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NDZ-Serie: Kultur wünscht sich mehr Unterstützung

SPRINGE. Eine kleine Stadt und die Kultur – passt das zusammen? Ja, sagen die heimischen Kulturschaffenden. Doch sich wünschen sich nicht nur mehr Unterstützung – sondern auch eine bessere Vernetzung.

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Autor:

von saskia helmbrecht

Sieben Konzerte im Jahr, drei Lesungen und eine Ausstellung: Der Springer Kulturkreis plant jedes Jahr ein umfangreiches Programm mit internationalen Künstlern. Kulturkreis-Chef Hinrich Bergmeier wünscht sich vom neuen Rat, dass es einen zentralen Ansprechpartner für die Kultur geben soll. „Die Kulturarbeit muss gebündelt werden, ein Ansprechpartner könnte zum Beispiel den städtischen Kalender pflegen, um Terminüberschneidungen zu vermeiden“, so Bergmeier.

Fester Ansprechpartner für die Kultur?

Ein weiteres Problem des Kulturkreises sei immer wieder die Suche nach einem Veranstaltungsort. „Wo sollen wir hin? Es gibt keinen Raum“, beklagt Bergmeier. Er könne sich ein zentrales Kulturhaus vorstellen, um den Raumproblemen Herr zu werden, aber auch, um die Arbeit aller Beteiligten zu vernetzen. „Es muss mehr gemacht werden; Springe muss auch kulturell attraktiv sein.“

Er wünsche sich eine Förderung des Vereins genau wie einzelner Projekte. Diese Doppelung hatte die Politik abgelehnt. „Das ist sehr schade. Man könnte so viel machen, es gibt so viele Ideen, aber wir finanzieren uns ohne jeden Zuschuss.“

Mehr Unterstützung von der Politik fordert auch Wilfried Liebhold, langjähriger Vorsitzender und Gründungsmitglied vom Fußballmuseum. „Ich habe den Eindruck, dass Kultur hier als nebensächlich betrachtet wird. Man tut nur so, als würde man die Arbeit fördern, weil das einen guten Eindruck hinterlässt.“ Er sagt: „Ich weiß, dass die Stadt sparen muss, aber man darf die Kultur nicht kaputt sparen.“

Es müsse eine Verbindung zwischen den Kulturschaffenden ermöglicht werden, um Termine zu koordinieren. „Ich möchte nicht meckern, ich möchte neue Impulse wecken und Ideen anstoßen.“

Für das Fußballmuseum in der Roten Schule wünsche er sich einen Fahrstuhl, gerade für ältere Leute. „Die Räume sind ungeeignet, es gibt immer wieder Kollisionen mit der Kita und wir haben keine Expansionsmöglichkeiten.“ Dennoch: Die Arbeit, die in den jetzigen Räumen stecke, könne nicht wieder aufgebracht werden. „Wir wären gar nicht in der Lage, das Museum in neue Räume zu verlagern.“

Einen geheimen Raumwunsch hat auch Musikschul-Leiterin Alina Kirichenko. „Wir haben leider keinen eigenen Standort für Konzerte. Ein Raum, wo wir auch mal einen Flügel hinstellen können, wäre toll, aber auch utopisch“, sagt Kirichenko.

Auf der einen Seite sei es ein Vorteil, an verschiedenen Standorten aufzutreten, aber dadurch gebe es keinen zentralen Veranstaltungsort. An erster Stelle wünscht sie sich, dass die Förderung für die Musikschule bestehen bleibt. „Das war immer mal wieder in der Diskussion. Natürlich könnte man die Förderung auch erhöhen.“ Sie könne sich auch vorstellen, Fördergelder oder Stipendien für begabte Musiker auf kommunaler Ebene auszuschreiben. „Insgesamt sind wir mit der Zusammenarbeit aber zufrieden.“

Das hohe Potenzial der Kulturlandschaft betont auch Schmiedekünstler Andreas Rimkus, der seit 27 Jahren freiberuflich tätig ist. Er hat eine ganz besondere Idee: Die Einführung eines Kulturpasses. Mit dem Dokument könnten sich die zahlreichen Kulturschaffenden vernetzen.

Rimkus kritisiert auch die Finanzierung der Springer Kultur. „2000 Euro im Jahr steht der Kultur zur Verfügung; das ist peinlich für alle. Das Geld sollte man lieber dem Kinderschutzbund spenden, denn der Aufwand für die Verteilung dieses Geldes ist riesig“, so Rimkus. Am Ende bekämen die Vereine 20 Euro. „Dafür der Aufwand? Das wäre so, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen.“ Viele würden vergessen, dass Kunst und Kultur eben auch ein Wirtschaftsfaktor sei. Mit attraktiven Veranstaltung erreiche man neue Bürger.

Wünsche hat auch das Team vom Museum. Eine Museumsfachkraft in Teilzeit wäre für die Ehrenamtlichen eine große Entlastung. „Die Arbeit ist nicht alleine zu wuppen“, sagt Heidrun Karkosch. Die Stelle für eine Fachkraft sei 2010 weggefallen – ein Ersatz kam nicht. „Manchmal hat man das Gefühl, wir arbeiten mit Volldampf und kommen trotzdem nicht voran“, sagt Heidi Dopheide vom Vorstand. Weil der Handwerker nur noch alle 14 Tage kommt, mussten bereits die Öffnungszeiten angepasst werden. Fest stehe: „Das Museum schließt nicht.“

Auch der Hermannshof kämpft ständig um Fördergelder: „Jedes Jahr müssen wir viele Anträge stellen, um überhaupt finanziell über das Jahr zu kommen“, weiß Martin Beyersdorf.

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