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Pfarrer Ingmar Maybach als Kabarettist in der St. Andreas-Kirche

Reformation zum Selbermachen

SPRINGE. Man nennt ihn auch den Don Camillo aus dem Odenwald, den Pfarrer Ingmar Maybach. Zu Recht, denn in dem „roten“ Odenwalddorf Ueberau stand er als einziger Pfarrer in Deutschland bis zum Jahr 2011 vier Jahre lang einem kommunistischen (DKP) Ortsvorsteher gegenüber.

150 Besucher verfolgen den Auftritt von Ingmar Maybach in der St.-Andreas-Kirche. Foto: Krause

Autor:

Reinhold Krause

Jetzt gastierte der Kabarettist und Theologe mit seinem aktuellen Programm „VIVA la Reformation“ in der St.-Andreas-Kirche.

Von Beginn an hatte der „Spaßmacher Gottes“ sein Publikum fest im Griff und erntete mehrfach Beifall auf offener Szene. Für seine Auftritte im Jubiläumsjahr Martin Luthers, der schlug vor 500 Jahren seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg, hat er sich mit Helmut Kabel und Rocco Dürlich, alias „Die fabelhaften Wartburg-Brothers“ musikalische Verstärkung geholt. Maybach, ein Meister des geschliffenen Wortes, zeigte einen gekonnten Spagat zwischen Kirche und Kommerz. „Gestern noch in den Charts, heute schon am Taufbecken“, resümierte er den Namenswunsch vieler Eltern für ihre Neugeborenen.

Unverhohlene, leicht süffisant verstecke Kritik, ob im Christentum oder der Gesellschaftspolitik von einst und heute – Maybach fesselte die gut 150 Zuhörer mit seinen Ausführungen. Bibeltexte sind immer noch aktuell und lassen sich journalistisch gut in die heutige Zeit und ihre Gesellschaftsform transferieren.

„Alternativlos“, ein viel genutztes Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel, kann man auch mit Luthers Worten ausdrücken: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Feinsinnig ist sein Blick auf kirchliches Treiben: „Wir müssen von der katholischen Kirche lernen, mehr Personenkult“, rief er euphorisch ins Publikum. „Wir sind Papst!“, stand mal in einer großen Boulevardzeitung (des Springer-Verlags) und er ergänzte: „Was Luther begann, hat Springer vollendet.“

Die Lacher waren auf seiner Seite. Viele seiner Ansichten und Erkenntnisse hat er gekonnt in Lieder verpackt. Die Klais-Orgel in der St.-Andreas-Kirche hatte er in das Programm mit einbezogen. Kabel pendelten zwischen Orgel, Keyboard und Akkordeon, während Dürlich mit der E-Gitarre die gesanglichen Qualitäten Maybachs unterstützte. Teilweise humorig-nachdenklich, dann wieder etwas überzeichnet, so präsentierte der Pfarrer aus dem Odenwald das Programm der CSU. Hierbei handelt es sich nicht um die bayrische Partei gleichen Namenskürzels, sondern um seine Christlich Satirische Unterhaltung. Seit 15 Jahren hat er sich dem Kabarett verschrieben.

Die ersten fünf Jahre hat er allerdings politisches Kabarett betrieben und stand bereits mit Urban Priol, Arnulf Rating sowie Kurt Krömer auf der Bühne. Erst danach wechselte er in das Genre des Kirchenkabaretts. Allerdings hat er seinen Tourneeplan etwas reduziert, denn er hat wieder eine halbe Pfarrstelle in einer Odenwaldgemeinde. Standing Ovation zum Schluss: Ohne Zugabe durften die Künstler die Heimreise nicht antreten.

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