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SPD will Groß-Kita bauen, um der Krise Herr zu werden

SPRINGE. Damit, dass ab Sommer 200 Betreuungsplätze für Krippen- und Kindergartenkinder fehlen werden, hatte niemand gerechnet. Bei der SPD werden jetzt Pläne zum Bau einer Großkita geschmiedet. Und über potenzielle Bauplätze nachgedacht. „Wir müssen Denkverbote aufheben“, fordert Fraktionschef Bastian Reinhardt.

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Autor:

MARITA SCHEFFLER UND RALF T. MISCHER

Die Genossen sind bereit, mehrere Filetstücke im Stadtgebiet zu opfern. Denkbar sei eine Großkita auf dem Hallenbad-Außengelände, auf dem Schützenplatz oder auch auf der Erweiterungsfläche des Neuen Friedhofs, schreibt Fraktionschef Bastian Reinhardt in einem Brief an die Verwaltung.

„Wir müssen von kleineren Lösungen weggehen, unkonventioneller denken“, so Reinhardt, der zusammen mit Simone Oertel auch in den Ortsteilen Flächen ausgeguckt hat, die bislang mit einem Tabu belegt waren. Dazu gehören der Festplatz in Völksen, freie Gewerbeflächen in Völksen, der alte Sportplatz in Gestorf und der Aschenplatz in Bennigsen.

Die SPD weiß, dass die Bebauung jedes der Grundstücke bedeuten würde, eine heilige Kuh zu schlachten. Für die Liegefläche des Hallenbades zum Beispiel lagen bis vor einigen Jahren detaillierte Pläne für ein Freibad-Becken in der Schublade. Und fällt der Schützenplatz – er liegt am Hallenbad-Parkplatz – weg, gibt es keinen Ort mehr fürs Springer Schützenfest. Die Bebauung des Völksener Festplatz würde die Organisatoren von „Rock am Deister“ vor Probleme stellen.

Trotzdem: Da derzeit 200 Kita-Plätze im Stadtgebiet fehlen, dürfe nicht weiter „in kleinklein“ gedacht werden, fordert Reinhardt den großen Wurf: „Dann muss ein Festplatz oder ein Ascheplatz oder eine lieb gewonnene Fläche jetzt aufgegeben und umgenutzt werden. Anders kommen wir aus meiner Sicht nicht aus diesem Problem heraus.“

An keiner der bestehenden Kitas im Stadtgebiet gibt es nennenswerte Erweiterungsmöglichkeiten. Sollen auf einen Schlag mehrere Krippen- oder Kindergarten-Gruppen geschaffen werden, muss folglich ein großer Neubau her. Besonders arg ist die Not derzeit in Völksen und in der Kernstadt (wir berichteten).

Die Stadt hat vor sechs Wochen Anzeigen geschaltet, um potenzielle Grundstücksverkäufer auf sich aufmerksam zu machen. „Es tröpfelt auch immer mal wieder etwas herein. Aber es ist leider nicht überbordend“, zieht Bürgermeister Christian Springfeld eine Zwischenbilanz. Der große Wurf sei großer Reichweite der Anzeigen nicht gelungen.

Selbst wenn Verwaltung und Politik nun gemeinsam eine Kraftanstrengung auf den Weg brächten, wenn sie alle, wie Reinhardt sagt „die Hacken zusammenhauen“ – mit beschleunigter Bauleitplanung, und schneller Modulbauweise – bis eine Großkita fertig wäre, dauert es mindestens bis 2019.

Bis dahin müssen Verwaltung, Politik und Betroffene nach alternativen Lösungen suchen. „Da ist dann Kreativität gefragt“, sagt der SPD-Fraktionschef.

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