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Land schafft Stichwahl ab: SPD profitiert – Hische und Woltmann haben es vermutlich schwerer

Nächster Bürgermeister hat nur einen Anlauf

Springe (mf/zett). Das vom Landtag geänderte Kommunalwahlrecht – für Springe hat die jüngste Entscheidung ganz erhebliche Konsequenzen. Bei der Bürgermeisterwahl im Herbst nächsten Jahres wird es keine Stichwahl mehr geben. Was SPD-Bewerberin Silvia Jünke freut, könnte Amtsinhaber Jörg-Roger Hische und CDU-Kandidat Friedrich Woltmann zum Verhängnis werden.


„Ich bin im Jahr 2001 nur dank einer Stichwahl ins Amt gekommen“, blickt Hische zurück, schon deshalb bedauere er die beschlossene Abschaffung. Nun müssten die Kandidaten versuchen, schon beim ersten Urnengang möglichst viele Wähler auf ihre Seite zu ziehen. „Für mich persönlich wird es jedenfalls nicht leichter“, gesteht der Bürgermeister offen und macht deutlich, dass er die Kommunalverfassungsreform insgesamt für unglücklich hält. Die dabei von der FDP durchgesetzte Reduzierung der Wahlbereiche werde womöglich dazu führen, dass künftig nicht mehr alle Ortsteile personell im Stadtrat vertreten sind. „Das kann nicht gewollt sein“, meint Hische. Er selbst werde seinen Wahlkampf der neuen Situation anpassen und in den Sommermonaten „richtig Gas geben“, um am 11. September die meisten Stimmen zu bekommen, kündigt er an.

Hische, seit seinem CDU-Austritt im Oktober parteilos, muss fürchten, dass sich das „bürgerliche“ Wählerpotenzial im nunmehr einzigen Wahlgang zwischen ihm und Woltmann aufteilt. Was umgekehrt natürlich genauso für Woltmann gilt. Der gibt sich gelassen: „Wem das nützt oder nicht, lässt sich noch nicht sagen.“ Entscheidend könne sein, wer sich bis September bekannter mache – da könne Hische auf seinen Amtsbonus zurückgreifen. Spannend sei jetzt, wie Grüne oder FDP reagierten. Für seinen Wahlkampf habe die Entscheidung keine Konsequenzen: „Das ist unabhängig von dem, was wir machen wollen.“

Lachende Dritte könnte Silvia Jünke sein, die nach dem Willen des SPD-Vorstands am 30. November offiziell zur Kandidatin gekürt werden soll. „Die Zerstrittenheit bei der CDU wird dazu führen, dass sich dort die Stimmen splitten“, so ihr Kalkül – während es ihr hoffentlich gelingen werde, die SPD geschlossen hinter sich zu bringen. „Vom Bauchgefühl läuft es jetzt schon ganz rund für mich“, sagt Jünke. Doch auch wenn das neue Wahlrecht ihr persönlich entgegen komme, sei die Abschaffung der Stichwahl nicht unproblematisch. Denn bei nur einem Urnengang habe der Sieger oft nicht die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.

Fazit: Für das Ergebnis wird es maßgeblich darauf ankommen, in welchem Maße Hische als Parteiloser Stimmen bei den Anhängern von CDU und SPD holen kann – und wie sich die Wähler von FDP und Grünen verhalten. Beide kleinen Parteien haben bislang zumindest keinen eigenen Kandidaten. Hische setzt ganz auf seine Popularität nach acht Amtsjahren. Bei einer Bürgermeisterwahl komme es nicht auf die Partei, sondern auf die Person an, hat er mehrfach betont.

Die Landesregierung hatte die Abschaffung der Stichwahl zum einen mit einer Kostenersparnis für die Kommunen begründet, zum anderen mit einer regelmäßig niedrigen Wahlbeteiligung. Bei der Stichwahl 2001 zwischen Hische und dem damaligen SPD-Kandidaten Gerd Schwieger war immerhin fast jeder zweite Springer (48,9 Prozent) noch einmal an die Urne getreten. Die Kosten für eine Stichwahl beziffert die Stadt auf rund 8500 Euro – nicht eingerechnet der personelle Mehraufwand in der Verwaltung.

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