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Salzhemmendorf-Prozess: Saskia B. könnte nur noch wegen Beihilfe verurteilt werden

Springerin soll vier Jahre in Haft

Springe/Hannover. Ein zaghaftes Lächeln huscht über das Gesicht von Saskia B. (24). Die zweifache Mutter aus Springe war bislang als Mittäterin am Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf angeklagt.


Springe/Hannover. Ein zaghaftes Lächeln huscht über das Gesicht von Saskia B. (24). Die zweifache Mutter aus Springe war bislang als Mittäterin am Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf angeklagt. Am sechsten Verhandlungstag gab Vorsitzender Richter Wolfgang Rosenbusch gestern einen wichtigen rechtlichen Hinweis: Saskia B. könnte statt einer Mittäterschaft nur noch wegen Beihilfe zum versuchten Mord in vier Fällen und schwerer Brandstiftung verurteilt werden.

Diesen Hinweis nahmen die Staatsanwälte Dr. Katharina Sprave und Dr. Karim-René Jouran in ihren Plädoyers sofort auf. Sie beantragten für die bisher nicht vorbestrafte Springerin wegen Beihilfe vier Jahre und zwei Monate Haft.

Für den Holzmechaniker Dennis L. (31) aus Lauenau, der am 28. August 2015 nachts um zwei Uhr einen Molotow-Cocktail in eine Erdgeschosswohnung des Flüchtlingsheims in Salzhemmendorf geworfen hatte, beantragte Dr. Sprave acht Jahre Gefängnis. Für Sascha D. (25) verlangten die Ankläger sieben Jahre Freiheitsstrafe.

Dr. Jouran: „Die Angeklagten haben gemeinschaftlich in Tötungsabsicht gehandelt!“ Ihr Tatmotiv sei Ausländer- und Fremdenhass gewesen. Dennis L. habe auf der Fahrt zum Tatort gesagt: „Ich will einen Neger brennen sehen“. Und auf der Rückfahrt habe der Mechaniker geäußert: „Wenn ein Neger stirbt, feiere ich“. Der Staatsanwalt: „Zum Glück ist bei diesem Anschlag niemand verletzt worden.“ Staatsanwältin Sprave betonte: „Bei dem Anschlag hat Dennis L. eine führende Rolle gespielt. Sascha D. hat den Brandsatz gemeinsam mit ihm gebaut!“ Die Springerin habe eine andere Rolle gespielt: „Saskia B. hatte keinen Einfluss auf die Tatausführung und beim Bau des Brandsatzes.“ Sie habe Sascha D. (mit dem sie früher ein Verhältnis hatte) nicht allein lassen wollen. Trotzdem unterstrich Sprave: „Die Angeklagten haben heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt. Sie haben die Arg- und Wehrlosigkeit ihrer Opfer ausgenutzt.“ Tatmotiv sei Fremdenhass gewesen: „Das ist verachtenswert und steht auf sittlich niedrigster Stufe.“

Bei Saskia B. konnte die Staatsanwältin keine Fremdenfeindlichkeit erkennen. „Sie war nach ihrer Festnahme sofort geständig.“ Aber sie habe die Tat erst ermöglicht, da sie als Einzige des Trios einen Führerschein besessen habe. Am 16. März plädieren die Verteidiger und am 17. März will das Schwurgericht sein Urteil verkünden.

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