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Reinigender Likör bringt die Freiheit

Springe. Die größte Gaudi kam zum Schluss: Mit einer spektakulären Gerichtsverhandlung unter freiem Himmel fand am Sonnabend die historische Forstgrenzbeziehung ihren Abschluss. Mehrere Hundert Teilnehmer waren zuvor mit Springes Stadtförster Bernd Gallas und Ortsbürgermeister Carsten Marock die Grenzsteine im Osten des Stadtwalds abgewandert. Unterwegs wurde ein buntes Programm mit Festcharakter absolviert.

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Die „Gefangenen“, denen unterschiedlichster Waldfrevel zulasten der Springer Bürger vorgeworfen wurde, waren während der Wanderung von den Landsknechten in Haft genommen worden. In die Rolle dieser Söldner waren die Männer vom Handwerkerstammtisch geschlüpft, um sie zum Vergnügen der Wandergesellschaft mit viel theatralischem Talent auszufüllen. In den hölzernen Gefängniswagen wanderten nacheinander angesehene Persönlichkeiten und Politiker der Stadt – von Vize-Ortsbrandmeister Dirk Berneisen über den Chefredakteur dieser Zeitung, Marc Fügmann, Bürgermeister Jörg-Roger Hische und Fachbereichsleiterin Margot Zedlitz bis hin zu Stadtwerke-Geschäftsführer Marcus Diekmann. Ihnen wurde an der Deisterhütte spielerisch von waschechten Juristen der Prozess gemacht: Den Staatsanwalt mimte Lühr Schneider, den Verteidiger Rolf Siering, und das Urteil sprach Bettina Böhm. Einen Freispruch gab es für niemanden. Erst ein Schluck vom reinigenden Likör der Kräuterfrau alias Helga Knipping, eine Spende in die Stadtkasse und viel Beifall der Zuschauer bescherten die Freiheit zurück.

Der Applaus galt zugleich der gelungenen Organisation dieser Forstgrenzbeziehung durch den Springer Ortsrat und die Forstverwaltung, bei der die Teilnehmer auf einer Strecke von rund acht Kilometern eine unterhaltsame Wanderung rund um das Thema Holz absolvierten. Ortsbürgermeister Marock hatte die Besucher am Morgen vor dem Alten Rathaus auf die Begehung eingestimmt, die vor mehr als 250 Jahren erstmals erfolgte. Unter den Klängen des Feuerwehrmusikzugs marschierte die Festgemeinde zum ersten Halt vor den Türen der Neuen Deister-Zeitung, wo es einen stärkenden Umtrunk und Programmhefte gab.

Die ersten Grenznachbarn aus Völksen und Alvesrode traf die Festgemeinde an der Kaiserrampe, wo die Delegationen begrüßt wurden. An der Kniggeschen Grenze dankten Marock und Gallas dem Leiter des Kniggeschen Forstes, Ralf Schickhaus, und dem münderschen Vize-Bürgermeister Uwe-Peter Keil für die gute Nachbarschaft.

Die Pausen an den einzelnen Stationen unter einem kühlen Blätterdach waren willkommen – schließlich freuten sich die Teilnehmer über hochsommerliches Wetter. Und so mancher lugte mit fortschreitender Wanderzeit sogar ein wenig neidisch auf das mobile Stadtgefängnis, in denen die vermeintlichen Delinquenten – nicht zuletzt durch die gereichten Getränken – ihr Ziel recht bequem erreichten. Doch die Landsknechte zeigten sich freundlich gestimmt – und so durften schließlich auch müde Kinder mit in den Knastwagen klettern.

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