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Standort Eldagsen auf der Kippe

Politik ist empört über Regiobus-Entscheidung

SPRINGE. Die Entscheidung der Regiobus, den Standort in Eldagsen noch einmal auf den Prüfstand stellen zu wollen, löst in Springes Politik Empörung aus. Wie es jetzt weitergeht - und was Bürgermeister Christian Springfeld dazu sagt.

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Autor:

MARITA SCHEFFLer UND CHRISTIAN ZETT

ELDAGSEN. Eldagsen ohne Regiobus? Für das Unternehmen ist das offenbar eine realistische Option: Denn nach dem gescheiterten Förderantrag für den Neubau des Betriebshofs stellte man in Hannover das Millionenprojekt am Donnerstag infrage.

Die fehlenden Fördergelder sind dabei aber nicht der einzige Grund, weswegen das Unternehmen plötzlich seinen Blick von Eldagsen abwendet: „Neben dem ablehnenden Bescheid gibt es mittlerweile weitere Erkenntnisse, die von uns und den Gremien des Unternehmens neu bewertet werden müssen“, so die neue Geschäftsführerin Elke van Zadel wörtlich.

Sie erklärt: „Wir wollen zukünftig verstärkt auf E-Mobilität setzen. Damit spielt auch der Standort des neuen Betriebshofes eine große Rolle. Geeignete Linien sollten angesichts der umweltpolitischen Dimension nach Möglichkeit elektrisch betrieben werden. Dazu braucht man eine Infra- beziehungsweise Ladestruktur, die sich in der Nähe des Einsatzortes befindet.“

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Dazu kommt: Die Regiobus überplant derzeit aus wirtschaftlichen Gründen ihr Liniennetz. Am Ende soll es Verschiebungen beziehungsweise „andere Schwerpunkte innerhalb des Bedienungsgebietes“ geben. In der Mitteilung heißt es dazu wörtlich: „Die Randlage des Betriebshofes Eldagsen im südlichsten Bereich der Region ist dabei eher ungünstig.“

Die ebenfalls neue Geschäftsführerin Regina Oelfke wirbt um Verständnis. „Aus den genannten Gründen ergibt sich eine im Vergleich zu 2016 signifikant andere Ausgangslage, sodass es unternehmerisch geboten ist, die jetzt entstandenen Fakten eingehend zu prüfen sowie die gegebenenfalls zur Verfügung stehenden Alternativen im Aufsichtsrat zu diskutieren und neu zu entscheiden.“ Schließlich sei man im aktuellen Wirtschaftsplan von der Landesförderung ausgegangen. Oelfke: „Da dieses Geld nun nicht kommt, müssen die für den Neubau relevanten Finanzentscheidungen neu getroffen werden.“

Auch der Aufsichtsrat der Regiobus wurde erst am Donnerstagmorgen über den Planungsstopp informiert – etwa zeitgleich mit der Öffentlichkeit. Über das Thema beraten wird der Aufsichtsrat bei seiner nächsten Sitzung Anfang März. Die Gesellschafterversammlung – das Entscheidungsgremium – kommt erst danach wieder zusammen.

Hinter den Kulissen hieß es, die Ablehnung des Förderbescheids hänge mit der unsicheren Situation von Regiobus zusammen: Wenn das Unternehmen seine Bilanz nicht verbessert, könnte die Region gezwungen sein, den Betrieb des Busnetzes im Umland von Hannover europaweit auszuschreiben.

Dagegen spricht auf den ersten Blick, dass der Betriebshof in der Tat nicht auf einer neuen Förderliste des Landes für 2018 auftaucht – wohl aber die Beschaffung von 15 neuen Bussen im Wert von gut 4,2 Millionen Euro.

Am Nachmittag informierte Bürgermeister Christian Springfeld Rat und Verwaltung über die Nachricht aus Hannover; er sei „fassungslos und zornig“, schrieb der Rathauschef in einer E-Mail. In einer ersten Reaktion forderte der FDP-Ratsherr und Regionsabgeordnete Klaus Nagel, die Koalition aus SPD und CDU in der Regionsversammlung müsse sich des Themas annehmen. Eine Aussage, die wiederum SPD-Fraktionschef Bastian Reinhardt auf die Palme brachte: Der Hinweis Nagels sei weder hilfreich noch konstruktiv: Es gelte, an einem Strang zu ziehen, statt „mit dem Finger auf andere zu zeigen." Bürgermeister Christian Springfeld reagiert ebenso bestürzt wie zornig und fassungslos auf die Nachricht aus Hannover. „Eine bodenlose Frechheit“, sagt Bürbermeister Christian Springfeld zur Schließung, ergänzt „ein Schlag ins Gesicht der Stadt Springe.“

Seine Verwaltung habe in den vergangenen Monaten „Unmögliches möglich gemacht“, damit die Regiobus schnellstmöglich mit ihrem Neubau in Eldagsen starten kann. Der erste Spatenstich hatte im Februar erfolgen sollen. Nichts Gutes schwante dem Bürgermeister jedoch, als das Unternehmen ein für die vergangene Woche anberaumtes Detailgespräch zur Baugenehmigung kurzfristig absagte.

Vom Planungsstopp erfuhr Springfeld durch einen Anruf der NDZ – die Regiobus hatte ihn nicht über die neue Entwicklung informiert. „Unglaublich, dass die nicht den Schneid haben, sich hier zu melden“, so Springfeld. „Wie kann man ein Klima mehr vergiften als so?“ Die neue Geschäftsführung der Regiobus habe sich damit „einen kapitalen Fehlstart“ geleistet.

Er habe den Eindruck, „dass die Region nur noch ihre Interessen verfolgt und uns hier mit den Füßen tritt“. In den nächsten Wochen müsse es jetzt – parteiübergreifend – darum gehen, Unterstützer für eine Eldagsen-Rückkehr des Unternehmens zu gewinnen. Springe habe schon häufig gezeigt, dass es im Fall der Fälle unglaubliche Kräfte mobilieren kann: „Wir müssen jetzt jeden kontaktieren, der auch nur am Rande etwas mit dem Thema zu tun hat.“ Eldagsens Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Rohlf drückt sich üblicherweise gewählt aus. Die Mitteilung der Regiobus bringt ihn aber aus der Fassung. „Ich fühle mich verarscht!“, kommentiert er.

Die Begründungen wirkten unehrlich. „Sind unsere Straßen etwa nicht für E-Mobilität geeignet?“, fragt er. Die Regiobus habe bereits alle erforderlichen Grundstücke für den Neubau gekauft, ein heimischer Betrieb wurde umgesiedelt. Der Standort Eldagsen sei zudem immer als sehr gut gelobt worden.

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