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OHG-Gymnasiallehrer unterrichtet Grundschüler in Bennigsen

SPRINGE/BENNIGSEN. Der Lehrermangel trifft die Grundschule Bennigsen besonders hart. Hier gibt es die geringste Unterrichtsversorgung in der Stadt Springe. Das geht aus einer Übersicht des Kultusministeriums hervor, nach der die CDU-Fraktion im Landtag vor einigen Monaten gefragt hatte.

Lehrermangel: Dieses Problem trifft die Grundschule Bennigsen besonders hart. Foto: Archiv
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Demnach lag zum Stichtag 18. August 2016 der allgemeine Wert zur Unterrichtsversorgung in Bennigsen bei 95,1 Prozent. Zum Vergleich: Der Landesdurchschnitt liegt bei 98,9 Prozent. Der Plan von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt: Um die Unterrichtsversorgung an Grundschulen zu gewährleisten, werden in diesem Schuljahr Gymnasiallehrer abgeordnet.

„Das kann ich bestätigen“, sagt Kerstin Prietzel, Direktorin am Otto-Hahn-Gymnasium. „Wir haben Anfang Juli eine Ankündigung bekommen, dass wir uns auf diesen Fall einstellen müssen.“ Eine Woche vor Schuljahresbeginn sei dann die entsprechende Dienstanweisung zugestellt worden. „In dieser stand geschrieben, dass die Grundschule Bennigsen Bedarf hat und eine Lehrkraft im Fach Mathematik braucht“, sagt Prietzel. Daraufhin hätten sie sich Gedanken gemacht, wer infrage kommt und einen Kollegen angesprochen, der im vergangenen Jahr schon mal an einer Grundschule ausgeholfen hatte. „Der Mathelehrer hat dann direkt Kontakt zur Direktorin der Grundschule aufgenommen; das war alles sehr unkompliziert.“

„Wir haben großes Glück mit dem Kollegen gehabt. Er hat sich sehr gut auf die neue Situation eingestellt“, sagt Madlen Ludwig, Schulleiterin der Grundschule Bennigsen.

Für insgesamt 20 Stunden werde der Gymnasiallehrer nun an der Grundschule Bennigsen aushelfen, berichtet Prietzel. Gleichzeitig behält der Pädagoge einen Grundkurs in der Oberstufe des Gymnasiums. Die Abordnung gelte zunächst für ein halbes Jahr. Das Otto-Hahn-Gymnasium musste daraufhin ihre Unterrichtsverteilung, die bereits vor den Sommerferien feststand, umorganisieren. „Uns fehlt dadurch natürlich auch eine Kraft“, sagt Prietzel.

Auf Begeisterung stößt die Maßnahme nicht. Im Gegenteil. Elke Riegelmann, Vorsitzende des Schulausschusses und Gymnasiallehrerin im Ruhestand, findet die Abordnung „grenzwertig“. Ihr bereite das richtig Bauchschmerzen. Die Ausbildung der Kollegen sei nicht auf die Erfordernisse einer Grundschule ausgerichtet. Und: Viele der studierten Fächer würden im Elementarbereich gar nicht unterrichtet – wie Physik, Chemie, Biologie, Wirtschaft oder diverse Fremdsprachen. „Gymnasiallehrer sind weder didaktisch noch methodisch oder pädagogisch in der Lage, den Unterricht an einer Grundschule sinnvoll zu bewerkstelligen“, sagt Riegelmann. Nicht umsonst gebe es unterschiedliche Lehramtsausbildungen.

Den Grundschülern sei damit nicht geholfen. „Gerade in dem Alter brauchen die Kinder Lehrer, die greifbar sind. Lehrer, die immer da sind und nicht nur für ein paar Stunden anwesend sind.“ Auch für die Lehrkräfte käme durch die viele Fahrerei eine weitere Belastung hinzu. „Das ist auch ein logistisches Problem.“ Die Abordnungen von Gymnasiallehrern an andere Schulformen bewertet sie als „Löcherstopfen.“ Eine Lösung sei das aber nicht. Schließlich führe das im Umkehrschluss wieder zu Engpässen an den Gymnasien. „Mir tut das auch irgendwie weh; Lehrer werden wie Schachfiguren behandelt“, kritisiert Riegelmann.mit dpa

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