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Spielend leicht gelernt

Springe. Eva Maus arbeitet seit November Flüchtlingskindern, die in der Grundschule Hinter der Burg unterrichtet werden. Bei dem Projekt „Sternstunden“, das vom Kinderschutzbund gefördert wird, lernen die Kinder auf spielerische Art und Weise die deutsche Sprache.


Springe. Auf dem Klassenboden liegen vier große Blätter Papier. Eins pro Kind. Darauf zu sehen der Umriss eines Menschen. Zwei Mädchen und zwei Jungen sitzen daneben, verpassen den Figuren mit ihren Buntstiften Gesichter, Haare und Kleidung. Direkt in der Mitte hockt Eva Maus. Die promovierte Literaturdidaktikerin arbeitet seit November mit den Kindern der Grundschule Hinter der Burg zusammen – genauer gesagt, mit den Flüchtlingskindern, die hier den Unterricht besuchen. Bei dem Projekt „Sternstunden“, das vom Kinderschutzbund gefördert wird, lernen die Kinder auf spielerische Art und Weise die deutsche Sprache.

„Wir haben schon eine ganze Weile nach jemandem gesucht, der ein Sprachprojekt betreuen kann“, sagt Roswitha Prüssing, Vorsitzende des Kinderschutzbunds. Als sich Maus bei der Organisation vorstellte, weil sie ehrenamtlich helfen wollte, habe sie „offene Türen eingerannt“. „Ich habe früher schon einmal in der Kinderstube mitgearbeitet“, sagt Maus. Deshalb kenne man sich bereits. Und mit ihrem Studium war sie die perfekte Besetzung.

Seit Ende vergangenen Jahres arbeitet die Springerin jetzt mit den Kindern – immer in direkter Absprache mit den Lehrern. Die Mädchen und Jungen, die zweimal in der Woche an dem „Sternstunden“-Projekt teilnehmen, kommen aus Syrien, Serbien oder auch Montenegro. Und da einige von ihnen bereits etwas länger in Springe leben als andere und schon mehr Erfahrungen sammeln konnten, unterrichtet Maus die Kinder in zwei Gruppen. „Ich sehe jedes der Kinder zweimal die Woche. An einem Tag sind sie mit Gleichaltrigen zusammen, an dem anderen Tag unterrichte ich sie nach Lehrstand“, sagt die 34-Jährige.

Das Wort Unterricht sei dabei jedoch irreführend. Bei dem Projekt gehe es in erster Linie darum, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken und ihnen ganz ohne Druck etwas beizubringen. Dabei spielten auch Rituale eine wichtige Rolle. „Unsere Treffen beginnen immer damit, dass ich die Kinder aus den Klassen abhole“, sagt Maus. Viele fielen ihr dann in die Arme und wollten an die Hand genommen werden. Danach arbeitet die Literaturdidaktikerin sehr frei mit den Kindern. An diesem Morgen etwa haben sich die Kinder mit dem Thema Körperteile beschäftigt.

„Ich versuche, die Kinder möglichst spielerisch weiterzubringen“, sagt die 34-Jährige. Die gesprochene Sprache und das Hörverstehen stehen dabei im Vordergrund. Vokabeln werden leichter verinnerlicht, wenn sie sozusagen mit Leben gefüllt werden. Soll heißen, Maus ruft den Kindern verschiedene Verben zu und die Kinder müssen das dann machen – von Laufen über Springen bis zu Lachen kann dabei alles dabei sein. „Das macht den Kindern richtig Spaß“, weiß Maus. Die Kinder kämen alle gerne zu den Förderstunden.

Das Schönste sei jedoch, wenn die Kinder langsam aufblühen. Wenn neue Kinder hinzukommen säßen sie oft erst einmal ganz eingeschüchtert da. Das ändere sich aber häufig schnell. Eine Einschätzung, die auch Prüssing aus ihrer Arbeit im Kinderschutzbund kennt. „Als wir das erste Mal den Mädchen-Treff angeboten haben, saßen die Kinder alle in Jacken da“, sagt sie. Das habe sich erst nach einigen Wochen geändert, nachdem sie sich im wahrsten Sinne des Wortes in der neuen Umgebung „aufgewärmt“ hatten.

Einen Zeitstempel, wie lange das Sternstunden-Projekt laufen wird, gibt es nicht. „Es ist wichtig, dass man ganz niedrig ansetzt und Anfänge schafft“, sagt Prüssing.

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