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Sorge wegen Schweinepest

SPRINGE. Die Sorge der heimischen Jäger ist groß – und auch die Forstämter haben das Thema auf der Agenda: Erste Präventionsmaßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest laufen in Springe bereits.

Die Wildschweine im Deister stehen unter verstärkter Kontrolle. Unter anderem werden verendete Tiere genau untersucht. Um die Bestände zu reduzieren – sollte es zum Ausbruch der Krankheit kommen – müssen die Tiere vermehrt bejagt werden. FOTO: ARCHIV
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Das Virus gilt als hochansteckend für Wild- und auch Hausschweine, es breitet sich jedoch über Wildschweine aus. Die Krankheit verläuft für die Tiere binnen weniger Tage tödlich. Das Forstamt Saupark hat bereits damit begonnen, mehr Schwarzwild zu schießen.

Laut Forstamtsleiter Christian Boele-Keimer hat es von der Betriebsleitung der Landesforsten bereits im Oktober die Aufforderung an die Forstämter gegeben, den Wildschweinbestand in den Revieren zu reduzieren. Anders, als anzunehmen wäre, sieht Boele-Keimer den Bestand im umgrenzten Saupark aber nicht anders durch die Krankheit gefährdet, als irgendeinen anderen Ort im Wald. Einerseits schütze „die Sauparkmauer nicht vor Ansteckung“, andererseits gebe es „in freier Wildbahn Reviere, die einen höheren Schwarzwild-Bestand haben“. Immerhin habe man bereits vor vier Jahren damit begonnen, den Tierbestand hinter der Sauparkmauer zu gezielt zu reduzieren. Grund war der Wegfall der Gästejagden auf dem Gelände.

„Das Problem ist, dass der Ausbruch an jedem Ort stattfinden kann“, sagt der Forstamtschef und ergänzt: „Wir können nur präventiv tätig werden“ – und das geschehe bereits. Konkret werde erstens verhindert, dass Innereien geschossener Tiere im Wald bleiben, um mögliche Ansteckungen auszuschließen, zweitens werde der „Trägerpool reduziert“ – also Tiere werden vermehrt geschossen, und drittens werde Fallwild, also Wildschweine, die eines natürlichen Todes gestorben sind, auf möglichen Virenbefall und Krankheitssymptome untersucht.

Auf dem Gelände im Zuständigkeitsbereich des Sauparks werden laut Boele-Keimer jährlich 300 bis 400 Wildschweine geschossen, die Schwarzwilddichte liege im 7600 Hektar großen Zuständigkeitsbereich des Amtes bei fünf Tieren pro 100 Hektar.

Das vorsichtige Vorgehen sei berechtigt, sagt Stadtförster Bernd Gallas. Die Schweinepest sei eine „böse Krankheit, die großen Schaden im Wild- und Nutztierbestand anrichten kann“. Er werde die Lage genau beobachten, sollte er ein totes Tier im Deister finden.

Aber es sei nicht damit getan, die Wildschweine nur abzuschießen, befürchtet Gallas. Denn die Schwarzwild-Jagd sei sehr schwierig, schließlich sind die Tiere nachtaktiv und damit nur schwer zu bejagen. „Für die Jäger ist es ein großer Aufwand, mehr Tiere zu erlegen“, weiß Gallas.

Dass die Jäger die Tiere bereits vermehrt bejagen, kann auch Volker Gniesmer, Vorsitzender der Springer Jägerschaft, bestätigen.

Zur Vorbeugung hatte der Bauernverband den Abschuss von 70 Prozent der Wildschweine in Deutschland gefordert – das sei utopisch, sagt Gniesmer. „Das ist Augenwischerei, das können wir gar nicht erreichen. Schließlich können die Jäger nicht 24 Stunden draußen sein.“ Ziel sei aber dennoch, die Bestände zu dezimieren. „Mehr können wir noch nicht machen.“

Gniesmer hofft indes auf eine Neuregelung des Landes in Sachen Nachtsichttechnik. Noch ist es verboten, die Tiere mit einer Taschenlampe anzuleuchten. „Die Schweine sieht man aber nachts sonst kaum.“ In einigen Ländern sei diese Regelung daher gelockert worden – in Niedersachsen allerdings noch nicht. „Weil wir ein Schweineerzeugerland sind, wird das ein echtes Problem werden, vor allem für die Landwirte“, befürchtet Gniesmer.

Auch dass es keinen Impfstoff gegen die Schweinepest gebe, sei schlecht. „Wir haben aber die Erfahrung gemacht: Je stärker die Tiere bejagt werden, desto schneller vermehren sie sich. So reagiert die Natur und da muss man auch vorsichtig sein.“ Unsicherheit herrsche unter den Jägern aber noch nicht. „Ich wurde bereits mehrfach im Zug auf dem Weg zur Arbeit gefragt, ob die Krankheit auf den Mensch übertragbar ist, denn davor haben die Leute Angst“, berichtet Gniesmer. Für Menschen sei die Krankheit aber nicht gefährlich.

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