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NDZ-Serie: Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif

Duschen statt Baden, die Wege auf dem Fahrrad erledigen statt mit dem Auto oder einfach den Fernseher nicht auf „Stand by“ schalten: All diese Maßnahmen tragen zum Klimaschutz bei. Doch nicht nur Privathaushalte achten auf ihren Energieverbrauch.

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Autor:

von saskia helmbrecht

SPRINGE. Duschen statt Baden, die Wege auf dem Fahrrad erledigen statt mit dem Auto oder einfach den Fernseher nicht auf „Stand by“ schalten: All diese Maßnahmen tragen zum Klimaschutz bei. Doch nicht nur Privathaushalte achten auf ihren Energieverbrauch: Auch einige städtische Einrichtungen legen Wert auf Umweltschutz, Organisationen haben sich gegründet, um gegen die Lebensmittelverschwendung zu kämpfen, oder leisten einen ganz anderen Beitrag zum Klimaschutz. „Es läuft vieles gut in Springe. Luft nach oben gibt es aber immer“, sagt Klimaschutzmanagerin Kartrin Härtel.

Viele Springer würden bereits beim Klimaschutz mitmachen. „Das zeigt sich zum Beispiel daran, wie viele beim Stadtradeln teilgenommen haben“, so Härtel. Dennoch würde sie sich mehr klimabewusstes Denken und Handeln wünschen und mehr Bereitschaft, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Man muss sich über die Konsequenzen des eigenen Handelns klar werden“, sagt Härtel. Denn: Der Klimawandel sei bereits spürbar. „Die vielen Unwetter und der Regen sind die Auswirkungen in Deutschland.“ Wenn die Stadt jetzt auf regenerativen Strom umstellen würde, „wäre das ein deutliches Zeichen der Kommune“, betont Härtel.

„Ich hoffe, dass meine Arbeit auch weiterhin vom neuen Rat unterstützt wird und wir im regen Gespräch bleiben“, wünscht sich die Klimamanagerin. Sie möchte gleichzeitig an dem Ziel festhalten, bis 2050 klimaneutral zu werden. Außerdem wolle sie dem Rat das „Zwei-Grad-Ziel“ von Paris vorstellen. Das „Zwei-Grad-Ziel“ beschreibt das Ziel der internationalen Klimapolitik, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. „Das kann man auch auf eine kleine Kommune herunterbrechen“, ist sich Härtel sicher.

Auch im Energie- und Umweltzentrum in Eldagsen wird über kommunale Klimaschutz-Strategien diskutiert. Der Vorsitzende Wilfried Walther weiß aber auch: „Die Haushaltssituationen in den Kommunen sind nur in Einzelfällen so solide, dass Spielräume für zusätzliche Maßnahmen für den aktiven Klimaschutz, insbesondere investive Maßnahmen, möglich sind“, so Walther.

Mit der Einstellung von Klimaschutzmanagern allein sei es aber nicht getan. „Vielmehr fehlen häufig die Kapazitäten des entsprechenden Personals in den Verwaltungen, die die Impulse aufnehmen und umsetzen können“, so Walther. Ohne diese Unterstützung sei es aber schwer, die geplanten Maßnahmen langfristig realisieren zu können. „Die Politik muss erkennen, dass es Klimaschutz nicht zum Nulltarif geben kann.“

Dass den Kommunen beim Klimaschutz eine „Schlüsselrolle“ zukomme, sagt auch Stadtwerke-Geschäftsführer Marcus Diekmann. „Bei der Energiewende sind wir im Bereich der Stromversorgung schon gut vorangekommen. Im Bereich der Wärmeversorgung besteht wirklich noch Handlungsbedarf“, sagt Diekmann. So werde der größte Teil der Häuser in Springe mit fossilen Energien beheizt. Fossile Energie wird aus Brennstoffen gewonnen, die in geologischer Vorzeit aus Abbauprodukten von toten Pflanzen und Tieren entstanden sind, zum Beispiel Braunkohle, Steinkohle, Torf, Erdgas und Erdöl. „Sicher können wir mit verstärkter Wärmedämmung noch einiges erreichen, aber nur mit größerem Einsatz erneuerbarer Energien im Wärmebereich lassen sich die Klimaschutzziele der Bundesregierung erreichen“, betont Diekmann.

Der verstärkte Einsatz alternativer Energien im Wärmebereich kann beispielsweise durch eine lokale, netzgebundene Wärmeversorgung, Nahwärme, aus regenerativer Energie und Kraft-Wärme-Kopplung erreicht werden. Damit wurde in Springe bereits begonnen, zum Beispiel mit der Wärmeversorgung des Schulzentrums Süd sowie dem Nahwärmenetz Großer Graben. „Für den Ausbau der Nahwärme wünsche ich mir eine breite politische Unterstützung“, so Diekmann. Viele Springer würden sich schon aktiv für den Klimaschutz engagieren. Das zeige sich an der hohen Beteiligung an den jährlichen Thermografie-Aktionen und den zahlreich verkauften Photovoltaikanlagen, in denen das Sonnenlicht in elektrische Energie umgewandelt wird.

