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Springe. 58 Jugendliche in der Stadt stehen zum heutigen Beginn des Ausbildungsjahres noch ohne Lehrstelle da. In Springe werden die meisten auch nicht mehr unterkommen – hier sind nur 18 Stellen noch unbesetzt.

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„Das ist überhaupt kein Beinbruch“, meint Rainer Keßler, Sprecher der zuständigen Agentur für Arbeit. Jugendliche seien heutzutage mobil – zudem gebe es eine hohe Abbrecherquote, sodass viele Stellen bereits nach einigen Wochen neu besetzt werden müssten. „In manchen Branchen beginnt das Ausbildungsjahr außerdem erst im September.“ Kein Grund zur Beunruhigung also?

Ganz so einfach kann man es sich dann nicht machen, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Demnach suchen in diesem Ausbildungsjahr noch 74 Jugendliche nach einer Lehrstelle, die ihren Schulabschluss bereits im Vorjahr gemacht haben. Dazu kommen sogar 66 Suchende, die ihren Schulabschluss bereits vor zwei Jahren gemacht haben und seitdem keine Ausbildung beginnen konnten.

Viele von ihnen haben lediglich einen Hauptschulabschluss. Und genau das ist offenbar ein Problem – zumindest, wenn man den Argumenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) glaubt.

„Oft fehlt es Bewerbern an Grundkenntnissen in Sprache und Mathematik“, sagt Günter Hirth von der IHK Hannover. Springer Unternehmer bestätigen seine Einschätzung.

„Die Vorbildung lässt häufig zu wünschen übrig“, sagt Matthias Herbst von der Firma „Holz & Technic“. Bei vielen Bewerbern fallen dem Unternehmer auch zahlreiche unentschuldigte Fehlzeiten in den Zeugnissen auf. „Das hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen“, sagt Herbst. Obwohl die Zahl passender Bewerber geringer wird, konnte „Holz & Technic“ alle freien Stellen besetzen: Vier Lehrlinge starten heute bei dem Holzverarbeitungsbetrieb.

Bereits seit Monaten sind die vier Ausbildungsstellen bei Paulmann in Völksen vergeben. Unternehmenssprecherin Viola Peine bestätigt den Eindruck, dass die Qualität der Bewerbungen nachlasse. „Das gilt auch für die Anschreiben“, sagt sie.

Allein die Demografie, genauer gesagt der sich abzeichnende Facharbeitermangel, könnte leistungsschwächeren Schülern in die Hände spielen. „Immer mehr Firmen stellen deshalb auch schwächere Schüler ein“, sagt Hirth. Zudem böten viele große Unternehmen in Niedersachsen während der Ausbildung Nachhilfe an.

In Springe ist vom Facharbeitermangel aber bislang noch wenig zu spüren: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen stagniert bei um die 30.

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