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Frauen aus Völksen vor Gericht: Ex-Drogenabhängige soll zugeschlagen haben / Verfahren eingestellt

Streit um Pferdepflege endet mit Prügelei

Völksen (ric). Die Geschichte, die sich gestern am Springer Amtsgericht abspielte, hätte aus einer der vielen Justizshows im Fernsehen stammen können: filmreife Klischees, verwirrende Aussagen, eine brisante Auseinandersetzung – und ein überraschendes Ende.


Auf der einen Seite die 27-jährige, früher drogensüchtige Alleinerziehende, die zehn Jahre lang auf Heroin war und eine Therapie hinter sich hat. Die sich mit Hartz IV und anderen Sozialleistungen über Wasser hält, die ohne Berufsausbildung ist und jetzt ein acht Monate junges Kleinkind durchbringen muss. Die mit Bewährungshelfer und Familienhelferin zum Gericht gekommen war. Brisant: Die Völksenerin verbüßt eine Bewährungsstrafe – für die 27-jährige hing gestern viel vom Urteil ab. Der Vorwurf: Die Frau soll massiv handgreiflich gegenüber einer 23-Jährigen geworden sein. Das Opfer stammt offenbar aus gutem Elternhaus, steht fest im Berufsleben, hat zwei Pferde im Stall – und geriet deswegen mit der Angeklagten aneinander. Bis zu einem Vorfall im März vergangenen Jahres sollen sich die beiden Frauen allerdings gut verstanden haben.

Das Zerwürfnis fing damit an, dass die Jüngere unzufrieden damit war, wie sich ihre jetzige Kontrahentin um die Pferde gekümmert hat. Sie wollte „die Beziehung beenden“, ein Gespräch nutzte offenbar wenig, dann folgte ein Brief und letztlich ein Besuch bei der Angeklagten zuhause. Offenbar in einem Müllsack – ein Umstand, den Rechtsanwalt Heinrich Eicke mehrfach thematisierte – brachte die Zeugin die persönlichen Gegenstände zu dem Mehrfamilienhaus in Völksen.

„Ich sollte dann die Wohnung wieder verlassen, doch das ging ihr wohl nicht schnell genug“, mutmaßte die 23-Jährige. Also soll die Ältere sie am Genick gepackt, umgerissen, angespuckt, ihr mit beiden Fäusten ins Gesicht geschlagen haben. „Gezielt auf Nase, Augen und Wangen“, schildert die Geschädigte. Dann sei sie geflüchtet, nur wenige Minuten später erstattete sie unter Tränen Anzeige beim Polizeikommissariat in Springe. Die junge Frau musste ins Krankenhaus, wurde für zwei Tage stationär aufgenommen. Die Diagnose: Gehirnerschütterung, Verstauchung der Halswirbelsäule, Prellmarken, geschwollene Lippe, wackelnder Zahn.

Aussage des Freundes ist wenig hilfreich

Die Angeschuldigte, zum Zeitpunkt des Vorfalls im achten Monat schwanger, schilderte die Ereignisse anders: „Es wurde laut, auf Rücksicht gegenüber meinen Nachbarn habe ich sie gebeten, zu gehen.“ Sie hätte lediglich einen Schlag abgewehrt, dabei ihre Kontrahentin wohl im Gesicht getroffen. Laut ärztlicher Bescheinigung erlitt die 27-Jährige eine Prellung an der Schulter. Weder hilfreich noch überzeugend war für die Wahrheitsfindung die Aussage des Freundes der Zeugin. Er hatte am Tag der Tat vor der Tür gewartet, konnte aber den Zustand seiner Freundin nicht mehr beschreiben.

Richterin Dr. Vanessa Brandt einigte sich nach knapp zwei Stunden Verhandlung mit der Staatsanwältin darauf, das Verfahren einzustellen. Sie warnte jedoch die Angeklagte, sich nichts mehr zuschulden kommen zu lassen. „Sie stehen unter Bewährung, setzen Sie nichts aufs Spiel!“

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