Eine Photovoltaikanlage ist auch für das Springer Hallenbad vorgesehen. „Wir müssen damit nicht mehr so viel externen Strom kaufen“, sagt Reinhard Schade von der Stadt. Eine Prüfung der Verwaltung hatte ergeben, dass sich der Bau auf dem Dach des Gebäudes rentieren würde. Die Stromkosten für den Betrieb des Bades könnten so um etwa ein Fünftel reduziert werden. Und: Mit der Anlage würde das Hallenbad gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Auch Rudolf Krause vom Naturschutzbund liegt das Thema Energie und Umwelt am Herzen. „Während man sich in vielen Städten um mehr Artenvielfalt bemüht, hat man in Springe den Eindruck, dass es bei der Pflege von Grünflächen, Gebüschen und Bäumen nur um Wirtschaftlichkeit und Pflegeleichtigkeit geht“, kritisiert Krause. Er wünscht sich vom neuen Rat, Maßnahmen gegen den Verlust der Artenvielfalt zu ergreifen. Zum Beispiel könnte auch mithilfe einer Baumschutzsatzung verhindert werden, dass die letzten alten Bäume auf Privatgründstücken verschwinden würden. Wichtig sei ihm auch, dass der „Deisterkessel“ frei von weiterer Bebauung bleibt. Gleichzeitig wünscht er sich, ein unabhängiges Umweltamt zu gründen. „Alle Naturschutzbünde sollten jährlich wechselnd einen beratenden Sitz bekommen, damit wir mitbestimmen können“, so Krause. In anderen Umweltausschüssen sei das „normal“.

Um Nachhaltigkeit geht es auch im Landheim der Tellkampfschule. In der Einrichtung wird darauf Wert gelegt, regionale und saisonale Produkte zu verwenden. „Wir probieren viel aus. Wir wollen davon wegkommen, nur Wurst zu essen“, sagt Heimleiterin Britta Lang. Es gäbe bereits eine Kooperation mit einem Biolandwirt. Im Landheim sollen außerdem Spruchtafeln an den Klimaschutz erinnern. So heißt es dort zum Beispiel: „Die Erde spricht ständig zu uns, nur sind die meisten Menschen taub für das, was sie sagt.“ Außerdem werden Workshops abgeboten.

 

Gegen die Lebensmittelverschwendung: Etliche Lebensmittel landen im Müll, obwohl sie noch gut sind. Das möchte Torsten Fischer aus Bennigsen ändern und gründete vor drei Jahren die Facebook-Gruppe: „Lebensmittel tauschen, leihen oder schenken“. „Es werden so viele Lebensmittel achtlos weggeworfen und andere Menschen wissen manchmal nicht, wovon sie leben sollen“, sagt der 43-Jährige.
Fischer backe und koche selbst sehr gerne, habe aber immer zu viel übrig. „Am Anfang habe ich nur mit Freunden und Nachbarn Lebensmittel getauscht und die Idee getestet. Dann habe ich die Gruppe öffentlich online gestellt“, so Fischer. 79 Mitglieder hat die Gruppe derzeit. „Ich würde mir noch mehr Springer wünschen, die mitmachen“, sagt Fischer. Er habe schon einige positive Rückmeldungen für seine Idee bekommen, „Das zeigt, dass die Nachfrage und das Interesse da sind. Aber anscheindend warten einfach alle, bis in der Gruppe etwas passiert.“ Er sei in einer Generation aufgewachsen, die noch wisse, wie wertvoll Lebensmittel sind.
Auch in Lüdersen setzt sich Ute Austermann-Haun dafür ein, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden. „Mehrere Leute hatten ihre Bäume gefällt, weil sie es nicht mehr geschafft haben, das Obst zu pflücken“, so Austermann- Haun. Darauf hin habe sie eine „Obstbörse“ ins Leben gerufen. In einer Tabelle habe sie aufgelistet, wer welches Obst zu Verfügung hat und was gerade gesucht wird. „Mittlerweile kennen sich schon alle untereinander. Ich muss mich gar nicht mehr einschalten, um zu vermitteln“, sagt Austermann-Haun. Es sei aber nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz. Es werden auch Kontakte geknüpft.“

 

Was meinen Sie? In unserer Serie „Was braucht unsere Stadt?“ wollen wir in den Wochen vor der Kommunalwahl die Probleme und Chancen von Springe und Bad Münder betrachten: Welche Probleme gibt es – aber auch: Welche Ideen und Chancen?
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Alle bisher erschienenen Teile der Serie gibt es zum Nachlesen im Netz auf ndz.de: www.ndz.de/portal/lokales/was-braucht-unsere-stadt

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