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SPD Völksen feiert 120-jähriges Bestehen

VÖLKSEN. Es waren Bergbauarbeiter, die 1897 den Gründungsstein der SPD in Völksen setzten. 120 Jahre später sind die Genossen aktiv – und baten einen ihrer Veteranen darum, die Geschichte der Partei im Ort aufzuarbeiten.
Historiker Horst Callies erinnert an die Leitlinien der Partei, findet dabei auch kritische Worte.

Die SPD-Abteilung Völksen gedenkt ihrer Gründung 1897: . Fotos: SZABO

Autor:

patricia szabo

Der Ortsverein entsprang aus einem sozialdemokratischen Wahlverein, zu dem damals auch Gestorf gehörte. Callies betont, dass die SPD dem Land den „Stempel des Fortschritts“ verlieh, was den kleinen Vereinen zu verdanken sei. Es begrüßte auch, dass sowohl vor 1933 als auch seit den 1960er Jahren Völksen stets einen sozialdemokratischen Ortsbürgermeister hatte.

„In den Anfängen – und diese darf man nie vergessen – war die SPD eine soziale und politische Bewegung, die stets an den aktuellen Problemen der Menschen dran war“: soziale Ungerechtigkeit, Verbot der Kinderarbeit und Arbeiterinteressen. Callies sagt, auf der Agenda der Partei hätten schon immer sozialpolitische Themen gestanden: Man habe einen starken Bezug zur aktuellen Politik gezeigt, so auch eine klare ablehnende Haltung gegen Diktaturen und sich sowohl gegen die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) als auch gegen Faschismus und gegen den in den 1930er Jahren aufkommenden Nationalsozialismus gestellt.

Heute stehe die SPD in erster Linie für den Ausbau des Sozialstaates. Auch der ökologische Gedanke und der Internationalismus spielten in der Partei eine wichtige Rolle – nicht zuletzt der Ausbau des Bildungssystems. In diesem Zusammenhang kritisiert Callies, dass Industrie und Handwerk von der Partei aus den Augen gelassen und vernachlässigt wurden. Er bedauerte außerdem die innere Zerrissenheit der Repräsentanten der Partei und die inneren Konflikte, die zahlreiche Bürger irritieren würden: „Es ist ein Vergehen an den Wählern.“

Horst Callies
  • Horst Callies

„Was bleibt für die Zukunft?“, fragt Callies und fügt hinzu, dass sich die Sozialdemokraten noch nicht überlebt hätten, sofern sich die Partei auf ihre Grundsätze besinne: „Jeder muss von seiner Arbeit leben können“, fordert Callies und plädiert für die „Eindämmung des Raubtierkapitalismus“.

Auch in den gegenwärtigen rechtspopulistischen Trends sieht er eine Gefahr. „Ich habe es nicht für denkbar gehalten, dass in Deutschland eine rechte, sozialkonservative und antidemokratische Kraft noch möglich ist“. Trotzdem tritt er für einen Dialog ein: „Man muss sich argumentativ auseinandersetzen“.

Und die SPD in Völksen? Auch den Genossen auf der lokalen Ebene gibt Callies einen Rat: „Sozialdemokraten waren in Völksen stark, wenn sie wussten, was die Bürger bewegt“. Bei der Feierstunde ging es jetzt auch zurück zu den Wurzeln: Mit einer gemeinsamen Wanderung besuchten die Genossen den Gründungsort der heimischen SPD am Mensingschen Bruch oberhalb von Völksen.

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