avacon. Doch ohnehin sehe der Geschäftsplan der GmbH erst für 2011/12 die Gewinnzone vor, betont Hische – und, für ihn ein ebenso wichtiger Punkt: „Wir sind auch so zufrieden, weil die Kunden, die zu den Stadtwerken gewechselt sind, ungefähr 1,5 Millionen Euro gespart haben. Das muss man ebenfalls ins Kalkül ziehen.“ Inzwischen seien 33 Prozent der Springer im Bereich Strom, 55 Prozent beim Gas von Eon-Avacon zu den Stadtwerken gekommen.

Eine Vorgabe, wie hoch der Gewinn für die Stadt in Zukunft ausfallen soll, sei nicht gesetzt, betont Hische. Konfrontiert mit den 450 000 Euro, die Eon-Avacon damals geboten hatte, macht er jedoch deutlich: Der Gewinn soll sich irgendwann „in dieser Größenordnung“ bewegen.

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