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Kultusminister spricht sich deutlich gegen Gesamtschule aus / Seine Alternative: Die Oberschule

„Skeptisch, ob IGS Springe genehmigt wird“

Springe (mari). Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann ist „ausgesprochen skeptisch“, ob eine IGS in Springe genehmigt würde. Die Zahlen sprächen klar dagegen. „Es nützt doch niemandem, sich gegenseitig die Schüler wegzunehmen und ein bestehendes Gymnasium zu schwächen.“ Althusmann in Richtung der IGS-Befürworter: „Warum wollen Sie einen Krieg auslösen?“

„Warum wollen Sie einen Krieg auslösen?“: Kultusminister Bernd Althusmann kritisiert die Elterninitiative „IGS

Die IGS ist nicht Altusmanns Lieblingskind. Das stand schon fest, bevor der 44-jährige Präsident der deutschen Kultusministerkonferenz gestern gegen 17.30 Uhr die Aula des Schulzentrums Süd betrat und auf Einladung der örtlichen CDU über „Chancen und Perspektiven des neuen Schulkonzepts“ referierte. 200 Springer wollten ihn hören – Eltern ebenso wie Schüler, IGS-Fans genauso wie Gesamtschulgegner.

Die IGS sei „kein überlegendes System“. Diese These zog sich wie ein roter Faden durch Althusmanns Rede. In keiner anderen Schulform hänge der Abschluss so sehr von der sozialen Herkunft der Jugendlichen ab. Das stärkste Argument pro Gesamtschule sei damit widerlegt.

Der Minister empfahl der Deisterstadt, das Otto-Hahn-Gymnasium auf keinen Fall anzutasten, aber parallel dazu die neue Oberschule einzuführen. Unter dem Dach verschmelzen Haupt- und Realschule zu einer Einheit. Ob die Einrichtung eine offene oder eine teilgebundene Ganztagsschule sei, entscheide die Stadt. Das heißt: Auch Unterricht am Nachmittag ist möglich.

Die Klassenstärke ist auf 28 Kinder begrenzt, der Stoff stark berufsorientiert. Die Schüler können jeden Abschluss der Sekundarstufe I machen. Ein gymnasialer Zweig (aber keine Oberstufe) ist möglich.

Ein Bonbon des Ministers: Jede Schule erhält sozialpädagogische Betreuer. Althusmann: „Die Rahmenbedingungen sind ausgesprochen attraktiv.“ In zehn Jahren, so glaubt er, sei das jetzige dreigliedrige Schulsystem in Niedersachsen passé.

Der Sprecher der Initiative „IGS für Springe“, Dennis Allerkamp, erntete lauten Applaus, als er kritisierte, ohne IGS werde den Springer Eltern weiterhin die Wahlmöglichkeit genommen. Althusmann verwies auf die sinkenden Geburtenzahlen. In zehn Jahren werde es 20 bis 50 Prozent weniger Kinder geben. „Die Frage ist, ob wir unsere vielen Angebote bald überhaupt noch mit Schülern füllen können.“

Der Initiative warf er vor, in ihrem Faltblatt „etliches durcheinanderzuwerfen“. Der entscheidende Satz des Abends: „Ich bin ausgesprochen skeptisch, ob Ihr Antrag auf Gründung einer IGS genehmigungsfähig ist.“ Selbst dann, wenn die Mehrheit der Springer Eltern eine IGS wünsche, erwachse daraus kein Rechtsanspruch.

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