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Experte: „Nullbelastung wird es nie wieder geben“

Philips saniert – und will Gefahren ausschließen

Springe. Das Wichtigste vorab: Ein konkretes Risiko für Menschen, Tiere und Pflanzen besteht nicht. Das sagen zumindest die Experten der Firma Tauw aus Moers. Sie stellten jetzt den umfangreichen Sanierungsplan für den kontaminierten Boden unter dem Philips-Gelände an der Industriestraße vor.

Stellen sich der Altlasten-Problematik (v.l.): Uwe Kaufmann (Ber

Autor:

Markus Richter

So groß die Aufregung vor ein paar Jahren war, so gering ist nun die Resonanz. Nur ein einziger Bürger war zu der vom Unternehmen angebotenen Info-Veranstaltung erschienen: Peter Ettel, Vorsitzender des Kleingartenvereins an der Osttangente. Und der zeigte sich nach den Ausführungen der von weither angereisten Experten und Firmenvertreter erleichtert: Vor allem, weil die sogenannte Fahne der chemischen Verunreinigungen nicht bis ins Gebiet der Kolonie reicht.

Die Ursache: Heinz Peter Thelen von Tauw zeigte auf, wo die Konzentration der leichtflüchtigen, halogenierten Kohlenwasserstoffe (LHKW) am größten ist: Betroffen ist ihm zufolge der Bereich unterhalb dreier Werkshallen. Dort, wo heute Halle D steht, wurden bei AEG zwischen 1964 und 1975 Metallteile mit der Substanz gefettet und zwischengelagert, von der man heute weiß, dass sie giftig ist und sogar Krebs auslösen kann. „Ein Teil ist sofort verdunstet, der Rest innerhalb von Stunden in den Boden gesickert“, erklärte der Geologe. In ein bis zwei Meter Tiefe erreichte es das Grundwasser. Das Gift breitete sich aus – heute tut es das nicht mehr. Das Gelände ist versiegelt.

Die Giftmenge: Die Konzentration der Kohlenwasserstoffe liegt am Ursachenherd bei 1800 Mikrogramm pro Liter. Zum Vergleich: Ab einer Obergrenze von 50 Mikrogramm sollte der Boden saniert werden.

Heute Philips, früher AEG: Auf dem Gelände an der Industriestraß
  • Heute Philips, früher AEG: Auf dem Gelände an der Industriestraße sind vor mehreren Jahrzehnten giftige Substanzen in den Boden gelangt. Fotos: ric

Eine erhöhte Konzentration tritt noch einmal an der Bahnunterführung auf. Brunnenproben in der Kolonie ergaben, dass dort keine Belastung nachzuweisen ist. Die Fahne hatte sich aufgrund der Hanglage ausgebreitet, ist durch den Lehmboden gelöst ins Grundwasser gelangt.

Das Sanierungsgebiet: Bewusst groß gefasst ist es. Auf 230 000 Quadratmetern überwachen Experten, wie sich die Giftstoffe natürlich abbauen. Mikroben haben bereits mit ihrer Arbeit begonnen, zersetzen die Verbindungen. Nach und nach löst sich so das giftige Chlor. Allerdings: „Eine Nullbelastung wird es nie wieder geben“, macht Thelen deutlich.

Die Methode: Philips Deutschland hat sich gegenüber der Region Hannover verpflichtet, an 26 Messstellen regelmäßig das Grundwasser zu beproben, an drei Stellen den Bach Kummecke zu überprüfen und an 27 Stellen zu testen, ob die natürlichen Bedingungen für den Abbau stimmen. Noch im Herbst wird nach zweijährigen Voruntersuchungen begonnen, halbjährlich und später jährlich die Werte zu messen und zu analysieren.

Die Bedingungen: Philips beschäftigt aktuell 197 Mitarbeiter in den Bereichen Logistik und Fabrik (Schwerpunkt Leuchten-Montage). Sie wurden bereits darüber informiert, dass die Arbeit auf dem Gelände für sie weiterhin unbedenklich ist. 200 000 Euro sind zurückgestellt für die nächsten 20 Jahre – der Abbau wird Jahrzehnte dauern.

Der Notfallplan: Sollte sich die Belastung im unwahrscheinlichen Fall wider Erwarten ausbreiten, kann belastetes Wasser zur Gefahrenabwehr abgepumpt werden.

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