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Vater und Tochter streiten vor Gericht über beleidigende Sätze und ein kaputtes Zaun-Fundament

„Reiß die Fresse nicht so auf“

Bennigsen (mari). Sie haben dieselben Vorfahren, leben Haustür an Haustür – aber sind offenbar arge Feinde: Zerstrittene Familienmitglieder aus Bennigsen beschäftigten gestern das Amtsgericht Springe. Dabei ging es um den Bau eines Zauns, der das eine Grundstück vom anderen abschotten sollte.

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„Reiß die Fresse nicht so auf, Du Arschloch!“ Diesen Satz soll der Familienvater einer 22-jährigen Landschaftsbauerin aus Bennigsen um die Ohren gehauen haben, als diese im März einen Grenzzaun errichten wollte. Zwei Abende später wurden die frisch einbetonierten Pfähle aus dem Fundament gerissen, dieser Vorfall wiederholte sich nach der Reparatur.

Die Tochter, die neben ihrem Vater wohnt, hat das Familienoberhaupt als Täter im Verdacht. Der Bruder des Vaters – sein Haus steht ebenfalls in Sichtweite, die Geschwister liegen ebenfalls im Clinch – will ihn sogar deutlich im Mondlicht erkannt haben. Der 65-jährige Rentner stand deshalb wegen Beleidigung und Sachbeschädigung vor Gericht. Er bestreitet beide Vorwürfe vehement: „Das habe ich nicht gemacht!“ Schließlich sei er froh über den Sichtschutz gewesen: „Mit den Leuten von nebenan gibt es doch laufend Ärger.“

Das Wort „Tochter“ vermied er gestern gänzlich. Er beschränkte sich auf „die Leute“ – oder nannte sein Kind beim Nachnamen.

So verworren die Familiengeschichte ist, so schwer ließen sich gestern auch die Geschehnisse vom März aufdröseln. Die Aussagen der Streithähne und Zeugen wichen im Detail stark voneinander ab. Nicht jede Behauptung war schlüssig. Zudem erschien ein wichtiger Zeuge nicht: der Kollege der Landschaftsgärtnerin, der die mutmaßliche Beleidigung beim Zaun-Bau gehört haben muss. Die Aussage der Gärtnerin hat den Makel, dass sie damals mit dem besten Freund des Schwiegersohns des Beschuldigten zusammen war…

Amtsrichterin Pamela Ziehn stellte das Verfahren schließlich gegen eine Zahlung von 200 Euro vorläufig ein. Der Angeklagte muss das Geld innerhalb von drei Monaten an die Landeskasse überweisen.

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