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Neue Geschäfte: So verändert sich die Innenstadt

Springe. Die Stadt stirbt? Springe lebt! Denn in der Innenstadt gibt es nicht nur Problemfälle und Leerstände wie den früheren Rewe-Markt oder Baulücken wie auf dem Marktplatz. Es gibt auch Geschäftsleute und Organisatoren, die den Neuanfang wagen, den Sprung ins kalte Wasser. Die NDZ hat einige von ihnen besucht. Und zeigt, was sich gerade tut – mitten in der Innenstadt.

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Autor:

VON RALF T. MISCHER UND MARITA SCHEFFLER

 

Das Bürgerkaufhaus

 

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  • Mag es natürlich: Sylvia Klünder zusammen mit ihren Töchtern Jolina und Jana, die sie beim Einräumen tatkräftig unterstützen. Scheffler
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  • Steht seit Sommer 2009 leer: Der frühere Lidl-Markt an der Parkpalette. Scheffler
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  • Anfang 2016 sollen sich die Türen öffnen: Uwe Lampe plant, dass das Bürgerkaufhaus hier entstehen soll. Mischer

Die Macher haben einen passenden Laden gefunden, das Konzept steht in groben Zügen – und einen Terminplan gibt es auch: Der Gründung des Springer Bürgerkaufhauses stehen nicht mehr viele Hürden im Weg. Mit dem neuen Geschäft, das gebrauchte Waren an Bedürftige abgibt und an Normalverdiener verkauft, würde auch ein Geschäftsleerstand aus der Innenstadt verschwinden.

„Der Standort beim Schuhgeschäft Fischer am Niederntor ist optimal“, schwärmt Tafel-Chef Uwe Lampe, der den Anstoß für die Ansiedlung eines Bürgerkaufhauses gegeben hat – und sich im Vorfeld um die Organisation kümmert. „Wir haben hinter dem Haus auch eine Rampe, auf der die Lieferfahrzeuge das Kaufhaus bedienen können“, sagt Lampe.

Konkret sollen bis zu 30 Arbeitsplätze in dem Geschäft entstehen, 18 davon sind bereits vom Jobcenter für die Aufgabe vorgesehen. In dem 600 Quadratmeter großen Geschäft (Lagerhalle 140 Quadratmeter) sollen künftig Textilien, Haushaltswaren aber auch Möbel verkauft werden – allesamt gebraucht, aber in einem anständigen Zustand. Vergeben werden sie, wie bisher im Möbellager, an Bedürftige, die einen Nachweis darüber erbringen müssen, dass sie Sozialleistungen beziehen. Zudem werden die Waren an Nicht-Bedürftige verkauft. Dadurch sollen die Kosten gedeckt – und im Idealfall sogar Einnahmen erzielt werden. Die sollen dann zugunsten von sozialen Projekten in der Stadt gespendet werden. Lampe: „Das Konzept des sozialen Kaufhauses funktioniert in vielen Kommunen blendend und der Handel boomt, viele bauen ihre Läden sogar aus.“

Bevor es richtig los geht, muss ein gemeinnütziger Trägerverein her. Der soll schon Ende November gegründet werden. Lampe sucht noch Ehrenamtliche, die sich als Kassenwart oder Schriftführer engagieren wollen. In dem Geschäft am Niederntor, das Bürgerkaufhaus werden soll, war vorher ein Baumaterial-Händler untergebracht, davor versorgten ein Getränke- und ein Supermarkt die Springer. Zuletzt hatte es leer gestanden.

 

Blumen mittendrin

 

Die ersten Kunden klopften schon vor der Eröffnung an die Tür und wollten sich umschauen: Sylvia Klünder ist mit ihrem Floristikfachgeschäft vom Kalkwerk auf den Marktplatz gezogen. Heute ab 9 Uhr stellt sie sich in den neuen Räumen vor.

Klünder hatte sich vor zwei Jahren neben dem NP-Markt selbstständig gemacht. Jetzt musste sie den Standort verlassen. Anfangs habe sie das sehr bedauert, sagt sie. Mittlerweile blicke sie dem Neuanfang aber freudig entgegen: „Es gibt doch nichts Zentraleres als den Marktplatz. Wir können uns hier viel besser präsentieren.“

In dem Fachwerkhaus war bis vor knapp zwei Jahren das Redaktionsbüro des Deister-Anzeigers untergebracht. Ein angrenzendes Café nutzte die Räume anschließend zeitweise mit.

 

Türkische Leckereien

 

Ein türkisches Café mit Backstube eröffnet noch in diesem Jahr an der Ecke Schulstraße/Burgstraße: Vermieter Martin Creutzig freut sich, zweieinhalb Jahre nach dem Umzug von „Fiene Orthopädie-Schuhtechnik“ einen neuen Mieter gefunden zu haben. „Anfragen gab es etliche“, fasst Creutzig zusammen. „Da waren aber auch viele bei, die ich als unseriös empfunden habe, zum Beispiel von Spielhallen.“ Zwischenzeitlich hatte er mit der Idee geliebäugelt, auf den 185 Quadratmetern ein Haushaltswaren-Fachgeschäft zu eröffnen. Mit den neuen Mietern sei er aber hochzufrieden: Die Familie hatte bereits in Hamburg ein Café, ist aber gerade nach Springe umgezogen.

 

Auf Marken-Sohlen

 

Mehr als sechs Jahre steht der frühere Lidl-Markt an der Parkpalette bereits leer. Letzter Mieter war der „Videotaxi Media Store“. Anfang 2016 könnte die Wiederbelebung gelingen: Der Springer Michael Ische und sein Mann Mustafa Kemal Topcu planen, ein Geschäft für Marken-Sportschuhe zu eröffnen.

„Fast alle Kinder und Jugendlichen tragen Marken-Turnschuhe. Bislang müssen sie aber zum Einkaufen nach Hannover oder Hameln fahren“, erklärt Ische, warum er in Springe Potenzial für einen Spezialladen sieht. Auch die zahlreichen Bildungsschüler, die sich in der Deisterstadt aufhalten, kämen als mögliche Kunden infrage.

Der 21-jährige Ische arbeitet derzeit als Pfleger, Topcu ist 38 Jahre alt und Polizist. Die Neueröffnung bereitet das Paar seit Monaten im Hintergrund vor, „wir sind aber beruflich so eingebunden, dass wir noch etwas Zeit brauchen“, sagt Ische. Mit dem Vermieter der Räume seien sie bereits handelseinig, „einen Vertrag unterschrieben haben wir aber noch nicht“.

An der 440 Quadratmeter großen Einzelhandelsfläche waren zuletzt die Sonderpostenkette „Tedi“ und die Arbeitsagentur interessiert. Die Pläne zerschlugen sich jedoch.

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