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SPD arbeitet Bürgermeisterwahl auf

Springe. Es war eine engagierte und emotionale Diskussion, die die SPD jetzt bei ihrer Mitgliederversammlung führte. Das schlechte Ergebnis der Bürgermeisterwahl war das Thema des Abends.


Springe. Es war eine engagierte Diskussion, die die SPD am Freitagabend bei ihrer Mitgliederversammlung führte. Eine Diskussion bei der die Emotionen hochkochten und auch schon einmal die Stimme erhoben, ja, Tacheles geredet wurde. Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl bei der Volker Gniesmer als SPD-Kandidat nur den letzten Platz einfahren konnte, ließ keines der Parteimitglieder kalt, als sie Ursachenforschung für diese Niederlage betrieben. Die Schließung des Springer Krankenhauses, so die einhellige Meinung der SPD-Mitglieder, sei wohl der Hauptgrund für die wenigen Stimmen gewesen.

„Sicher haben wir nicht alles geschafft und gut gemacht, aber wir haben uns bemüht“, sagte Ortsvereinvorsitzender Eberhard Brezski. Aber die Schließung des Springer Krankenhauses machten die Springer den Sozialdemokraten zum Vorwurf. In den Augen der Wähler hätte die SPD versagt. Und da unterschieden sie nicht zwischen Partei und Einzelperson. Deshalb habe Gniesmer schlechte Karten gehabt. Besonders das Verhalten von Gabriela Kohlenberg stellte Brezski an den Pranger und bezeichnete sie als „fahnenflüchtig“. Eine Einschätzung, der viele der Mitglieder lautstark zustimmten. Sie habe mehr machen können, aber stattdessen bewege sich Kohlenberg „wie ein wandelndes Fragezeichen durch die Welt“, so Brezski.

Die Wut über das Krankenhaus-Aus sei Gniesmer bereits im Wahlkampf mehrfach entgegengeschlagen. Als der Bürgermeisterkandidat zusammen mit Stephan Weil und Matthias Miersch vor dem Wahlsonntag über den Wochenmarkt gegangen sei, um mit den Wählern ins Gespräch zu kommen und Rosen zu verteilen, seien viele Bürger ihnen mit einer ungemeinen Aggressivität begegnet. Dabei seien auch immer wieder das Wort Krankenhaus gefallen.

Doch nicht nur die Klinikschließung könne man für die Wahl-“Misere“ verantwortlich machen, so ein Genosse. Die Ursachen seien vielfältiger. Man müsse sich eingestehen, dass die Partei, dass Gniesmer, Fehler gemacht haben. Dass der Bennigser offen gesagt habe, nur für fünf Jahre das Amt übernehmen zu wollen, sei ihm zum Verhängnis geworden. Auch CDU-Kandidat Ralf Burmeister, der sich in der Stichwahl gegen Christian Springfeld (FDP) geschlagen geben musste, habe ebenfalls nur eine Wahlperiode Bürgermeister bleiben wollen, aber er habe nicht mit offenen Karten gespielt und erst später die Wahrheit zugegeben. Da hätte die SPD öffentlich drauf reagieren müssen, so das Parteimitglied, doch statt in die Diskussion zu gehen, habe man geschwiegen.

In genau dieser Hinsicht - Dinge offen anzusprechen - sieht auch Bastian Reinhard einen der Gründe, warum sich Springfeld durchsetzen konnte. Er habe aktuelle Themen angesprochen und Tacheles geredet, so der Springer. Zudem habe er die sozialen Medien gut genutzt und offenbar ein gut funktionierendes Netzwerk vorzuweisen. „Ich finde das schon sehr bezeichnend, dass ein Kandidat gewählt wird, der recht unbekannt ist, kaum Vorkenntnisse hat, von außen kommt und noch recht jung ist. Ich würde sagen, dass die Springer offenbar der älteren Politikern überdrüssig sind“, sagte Reinhard. Und lies dabei nicht aus, zu betonen, dass ihm ja ans Herz gelegt worden war, nicht zu kandidieren.

Auch andere Parteimitglieder räumten ein, dass wohl die „junge und frische Art“ Springfelds gut angekommen sei. Diese jungenhafte Ausstrahlung sei damals auch Jörg-Roger Hische bei der Wahl zugute gekommen. Zudem seien Springfeld und Uwe Lampe im Wahlkampf von Haus zu Haus gegangen, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Dieser „amerikanische Wahlkampf“ habe offenbar vielen Deisterstädtern gefallen. Die Kandidatur von Lampe als ehemaligem SPD-Mitglied allgemein, sahen viele Sozialdemokraten als zusätzliches Hindernis für Gniesmer. Er habe sich die Stimmen mit dem Tafel-Vorsitzenden teilen müssen.

In der gesamten Diskussion um das schlechte Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl blieb der, um den es ging, ganz ruhig: Volker Gniesmer. Er überließ an diesem Abend anderen das Wort und bedankte sich nur kurz für die Unterstützung der Genossen, blieb danach aber so unauffällig, dass es so schien, als sei er gar nicht da – fast ein bisschen so wie vor vier Wochen bei der Wahl selbst.

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