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„Mein Plan war das nicht“: Springes neuer Rathaus-Chef Christian Springfeld tritt morgen seinen Dienst an

Plötzlich Bürgermeister

Springe. „Mein Plan war das nicht“: Einen Tag, bevor Christian Springfeld ins Bürgermeister-Büro einzieht, bekennt er lachend, dass er den Wahlkampf eigentlich nur nutzen wollte, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigen. Im nächsten Herbst habe er für den Stadtrat kandidieren und vielleicht in fünf Jahren als Bürgermeister-Bewerber antreten wollen. „Ich hätte niemals gedacht, dass das so schnell so weit führt“, gibt er offen zu.

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VON MARITA SCHEFFLEr

Noch immer überrascht, motiviert – und dankbar: Der 38-Jährige kann sein Glück kaum fassen. In den vergangenen Tagen hat er bis zu drei Abendtermine nacheinander absolviert, um sich bei Vereinen und Verbänden vorzustellen und sich einzuarbeiten. Morgen um 9 Uhr erwartet ihn Bürgermeister-Sekretärin Karin Spies im Büro. Er werde „aber bestimmt früher da sein“, verspricht der Bennigser.

Wer ist dieser Mann eigentlich, den 5388 Springer an die Spitze der Deisterstadt katapultiert haben? Der Diplom-Finanzwirt hat zuletzt in der Oberfinanzdirektion Niedersachsen gearbeitet als Projektleiter im Bereich „Informationstechnologie, Datenbanken und Softwaresysteme“. Vor neun Jahren zogen der Oldenburger und seine Frau Hanna (sie ist Hebamme) an den Deister.

Bei einer Wohnungsbesichtigung in Holtensen (Wennigsen) stieß die Familie damals auf eine weitere Alternative – in Bennigsen. „Das ist ja nur eine S-Bahn-Station weiter“, meinten Springfelds und fuhren zur Zuckerfabrik. Als die Familie größer wurde, folgte der Umzug aus der Wohnung ins eigene Haus. Mittlerweile haben Springfelds vier Kinder.

Auch die FDP wurde auf den engagierten Beamten aufmerksam. Als der Stadtverband bei einem Workshop im September das Profil eines geeigneten Bürgermeister-Kandidaten erstellte, stand der 38-Jährige plötzlich im Fokus. Und lehnte entschieden ab. Er wolle sein Fernstudium zu Ende bringen und höchstens in den Stadtrat einziehen. Aber: „Die Kollegen waren durchaus beharrlich“, erzählt Springfeld.

Die Wende brachte ein Gespräch mit seiner Frau. Sie habe ihn ermutigt: „Ist das Amt des Bürgermeisters nicht genau das, was du eigentlich möchtest?“ Der Wahlkampf sei vergleichsweise kurz, er habe nichts zu verlieren. Nach einer schlaflosen Nacht sagte Springfeld dem FDP-Vorstand zu.

Beim geplanten Wahlkampf auf Sparflamme blieb es nicht. „Ich kann nur ganz oder gar nicht“, sagt der 38-Jährige rückblickend. Sein Einzug in die Stichwahl sei „großes Glück“ gewesen und wohl dadurch ausgelöst, dass sich die beiden Bewerber Uwe Lampe und Volker Gniesmer die sozialdemokratischen Stimmen teilten.

Den Sieg gegen CDU-Mann Ralf Burmeister verdanke er vor allem seinem eigenen Alter „und dem Umstand, dass sich offensichtlich viele Bürger eine Veränderung gewünscht haben. Ralf Burmeister stand für ein ,Weiter so‘“. Ihn beeindrucke, „dass 55 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei einer Partei gemacht haben, die sie vermutlich nie zuvor gewählt haben“, sagt Springfeld.

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