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NDZ-Serie: Springe hat ein Einkaufsproblem – und (zu viele) Lösungen

NDZ-Serie: Kampf um belebte Innenstadt

SPRINGE. Die Innenstadt muss belebt, dem Leerstand entgegengewirkt und neue Anreize für Ansiedlungen geschaffen werden – da sind sie, die Politiker und die Händler, sich erst einmal alle einig. Doch bei der Art der Umsetzung herrscht wenig Konsens.

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Autor:

von Sandra Hermes

Der Leerstand in Springe erklärt die Notsituation der Innenstadt, vor allem in der Fünfhausenstraße: Nachdem im Oktober vergangenen Jahres die Fußpflege-Praxis in die St.-Andreas-Straße umgezogen war, kündigt sich jetzt der nächste Leerstand an. Floristin Sand Boßling wird ab August im ehemaligen Modegeschäft „Canto“ am Niederntor ihre Blumen verkaufen. Ihre Begründung: „Hier in der Ecke stirbt alles weg!“ Und: Erst ivor zwei Wochen wurde bekannt, dass auch der Modemarkt Takko in Springe seine Türen schließt, letzter Tag ist am Sonnabend, 23. Juli. Was sagt das über das Stadtbild aus? Nichts Gutes, meinen auch die Experten.

Aus diesem Grund gibt es das Einzelhandelskonzept. Mithilfe des 100-seitigen Papiers soll der Einkaufsstandort nach vorne gebracht werden. Wenn das so einfach wäre. Kaum wurde das Konzept im Planungsausschuss vorgestellt, diskutierten die Politiker darüber, ob das Konzept festschreiben soll und darf, wo welche Waren verkauft werden dürfen. Heißt konkret: Die Innenstadt soll geschützt werden, indem dort solche Waren verkauft werden dürfen, die es anderswo nicht gibt. Gerade die Ortsteile sehen sich da gegenüber der Kernstadt im Nachteil. Eldagsens Ortsbürgermeister Ralf Burmeister befürchtet zum Beispiel, dass sich diese Zielsetzung negativ auf das Einkaufszentrum Pfingstanger auswirken könne. Seiner Ansicht nach bremse man dadurch Entwicklungsmöglichkeiten aus.

Auch die Osttangente sorgt für Klärungsbedarf. Ulrich Kalinowski (CDU) stellt infrage, warum die Osttangente im Konzept nur als Sonderstandort geführt wird – mit etlichen Beschränkungen. Für 50 Prozent der Springer seien E-Center und Aldi Nah-Versoger, weil sie anderswo nicht die Produkte finden, die dort angeboten würden. Auch dass die Verkaufsfläche des Aldi beschränkt werden soll, beurteilt er kritisch: „Das geht überhaupt nicht!“

Das Konzept empfiehlt Stadt und Politik außerdem, auf einen künftigen Ausbau der „Grünen Wiese“ zulasten der Innenstadt zu verzichten: Schon jetzt seien bis auf den Baumarkt alle Geschäfte mit Blick auf das Sortiment im „direkten Wettbewerb mit den zentralen Versorgungsbereichen“ und insbesondere mit der Innenstadt. Es gelte künftig, diesen Warenbereich zu begrenzen - etwa, indem bei einer Geschäftsaufgabe kein Betrieb nachrücken dürfte, der in Konkurrenz zur Innenstadt gehe. Die Osttangente dürfe nicht zulasten des Zentrums noch attraktiver werden.

Und was sagen die Händler? Die Befürchtung, dass Ortsteile durch das Stadtentwicklungskonzept ins Hintertreffen geraten könnten, teilt Eldagsens Werbegemeinschaft-Chef Christian Hagemann nicht. „Wir haben auch unsere Magneten – und das Konzept sieht vor, dass das, was wir haben, gestärkt wird.“ Generell hätte er sich aber gewünscht, dass die Öffentlichkeit im Vorfeld mehr in die Konzept-Erstellung eingebunden worden wäre.

Stefan Rust vom Werbe- und Informationsring der Kernstadt ist heilfroh, dass es ein Einzelhandelskonzept geben soll. „Wir brauchen Strukturen für den Standort, so geht es nicht weiter.“ Ziel müsse jetzt sein, dass die unterschiedlichen Meinungen über das Papier in eine gemeinsame Form gebracht werden.

Fakt ist, im Stadtentwicklungskonzept stehen viele Ideen und viele Theorien. Doch lassen sich diese mit dem Einkaufsverhalten der Bürger in Einklang bringen? Was wollen Springes Bürger überhaupt für ihre Stadt? Laut einer Online-Befragung, die im Zuge der Erstellung des Entwicklungskonzepts im vergangenen Sommer durchgeführt wurde, gaben 34 Prozent der Befragten an, mehrmals pro Woche im Zentrum einzukaufen, bei der Osttangente waren es 33 Prozent. Fast Gleichstand. Was fehlt den Springern? Ganz klar: mehr Bekleidungsvielfalt – 87 Prozent äußerten diesen Wunsch. 27 Prozent wünschen sich außerdem Möbelläden, 25 Prozent mehr Angebote aus den Sortimenten Spielwaren, Basteln und Musikinstrumente. Ebenfalls häufig genannt: ein Kaufhaus sowie mehr Gastronomieangebote.

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