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Pfau: Beschäftigte warten auf Geld

ALTENHAGEN I. Ulrike Pappel (Name geändert) hat bis zum Schluss für den insolventen Fahrzeugbauer Pfau gearbeitet. Lohn hat sie seit Juli keinen mehr gesehen. Die Familienkasse ist leer: „Alle Ersparnisse sind aufgebraucht.“

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Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Weil Ulrike Pappel, wie sie selbst sagt, den Beteuerungen der Verantwortlichen geglaubt habe, war sie bis zuletzt zur Arbeit gegangen. Jetzt muss sie Teile ihres Gehalts wohl einklagen. Die Geschichte einer Insolvenz, die auch Mitarbeiter an den Rand ihrer Existenz gebracht hat.

„Die haben uns das so vermittelt, dass es für uns im Unternehmen weitergeht“, sagt Pappel. Auf mehrmaliges kritisches Nachfragen hin habe es keine Informationen gegeben. „Man wurde hingehalten, das ist traurig.“ Einen Sozialplan habe es für die verbliebenden 15 Mitarbeiter nicht gegeben. Nun, so glaubt die Ex-Angestellte, verzögere die Insolvenzverwaltung, dass geklärt werde, wie diese an ihren Lohn kommen. Auch, was das Insolvenzgeld angeht, das ihr und ihren Kollegen rechtlich in jedem Fall zusteht. Das letzte gezahlte Gehalt sei im Juni eine Abschlagszahlung in Höhe von 500 Euro gewesen. Mehr Geld habe sie seitdem nicht gesehen.

„Wenn uns die nötigen Unterlagen vom Insolvenzverwalter zugesandt werden, dauert es ungefähr drei bis vier Werktage, bis das erste Geld überwiesen werden kann“, sagt Holger Habenicht, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Hannover. Gesetzlich steht den Insolvenz-Betroffenen Lohn für die vergangenen drei Monate rückwirkend zu. Bislang konnte der allerdings noch nicht ausgezahlt werden.

Das Insolvenzverfahren gegen die Pfau-Technologie-GmbH, den letzten Rumpf des einstigen Familienunternehmens Pfau Kommunalgeräte, wurde, wie berichtet, am 23. Oktober eröffnet.

Seitdem, so Pappel, habe es keine Informationen für die Mitarbeiter gegeben. Und Arbeitszeugnisse seien ihnen lediglich auf Geheiß der damaligen Personalabteilung ausgestellt worden – nicht auf Anweisung der Verantwortlichen: „Das war eine interne Initiative“.

Ein Mitarbeiter des zuständigen Insolvenzverwalters Moritz Sponagel aus Hannover bestätigt auf Nachfrage, dass die Mitarbeiter das Insolvenzgeld bislang noch nicht beantragen konnten. Dazu fehle es noch an der Insolvenzgeldbescheinigung. Ihm zufolge lägen dafür erforderliche Unterlagen der Lohnabrechnung noch bei einem Steuerberater. „Sobald diese vorliegen, kann die Insolvenzgeldbescheinigung ausgestellt werden.“

Den Vorwurf, dass die Informationspolitik seitens der Insolvenzverwaltung unzulänglich war, weist der Rechtsanwalt zurück: „Wir haben die Geschäftsleitung jeden Tag über die Entwicklungen informiert.“ Tatsächlich habe es aber keine Betriebsversammlung für alle Angestellten gegeben, weil bereits vielen vor der Insolvenz gekündigt worden sei. „Diejenigen, die bereits zu Hause waren, haben die Entwicklungen möglicherweise nicht mitbekommen“, räumt der Anwalt ein. Alle übrigen Mitarbeiter seien aber informiert worden. Jene, die zu dem Zeitpunkt nicht mehr im Unternehmen waren, hätten „aber jederzeit bei uns nachfragen können“ – genau das sei größtenteils auch geschehen.

Pfau war ein Traditionsbetrieb mit 90-jähriger Geschichte: Das Unternehmen wurde 1927 als Schlossereibetrieb gegründet und wurde in Altenhagen I in der dritten Generation fortgeführt.

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