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NDZ-Serie - Teil 1: Baustelle Bildung

An kaum etwas wurde in den vergangenen Jahrzehnten so sehr gebastelt wie an der Springer Schullandschaft: Schulen wurden geschlossen, zusammengelegt, zogen hin, zogen her. Wo es die größten Baustellen gibt.

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Autor:

von saskia helmbrecht

SPRINGE. An kaum etwas wurde in den vergangenen Jahrzehnten so sehr gebastelt wie an der Springer Schullandschaft: Schulen wurden geschlossen, zusammengelegt, zogen hin, zogen her. Jetzt soll mit dem Duo Otto-Hahn-Gymnasium und Integrierter Gesamtschule erst mal Ruhe einkehren. Spricht man mit Leitern und Pädagogen, dann erkennt man: Baustellen gibt es trotzdem noch genug.

„Wir bitten die Politik, in die Sanierung zu investieren und den Sanierungsstau so schnell wie möglich zu beheben“, sagt Kerstin Prietzel, Leiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums. Die Unterstützung der Politik für das OHG sei besser geworden – und so solle es auch weitergehen. Von der Stadt habe das Gymnasium bereits eine Zusage für die Renovierung des Kunsttraktes bekommen. „Das sollte sich nicht so lange hinziehen“, wünscht sich Prietzel: Eine Sanierung im Winter bei laufendem Schulbetrieb sei eine große Herausforderung für das Team.

Handlungsbedarf sehen die OHG-Leiterin und ihr Stellvertreter Stefan Kohser auch im „Bunker“: Was als Provisorium gedacht war, ist im Laufe der Jahre zum festen Bestandteil der Schule geworden.

In wieder anderen Klassenräumen regne es rein, der Wind zieht durch oder Wände und Decken gammeln. „Das Gebäude kommt in die Jahre“, weiß Prietzel. „Wenn ich morgens in die Schule komme, stelle ich fast immer etwas Neues fest, das defekt ist.“

Um den vielen Baustellen Herr zu werden, sei ein strukturiertes Gesamtkonzept notwendig, in dem die einzelnen Schritte aufgezeigt werden und ein zeitlicher Rahmen formuliert werde, so die Schulleiterin. Mit der erneuten Umstellung auf das Abitur nach 13 Jahren würde sich die jetzt entspannte Raumsituation wieder verschärfen. Vom neuen Rat wünscht sich das OHG-Team auch ein klares Bekenntnis zur Einstellung eines Schulsozialarbeiters.

Der Neu- und Anbau der Integrierten Gesamtschule hat für Frank Kasburg höchste Priorität. „Ich wünsche mir, dass es so schnell wie möglich losgehen kann und möglichst ohne große bürokratische Hürden“, so Kasburg. Er hoffe, dass die Stadt nicht nur in die günstigste Variante investiert, sondern nachhaltig für die Zukunft plant, um hohe Folgekosten zu vermeiden. „Die Stadt sollte keinen Sparstrumpf anziehen, wenn es um die Bildung geht.“

Besser stehe die IGS mit ihrer modernen Ausstattung da. Für Planungen zum Neubau hofft Kasburg, der in eineinhalb Jahren in den Ruhestand geht, den ersten Spatenstich noch im Amt zu erleben. „Wir müssen immer im Dialog mit den Architekten bleiben“, sagt er. Dass die Sprachlernklasse mit Flüchtlingen von der lange umstrittenen Auslagerung eines Teils der Schüler aus dem überfüllten Schulzentrum Nord ins Hauptschulgebäude betroffen ist, findet er „schade“. Generell sei das Bildungsangebot in Springe aber sehr gut.

Der Umbau für ihn habe höchste Priorität, dennoch: Wenn er einen Wunsch frei hätte, würde er sich auch eine größere Sporthalle wünschen. „Wenn die IGS fünfzügig wird, wird die Lage noch schlimmer. Es ist sehr laut und eng“, so Kasburg. Eine größere Halle hätte auch Vorteile für die Arbeitsgemeinschaften. Eine Lösung gibt es schon: Provisorisch solle die neue Mensa bis zum Ausbau des Schulzentrums im Forum der Gesamtschule untergebracht werden.

Großen Handlungsbedarf gibt es auch an der teils maroden Grundschule in Bennigsen. „Die Raumnot ist groß“, sagt Rektorin Madlen Ludwig. Die ersten und zweiten Klassen seien an der KapazitätsGrenze angekommen. „Wir brauchen dringend einen Gruppenraum“, sagt Ludwig. Einige Kinder müssten schon auf dem Flur lernen, auch die Krankenliege stehe dort. „Das sind unhaltbare Zustände“, sagt Ludwig.

Mit der Einführung des Ganztagsangebots fehle auch ein Ruheraum für die Kinder. „Es ist schwer, die Geduld aufzubringen und zuzusehen, ob wir jetzt eine neue Schule bekommen. Wir wollen aber auf jeden Fall in die Planung mit einbezogen werden.“ Die Stadt arbeitet im Moment an einem Konzept für den Standort. Insgesamt werde die Schule aber gut betreut, sagt Ludwig. „Wir wissen, dass das kein Wunschkonzert ist.“

Dass die IGS zu den größten Herausforderungen gehört, sieht man auch bei der Stadt so: Fachbereichsleiter Clemens Gebauer will gleichzeitig für ein geordnetes Auslaufen von Haupt- und Realschule sorgen. Die Entscheidung zur IGS sei mutig gewesen, aber auch richtig und konsequent: „Wir müssen jetzt in den Schulsektor Ruhe reinbringen, eine Routine einführen und für eine stabile Struktur sorgen.“

Begleitet werden solle auch der Neubau an der Grundschule in Bennigsen. „Das ist nichts Ungewöhnliches, das ist Routine.“ Das OHG sei dagegen „in guten Fahrwassern unterwegs und steht nicht im Fokus der Stadt“.

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