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Stadt: Keine weiteren Wohnungen für Flüchtlinge anmieten

Springe. Der Druck auf den Wohnungsmarkt wächst: Fachbereichsleiter Clemens Gebauer hält es für unverantwortlich, weitere Wohnungen für Flüchtlinge anzumieten. Für Normalbürger werde es immer schwerer, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Springe. 50 Wohnungen hat die Stadtverwaltung in der Kernstadt und den Ortsteilen angemietet, um Flüchtlingen ein Zuhause zu geben. Fachbereichsleiter Clemens Gebauer hat sich bislang für die „dezentrale Unterbringung“ eingesetzt, warnt aber jetzt vor der Kehrseite der Medaille: „Der Druck auf dem Mietmarkt wird zu hoch.“

Für Normalbürger werde es mittlerweile schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Besonders arg sei die Situation für sozialschwache Familien. Gebauer hält es deshalb für notwendig, bis zum Herbst eine Großunterkunft für Flüchtlinge zu errichten und keine weiteren Wohnungen mehr anzumieten – beziehungsweise sogar die ersten Räume wieder für den freien Markt abzutreten.

Die Stadt will der Region Hannover in den nächsten Tagen eine Liste mit städtischen Grundstücken in der Kernstadt und den Ortsteilen schicken, die für das Neubau-Projekt infrage kommen. Für wie viele Asylbewerber geplant werden muss, ist allerdings noch vollkommen unklar. „Wir rechnen in Hunderterschritten“, antwortet Gebauer auf die Frage nach der Personenzahl – und schiebt nach: „Diese große Unsicherheit macht uns allen Kummer. Niemand weiß, was in den nächsten Monaten auf uns zukommt.“ Die Angaben, wie viele Flüchtlinge der Stadt zugewiesen werden, ändere sich laufend.

Von der Idee, für eine Übergangszeit Sporthallen zu belegen, hält der Chef des städtischen Sozialbereichs nichts. „Da wollen wir nicht ran. Das ist für uns die allerletzte Möglichkeit“, so Gebauer. Eher würde die Stadt „eine Wagenburg aufstellen“ – also Wohnwagen besorgen und ausstatten – oder leer stehende Gewerbeobjekte anmieten. Tatsächlich haben sich Verwaltungsmitarbeiter zwischenzeitlich nach Bürogebäuden umgesehen. Immobilien, in die nicht umfangreich investiert werden müsste, waren jedoch nicht dabei. Das bisherige Pflegeheim „Roddau“, das gerade zum Asylheim umfunktioniert wurde, ist dabei eine Ausnahme.

Der Plan „Neubau“ steht jetzt auf der Prioritätenliste ganz oben. Drei Möglichkeiten gibt es: Die Region fördert den Aufbau von Häusern in Modulbauweise (Gebauer: „Das sind keine Container“), die für etwa zehn Jahre genutzt werden können. Auch die Kreissiedlungsgesellschaft (KSG) bietet an, „Sozialbauten“ zu errichten. Diese Variante ist teurer, die Häuser könnten aber nach der Flüchtlings-Ära dem normalen Wohnungsmarkt zugeführt werden. Dritte Möglichkeit: Die Stadt entscheidet sich für Mehrfamilienhäuser, die sie selber errichtet.

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