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Raumnot in der Stadtbibliothek Springe hat keine Priorität

SPRINGE. Nein, in Springe sucht gerade niemand aktiv nach größeren Räumlichkeiten für die Stadtbibliothek. Zwar ist sie nach den Maßstäben einer externen Expertengruppe gerade halb so groß wie wünschenswert. Doch selbst der Förderverein der Bibliothek plädiert bei allem Fortschrittsgeist für Bodenhaftung.

Mit der „Onleihe“ hat sich das Angebot schlagartig vergrößert: Auch neue Nutzer lassen sich das Angebot gern erklären. Foto: Heidrich
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

„Die Finanzen der Stadt sind endlich. Deshalb sind wir froh, wenn wir das was wir haben, so erhalten und pflegen, natürlich immer mit den neuesten Errungenschaften“, äußert sich der Vorsitzende des Förderkreises der Stadtbibliothek Springe, Friedrich Schünemann zum Platzmangel.

Die Verwaltung argumentiert entsprechend: Angesichts der defizitären Haushaltslage der Stadt sei die Bibliothek in der Vergangenheit verpflichtet worden, sparsam mit ihren Mitteln umzugehen und ihren Beitrag zur Haushaltskosolidierung zu leisten, schreibt der zuständige Fachbereichsleiter, Clemens Gebauer. Sehr wohl aber würde die Stadtbibliothek weiterentwickelt. Die Raumfrage habe dabei keine Priorität. Nur soviel: „Wenn sich eine Möglichkeit zur Verbesserung anbietet, dann werden wir die nutzen“, sagt sich Gebauer dazu.

Bei der Weiterentwicklung der Bibliothek liegt der Fokus von Träger und Förderverein einhellig auf dem Angebot: „Ein wichtiger — und bisher sehr erfolgreicher — Schritt war die Einführung der Onleihe“, schreibt Gebauer auf Anfrage. Durch die neu geschaffene Möglichkeit, Medien per Mausklick auszuleihen, habe sich der Medienbestand schlagartig erhöht. Und zwar um sehr attraktive, weil aktuelle Angebote ohne dass dafür weitere Regalmeter hätten geschaffen werden müssen.

Konkret: Bis zur Einführung der Online-Ausleihe digitaler Bücher und weiterer Medien lag der Bestand bei etwa 35 000 Medien. Mit der „Onleihe“ wuchs er schlagartig an um 21 000 Medien auf nunmehr etwa 56 000 Medien, informiert Bibliotheksleiter Tibor Maxam. „Die verfügbaren Titel bilden grob die Bestsellerlisten des Spiegel und des Focus ab“, umschreibt er den Inhalt. In der Praxis stünden allerdings beschränkte Lizenzen zur Verfügung, so dass Wartezeiten auf bestimmte Titel entstehen können.

Die Springer nehmen das Angebot offenbar gut an. Allein im August gab es 60 Neuanmeldungen und damit beinahe doppelt so viele wie zuvor üblich, freut sich der Bibliotheksleiter. Dass nicht nur das Bücherangebot sondern auch der Kundenverkehr sich zunehmend ins Virtuelle verlagert, glaubt Maxam persönlich nicht. Seiner Erfahrung nach lebt die Bibliothek von einer Art Schneeballsystem oder auch „Beifang“, wie er es nennt. Begleitet ein Großvater seine Enkelin zum „Bilderbuchkino“, dass der Förderverein direkt in der Bibkort anbietet, findet auch er etwas, das für ihn von Interesse ist.

„Bei solchen Aktionen fühlen wir uns vom Personal in der Stadtbibliothek super unterstützt“, hebt Friedrich Schünemann hervor, dass die Bibliothek nicht nur lesenswertes beinhaltet, sondern durchaus eine liebenswerte, persönliche Note hat. „Die Mitarbeiter sind durchweg freundlich und klemmen sich dahinter, wenn wir ein konkretes Anliegen haben“, hebt er hervor.

Was die vielen kleinen Kritikpunkte angeht, die im Audit-Bericht zur Zertifizierung „Bibliothek mit Qualität und Siegel“ auftauchen, sieht Schünemann die Stadt in der Verantwortung. „Mehr Hinweisschilder aufstellen, die die Bibliothek sichtbarer machen, das muss sie schon bringen, zumal das mit geringen Kosten verbunden ist“, fordert Schünemann.

„Ich denke das ist unkompliziert und glaube, dass Herr Maxam das ganz gut im Blick hat“, wirft Clemens Gebauer den Ball zurück an den Bibliotheksleiter. Der hatte den gesamten Zertifizierungsprozess überhaupt erst angestoßen, im Zuge dessen die Bibliothek komplett durchleuchtet wurde. Drei Jahre lang darf sie als eine von 35 Bibliotheken in Niedersachsen den Titel „Bibliothek mit Qualität und Siegel“ führen. Danach ist eine Reauditierung möglich.

Bis es so weit ist, mag sich nicht nur die Bibliothek verändert haben, sondern auch die umgebende Bibliotheken-Landschaft. Noch gibt es in Niedersachsen mehr als 1000 öffentliche Bibliotheken.

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