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Springe: Mit dem Bulli bedrängt

SPRINGE. Erst soll er eine Frau durch wiederholtes Auffahren mit seinem VW-Bulli bedrängt haben, ihm den Weg frei zu machen. Anschließend soll der Rentner in ein Fahrzeug hineingefahren sein: Wegen Nötigung und Unfallflucht musste er sich jetzt vorm Amtsgericht verantworten. Der Mann bestritt die Vorwürfe.

Wegen Nötigung und Unfallflucht musste sich nun ein 67-jähriger Angeklagter vor dem Springer Amtsgericht verantworten. Foto: Archiv

Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Im vergangenen August hatte der Mann seinen VW-Bulli in der Straße Jägerallee/ Ecke In der Wanne geparkt, um ein ärztliches Rezept aus einer Praxis zu holen. Sein Fahrzeug ragte dabei offenbar weit in die Straße hinein. Auch auf der Gegenseite der Straße hatte ein Auto geparkt. Ein vorbeifahrender Wagen touchierte dieses Auto und beschädigte dabei den Außenspiegel. Beobachtet hatte den Vorfall nicht nur die Halterin des Wagens, die aus persönlichen Gründen nicht als Zeugin an der Verhandlung teilnehmen konnte, sondern auch eine Bekannte. Als nun der Angeklagte zurück aus der Praxis kam und wieder in seinen Bulli stieg, warfen die beiden Frauen ihm vor, zu weit in der Straße geparkt zu haben. Deshalb habe er den Defekt am Außenspiegel verursacht. „Wir hatten inzwischen die Polizei informiert und den Mann gebeten, so lange zu warten, bis die Beamten kommen“, erzählte eine 31-Jährige in ihrer Zeugenaussage.

Doch der Rentner habe nicht reagiert und wollte dennoch losfahren. Daraufhin habe sich die Halterin des beschädigten Wagens vor den Bulli gestellt. Der Angeklagte sei dann drei Mal auf ihre Bekannte zugefahren und habe sie sogar touchiert. Dann habe sie ihre Bekannte von der Stoßstange weggezerrt, aus Angst, sie könne verletzt werden. Der Angeklagte jedoch drehte den Spieß um: „Ich fühlte mich genötigt“, sagte er zu der Zeugin. Und fuhr fort: „Ich dachte, die Frau wollte ihr Handy, das sie in der Hand hielt, als Wurfgeschoss gegen mich nutzen“. Deshalb habe er Todesangst bekommen und dann einen Akt der Selbstjustiz vollzogen.

Als er seinen Wagen wendete, fuhr der Mann offenbar in ein anderes Auto, an dem ein Schaden von 2000 Euro entstanden sein soll. Dann sei er davongerast, berichtete die 31-Jährige. Der Angeklagte erklärte indes, er habe keine Kollision wahrgenommen. Und die 31-Jährige berichtete zwar, den Zusammenstoß wahrgenommen zu haben, sie war sich aber nicht sicher, ein Aufprallgeräusch gehört zu haben. Auch andere Zeugen hatten kein Unfallgeräusch gehört.

Fotos oder weitere Beweise für den Unfall gebe es nicht, erklärte die Strafrichterin. Sie stellte das Verfahren gegen den 67-Jährigen gegen eine Auflage ein: Der Mann muss nun 60 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

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