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NDZ spricht mit vier Schülern über die Bundestagswahl

SPRINGE. Um ein Thema kommt man aktuell nicht herum: die Bundestagswahl am 24. September. Vor allem im Fernsehen scheint es nur noch Wahlsendungen, Wahlspots, Talkshowrunden und TV-Duelle zu geben. Aber erreicht das auch die Erst- und Jungwähler?

Dorian Janosch (von links), Samira Baâroun, Lea Köster und Julian Welke gehören zu den Erstwählern bei der Bundestagswahl am 24. September. Alle vier sagen: Es ist wichtig, wählen zu gehen und die eigene Stimme zu nutzen. Foto: hermes
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

1146 junge Menschen im Alter von 18 bis 21 Jahren dürfen in Springe erstmals den Bundestag wählen. Wie entscheiden sie, wen sie wählen? Die Neue Deister-Zeitung hat sich mit vier Schülern am Otto-Hahn-Gymnasium getroffen, um ihnen diese und weitere Fragen zu stellen.

Der Wahlomat 2017 als Hilfe für Unentschlossene


Ein Werkzeug haben die angehenden Abiturienten Dorian Janosch, Lea Köster, Julian Welke und Samira Baâroun alle genutzt: den Wahlomaten. Zwar hat Dorian Janosch schon vorab gewusst, welcher Partei er seine Stimme geben will, aber der Wahlomat habe ihn in seiner Einstellung nochmal bestätigt. „90 Prozent Übereinstimmung, das ist eindeutig“, sagt der Schüler. Samira Baâroun traut dem Wahlomaten hingegen nicht so recht über den Weg. „Klar, ich hatte hohe prozentuale Übereinstimmungen mit der Partei, die ich favorisiere, aber es gab auch deutliche Schnittmengen mit Parteien, die ich strikt ablehne. Da hinterfrage ich dann die Auswertung“, erklärt die Schülerin. Sie habe bei der Analyse des Wahlomats auch bewusst kleinere, unbekanntere Parteien ausgewählt. „Selbst die Magdeburger Gartenpartei habe ich mir angeschaut – einfach, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.“

Eltern und Freunde als Entscheidungshilfen


Oftmals spielt auch das Elternhaus bei der Entscheidungsfindung eine zentrale Rolle. „Meine Eltern haben mich definitiv politisch geprägt“, sagt Dorian Janosch. „Bei uns zuhause wird viel über Politik gesprochen und ich stimme in meiner Einstellung auch mit meinen Eltern überein. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie mir nicht die Wahl gelassen hätten.“ Anders sieht das bei Lea Köster aus. „Meine Eltern spielen hierbei keine Rolle. Ich tausche mich hauptsächlich mit meinem Freund aus. Er ist auch derjenige, der mich dazu gebracht hat, mich ausgiebig mit Politik auseinanderzusetzen.“ Julian Welke stimmt ihr zu. „Bei uns wird auch nicht viel über die Bundestagswahl gesprochen. Meine Eltern haben auch nie versucht, mich zu beeinflussen. Im Gegenteil. Sie haben mir immer viel Spielraum gelassen.“ Mit Freunden spricht Dorian Janosch hingegen seltener über Politik. „Das ist wie ein Tabu-Thema. In Deutschland gibt kaum jemand offen zu, wen er wählt.“

Die Wahlprogramme sind viel zu lang


Um sich ausgiebig über die Parteien zu informieren, haben die vier Schüler die Wahlprogramme der Parteien durchgelesen, die für sie in Frage kommen. „Tatsächlich habe ich mir bewusst die Wahlprogramme der größeren Parteien angeschaut“, sagt Julian Welke. Allerdings kritisiert er, mit welch einer Masse an Informationen man teilweise „erschlagen wird“. Er habe keine Lust, sich ein 100-seitiges Wahlprogramm durchzulesen, gibt er offen zu. „Es muss doch auch möglich sein, Inhalte kurz und knapp auf den Punkt zu bringen.“ Alles andere schrecke junge Wähler auch einfach ab. „Ich frage mich dann eher, ob die Parteien sich nicht hinter den 100 Seiten verstecken wollen“, sagt Dorian Janosch. „Als hätten sie etwas zu verbergen.“

Die Wahlplakate überzeugen nur bedingt


Auch mit den Wahlplakaten haben sich die vier Erstwähler ausgiebig beschäftigt – und alle sind einer Meinung: Die Plakate der FDP gehen gar nicht. „Die Kampagne wirkt einfach nur lächerlich“, sagt Lea Köster. „Bei uns in der Schule würde dann unter der Klausur stehen: Thema verfehlt.“ Samira Baâroun geht sogar noch einen Schritt weiter: „Mal abgesehen von den Inhalten, die transportiert werden sollen, funktioniert die Kampagne als solche nicht. Es wirkt so, als sei die FDP eine Ein-Mann-Partei. Immer nur Christian Lindner als sexy boy mit verruchtem Blick.“ Das sei halt der Versuch „hipp zu wirken“, sagt Julian Welke. „Aber es bleibt auch nur ein Versuch.“ Außerdem seien die Plakate überladen mit zu vielen Anglizismen und zu viel Text. „Mit Schlagwörtern funktionieren Wahlplakate besser“, ist sich der angehende Abiturient sicher.

Doch welche Plakate überzeugen? Auch wenn sie sich inhaltlich klar von der AfD distanzieren wolle, muss Lea Köster zugeben, dass die Plakate ihrer Ansicht nach gelungen seien. „Es geht immer um eine zentrale Aussage oder um eine zentrale Frage – da bleibt man einfach hängen und liest die Inhalte“, sagt Köster. „Die Strategie geht auf. Ich beschäftige mich mit der Partei – auch wenn ich die Aussagen absolut nicht teile.“ Generell präsentiere sich die AfD sehr medienwirksam. „Jeder Skandal wird ausgenutzt. Ob nun Alice Weidel theatralisch das Studio verlässt oder ob gesagt wird, dass Jerome Boateng zwar ein guter Fußballspieler sei, ihn aber niemand zum Nachbarn haben wolle.“ Es gebe halt genug Menschen, die darauf reinfielen. „Eben weil die AfD in ihren Aussagen auch mit den Ängsten der Bürger spielt und diese zusätzlich noch schürt“, fügt Samira Baâroun hinzu.

TV-Duelle überzeugen die Schüler nicht


Von den Wahlsendungen im Fernsehen halten die vier Schüler hingegen weniger. „Gerade das Kanzlerduell mit Angela Merkel und Martin Schulz wurde mehr zu einem Kampf um Zeit und nicht um Inhalte“, kritisiert Julian Welke. Eine Entscheidungshilfe sei das nicht gewesen, „die beiden Kandidaten haben sich immer nur gegenseitig zugestimmt.“ Es sei kein Kampfgeist vorhanden gewesen. Der Fünfkampf mit FDP, Grüne, Linke, AfD, CSU sei wesentlich interessanter gewesen. „Hier wurden die einzelnen Positionen der Parteien viel deutlicher“, sagt Lea Köster.

Social Media spielt keine Rolle bei der Entscheidungsfindung


Sich die Online-Auftritte der Parteien über Social-Media-Kanäle anzuschauen, lehnen die vier Schüler hingegen kategorisch ab. „Ich schaue mir lieber objektivere Quellen an“, sagt Lea Köster. „Die Facebook-Auftritte sollen eine heile Welt suggerieren, die es so nicht gibt.“

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