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Sechs Angeklagte, eine Verurteilung, zwei Freisprüche

Weil sechs Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren im Juni in der Echternstraße einen Springer zusammengeschlagen haben sollen, mussten sie sich nun vor dem Amtsgericht verantworten. Was geschah wirklich?

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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Sechs Angeklagte, eine Verurteilung, zwei Freisprüche und drei Verfahrenseinstellungen: Weil die sechs Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren am 13. Juni vergangenen Jahres in der Echternstraße einen Mann aus Springe gemeinschaftlich zusammengeschlagen haben sollen, mussten sie sich nun vor dem Amtsgericht verantworten. Lediglich einem 31-jährigen zweifachen Familienvater aus Springe wurde am Ende eine Geldstrafe auferlegt. Er muss 45 Tagessätze à 10 Euro an die Landeskasse überweisen.

„Der tickt nicht richtig“, sagte der 31 Jahre alte Mann in der Verhandlung über das 42-jährige vermeintliche Opfer. „Jeder kennt ihn und jeder weiß, dass er nicht alle Tassen im Schrank hat.“ Laut Anklage sollen die sechs Männer auf den 42-Jährigen losgegangen sein, ihn beschimpft und auf ihn eingeschlagen haben, wobei er sich zahlreiche Prellungen zugezogen habe.

„Das stimmt nicht“, machte der 31-jährige Angeklagte deutlich. „Ich wurde am 13. Juni von einem Freund der Familie angerufen, dass ich in die Echternstraße fahren soll, weil mein Bruder dort in einen Tumult verwickelt sei“, erinnert sich der Mann. Als er dort ankam, habe er gesehen, wie sich der 42-Jährige immer wieder auf den Boden schmiss „und selbst auf sich eingeschlagen hat“.

Die anderen fünf Männer stellten den Fall wie folgt dar: Das mutmaßliche Opfer, zugleich der Vermieter des 60-jährigen Mitangeklagten, soll sich ohne Erlaubnis Zutritt zu dessen Wohnung verschafft haben. Weil er von der Familie des Mieters immer wieder Geld eintreiben wollte, sei es in der Wohnung zu einem lauten Streit gekommen, in dessen Verlauf der Vermieter seinen Mieter am Kragen gepackt und gegen die Wand gedrückt habe. Daraufhin seien dem 60 Jahre alten Mann seine beiden Söhne – ebenfalls angeklagt – zur Hilfe geeilt. Ein Freund der Familie (auch vor Gericht) und Bruder des zur Geldstrafe Verurteilten, mischte sich in die Auseinandersetzung ein und bedrohte den 42-Jährigen mit einem Kantholz. Doch die beiden Söhne sollen ihn davon abgehalten haben, zuzuschlagen.

Daraufhin habe sich die Auseinandersetzung nach draußen auf die Echternstraße verlagert, zu der dann auch der 31 Jahre alte Familienvater dazugestoßen sei. Dort hätten die Beteiligten lauthals weiter gestritten, bevor sich der 42-Jährige auf den Weg zur Polizei gemacht habe. Auf den vermeintlichen Geschädigten habe aber niemals jemand eingeschlagen, so die einhellige Aussagen der Angeklagten.

Die vier geladenen Zeugen hatten die Auseinandersetzung recht unterschiedlich wahrgenommen. Während sich zwei recht sicher waren, dass die Situation zwar bedrohlich gewirkt habe und deswegen auch die Polizei informiert worden sei, sei es allerdings zu keinem Zeitpunkt zu Schlägen gekommen.

Eine 33 Jahre alte Zeugin hingegen gab an, dass sie gesehen habe, wie ganz viele Leute auf das Opfer eingeschlagen hätten. „Direkt nach der Tat habe ich die Aussage bei der Polizei verweigert, weil ich am Tatort bedroht wurde und Angst hatte“, sagte die Zeugin. Einen der Angeklagten direkt identifizieren konnte sie aber nicht.

Ein 38-jähriger Springer gab an, dass der 31-jährige zweifache Familienvater mit dem Auto zu dem Streit dazugekommen sei. „Dann hat er sich das Opfer kurz geschnappt und es kam zu einer Rangelei.“ Es hätten aber keine sechs Leute auf eine Person eingeschlagen. Der 42 Jahre alte Springer hingegen stellte die Situation anders da. Er sei während der Auseinandersetzung bedroht, beschimpft und schließlich auch verprügelt worden.

Weil er aber in seiner Aussage widersprüchliche Angaben machte und auch keinen der Angeklagten sicher zuordnen konnte, stellte die Richterin das Verfahren gegen drei der Männer ein. Zwei wurden freigesprochen und einer der Angeklagten bekam eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 10 Euro.

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