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Von Mode, Müll und Mildtätigkeit: Seit über 40 Jahren gibt es die Kleiderkammer des DRK Springe

Schnäppchenparadies der Wegwerfgesellschaft

Springe. Unterwäsche für 20 Cent, der Pulli für einen Euro, die Jacke für zwei – was beim DRK-Shop über den Verkaufstresen geht, ist alles andere als teuer. Aber deshalb noch lange nicht billig. „Wir haben viele Markensachen, und die Kunden wollen modische Artikel“, sagt Peter Nold, Chef des Rotkreuz-Ortsvereins. Dennoch: In den neuen Räumen An der Bleiche haben die Ehrenamtlichen mit alten Problemen zu kämpfen.

Die Ehrenamtlichen sortieren die frisch angelieferte Ware &ndash

Autor:

Markus Richter

Das größte ist die Hemmschwelle der Leute, den Laden zu betreten, meint Nold. Er betont: „Die Tür steht jedem offen, auch Menschen, die sich unsere Arbeit ansehen oder uns unterstützen wollen.“ Und der DRK-Shop, früher als Kleiderkammer bezeichnet, hat Nachwuchssorgen. „Wir sind zwölf ältere Damen, die hier unentgeltlich helfen – und würden gerne junge Unterstützung haben“, sagt Mitarbeiterin Ingrid Rielich.

Oft beschäftigt die Helfer die Dreistigkeit derer, die in den Kleidersäcken lediglich Müll entsorgen. Rund 50 Prozent der Spenden sind nicht zu gebrauchen, werden gleich aussortiert. Die Helferinnen tragen Handschuhe. Viele der Schuhe, Taschen, Hosen, Jacken, Shirts oder Pullover sind jedoch in einwandfreiem Zustand. Ein paar Mal getragen, viel zu schade zum Wegwerfen. Für einen mehr symbolischen Betrag wechseln sie ihren Besitzer, gerade jetzt im kalten Winter. Manche Sachen sind so wertvoll, dass sie entgegen ihrer eigentlichen Bestimmung von Händlern zu Geld gemacht werden. Nold berichtet: „Eine Frau hatte uns angesprochen, die den namentlich gekennzeichneten Schneeanzug ihres Kindes auf einem Basar wiedergefunden hat…“

Damit ihre eigenen Jacken nicht versehentlich weiterverkauft werden – was angeblich schon einmal vorgekommen sein soll –, bringen sie die Helferinnen in einen separaten Raum.

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In allen Größen: die Kinderbekleidung.
  • In allen Größen: die Kinderbekleidung.
In einem eigenen Raum: Schuhe en masse.
  • In einem eigenen Raum: Schuhe en masse.
Blick in die Herrenabteilung: DRK-Frau Ursula Voß inmitten von A
  • Blick in die Herrenabteilung: DRK-Frau Ursula Voß inmitten von Anzügen und Sakkos
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In allen Größen: die Kinderbekleidung.
In einem eigenen Raum: Schuhe en masse.
Blick in die Herrenabteilung: DRK-Frau Ursula Voß inmitten von A

Dann machen sie sich an die Arbeit. Edith Plöger, Elfriede Wodsack und Ursula Voß packen mit an. Es wird viel gelacht. Die Stimmung ist gut. Routine. Und doch immer wieder Überraschungen. „Wir haben neulich einen tollen Pelzmantel gehabt, super Zustand, da wussten wir gar nicht, für wie viel wir den verkaufen sollen“, erinnert sich Ingrid Rielich. Schließlich fand er für fünf Euro einen neuen Besitzer.

In den weiteren Räumen stapeln sich Schuhe, Taschen, Kinderspielsachen, Bekleidung für Damen, Herren und die Kleinsten. Der DRK-Ortsverein engagiert sich auch überregional mit den Kleiderspenden der Bürger. Etwa beim Elbe-Hochwasser oder im Ausland. „Es gibt da diesen Mann, der regelmäßig Sachen nach Russland schickt“, weiß Nold, dessen Mutter die Kleiderkammer früher organisierte, jene Einrichtung, die es seit über 40 Jahren gibt.

Verbunden mit dem Verkauf der Second-Hand-Ware ist die straffe Organisation. Nur ein paar Interessierte werden auf einmal eingelassen, sonst bricht das Chaos aus. Dankbarkeit? Die erfahren die Helfer eher selten. Ein ähnliches Phänomen – wie bei der Springer Tafel übrigens: Viele sehen die Einrichtung als selbstverständlich an. Doch ohne aufopferungsvolle Helfer würde es sie gar nicht geben.

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