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Schlechter Scherz: Galgenstrick an Haustür des SPD-Chefs

GESTORF. Eberhard Brezski hat jetzt eine Kamera vor der Haustür positioniert und scharf gestellt. Um ein Gesicht vor Augen zu haben, falls jemand wieder auf die Idee kommt, ihm schlechte Scherze vor die Tür zu legen.

Fund vor der Haustür.
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

Seine Frau und seine Tochter hatten sich mächtig erschreckt, als sie am Montagmorgen eine Art Strick mit einem angehängten Schwarz-Weiß-Foto fanden. Im Schutz der Dunkelheit hatte sich jemand ans Haus des SPD-Chefs und Ortsbürgermeisters geschlichen und das Seil abgelegt.

„Die Schlinge ist Paketband, so ein bisschen hingeknotet und das Foto ist uralt“, ordenet Jörg Terzenbach, der Polizeibeamte, der die Angelegenheit aufgenommen hat, die Sache ein. „Eine echte Bedrohung lässt sich daraus beim besten Willen nicht machen“ – so sieht er das. Gleichwohl hat er die Informationen zur Kenntnis weitergeleitet an den Zentralen Kriminaldienst. Durch Gestorf würden in den nächsten Wochen häufiger eine Streife fahren. „Wir beobachten das“, sagt der Polizeibeamte ernst.

„Ich finde das unschön und feige, aber ich lasse mich davon nicht einschüchtern“, sagt Eberhard Brezski. Seine Frau und er hätten lange diskutiert, wie sie in dieser Sache verfahren, ob sie sie womöglich schlicht unter den Tisch fallen lassen sollten. Letztlich entschieden sie sich dafür, den makabren Scherz öffentlich zu machen. Auch im Ortsrat will Brezski das Thema heute ansprechen „um vor dem Volkstrauertag am Sonntag darauf aufmerksam zu machen, was die Leute so treiben, die ihn weiterhin als Heldengedenktag ansehen.

„Ich erkläre mir diesen Vorfall mit dem politischen Umfeld“, sagt Brezki. Feinde habe seine Familie nicht, sehr wohl aber habe er sich mehrfach scharf zur AfD und ihren rechtsradikalen Unterstützern geäußert. Verschandelte Wahlplakate seien das eine, dies habe eine andere Qualität. „So etwas ist mir noch nie untergekommen; ich kenne so etwas eher aus anderen Bundesländern“, sagt er. In Sachsen sei ein Ortsbürgermeister zurückgetreten, nachdem er massiv bedroht wurde.

Brezski kann das verstehen, so was könne einem die Arbeit verleiden. „Schließlich machen wir das hier ehrenamtlich in unserer Freizeit“, betont er. Und in Gestorf? „99,9 Prozent der Leute hier finden so etwas bescheuert, und ein paar Idioten gibt es überall.“

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