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Geigendiebstahl auf dem Rittergut Bennigsen hat ein kurioses Nachspiel vor Gericht

Stradivari: V-Mann will Geld von der Polizei

Bennigsen. Die geliebte Stradivari ist wieder da, Roderic von Bennigsen überglücklich. Doch einer fühlt sich über den Tisch gezogen: Der verdeckte Ermittler, der maßgeblich zur Wiederbeschaffung der teuren Geige, die im Oktober 2008 vom Rittergut Bennigsen gestohlen wurde, beigetragen hat, klagt vor dem Landgericht Hannover. Er fordert von der Polizei Geld für seine Arbeit und beruft sich dabei auf eine Tarifordnung zur Bezahlung von V-Leuten. Hätte er gewusst, dass die Ermittler ihn nicht entlohnen würden, hätte er die Stradivari kaputt gehauen, schimpfte er gestern vor Gericht. „Alle haben sich gefreut – nur ich war der Dumme.“

Autor:

Sigrun Stock

Der hochgewachsene Mann ist eine eindrucksvolle Erscheinung: dunkler Anzug, Gipsy-Stiefel, kurzer Pferdeschwanz, tiefe Stimme, vernarbtes Gesicht. Mit zwei Personenschützern erscheint er im Gerichtssaal. Seinen Namen will er nicht in der Öffentlichkeit nennen, auch nicht sein Alter. Mehrfach war er für die Polizei in Süddeutschland als V-Mann tätig, wenn es darum ging, gestohlenes Diebesgut wieder zu beschaffen. Deswegen setzte er auch diesmal auf eine Entlohnung, als er sich an die Beamten wandte, nachdem ihm im Sommer 2009 die millionenteure Stradivari angeboten worden war. Sein Anwalt Jens Becker-Platen: „Mein Mandant ist aus allen Wolken gefallen, als er hörte, dass er nichts bekommen soll.“ Nach der Tarifordnung zur Bezahlung von verdeckten Ermittlern – so etwas gibt es – fordert der V-Mann fünf Prozent des Wertes des Diebesgutes, insgesamt 150 000 Euro.

Strittig ist aber, wie konkret die Polizei ihn beauftragte, sich um die Wiederbeschaffung der Geige zu kümmern. Die Beamten erklärten ihm, dass sie ihm bei den Ermittlungen nicht den Schutz seiner Identität zusichern könnten. So habe für ihn klar sein müssen, dass er nicht als V-Mann, sondern nur als Zeuge im Einsatz war, argumentieren die Polizisten – obwohl er den fingierten Verkauf der gestohlenen Geige einfädelte, bei dem die Diebe festgenommen wurden.

Von der Hamburg-Mannheimer, bei der das Instrument gegen Diebstahl versichert war, kassierte der Mann dafür 160 000 Euro Belohnung. „Riskieren Sie Ihr Leben dafür? Ich nicht“, sagte er. Sein Anwalt ergänzt: „Mein Mandant wird heute noch bedroht, er ist ein hohes Risiko eingegangen.“ Eine Entscheidung des Gerichts soll es am 7. April geben – doch eine langjährige V-Mann-Karriere dürfte in jedem Fall beendet sein.

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