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Bruno-Gröning-Bewegung trifft sich dreimal pro Jahr in Springe / Sektenbeauftragte misstrauisch

„Seitdem weiß ich, wie heilig dieser Ort ist“

Springe (zett). Wenn sich dreimal im Jahr der „Verein zur Förderung seelisch-geistiger und natürlicher Lebensgrundlagen“ in einem Springer Ausflugslokal trifft, dann schaut auch Pastor Jürgen Schnare genau hin. Er ist Sektenbeauftragter der Landeskirche Hannover – und ihm ist die sogenannte Gröning-Bewegung, zu der der Verein gehört, suspekt.


Ihr eigenes Ziel beschreiben die Mitglieder so: Man wolle „den Menschen aufzeigen, wie sie wieder zur inneren Ordnung für Körper, Seele und Geist gelangen können“. Der Verein geht zurück auf den Wunderheiler Bruno Gröning, der 1959 im Alter von 52 Jahren an Krebs starb. Er hatte zuvor tausende Menschen für sich begeistert, indem er etwa angab, durch sogenannte „Heilströme“ ihre Krankheiten kurieren zu können. Behörden gingen gegen ihn vor, er wurde vor Gericht wegen Verstößen gegen das Heilpraktikergesetz und wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, weil er eine 17-jährige Lungenkranke behandelte, die schließlich starb.

Die Satzung des Vereins verabschiedeten er und seine Mitstreiter kurz vor Grönings Tod – in Springe. Heute ist in Veröffentlichungen der Gruppe immer wieder von „Spontanheilungen“ die Rede, die hier am Deister stattgefunden haben sollen. Einer seiner Anhänger berichtet auf der Internetseite des Vereins, er habe nicht „aufhören können zu weinen“, als er das Ausflugslokal in Springe betrat. Hier finde man „immer einen Ort der Kraft und Harmonie“, heißt es weiter.

Gröning habe in Springe in den 50er-Jahren „öfters zu den Freunden und Hilfesuchenden gesprochen“ – teilweise angeblich zu über 1000 Menschen. Heute sind es nach eigenen Angaben bis zu 40 Personen aus ganz Deutschland, teilweise sogar aus Europa, die den Einladungen an den Deister folgen. „Man hatte mir die Stellen gezeigt, wo Bruno Gröning gestanden hat“, schildert vor vier Jahren ein Springe-Besucher. Er habe sich in einem unbeobachteten Augenblick genau dort hingelegt: „Seit diesem Erlebnis weiß ich noch mehr, wie heilig dieser Ort ist.“

Pastor Schnare und andere Sektenbeauftragte beobachten die Bewegung, „weil sie religiöse Elemente und Heilungsversprechen verbindet“, so der Sektenbeauftragte. „Es ist immer schwierig, wenn sich die Leute darauf verlassen. Bruno Gröning bekommt im Denken der Mitglieder fast eine Erlöserrolle und wird überhöht. Das wirkt befremdlich.“ Es gebe aber auch christliche Gruppierungen, „die wir entsprechen beobachten“, so Schnare. Sich kritisch einschalten wolle die Kirche aber nur, wenn sie erfahre, dass der Verein öffentliche Räume anmiete, so Schnare.

Für Gerd Krude, der zu den Treffen nach Springe einlädt, ist das Problem nicht der eigene Verein – sondern der „Freundeskreis Bruno Gröning“, der sich 1979 von ihm abspaltete. „Mit denen haben wir nichts zu tun. Die sind immer wieder unangenehm aufgefallen, weil sie aggressiv werben.“ Darunter leide auch der Verein, beklagt Krude.

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