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Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen am Amtsgericht Springe bei Prozess gegen 22-Jährigen

Nach einem Monat Freiheit zurück in den Knast

Springe (jemi). Nur einen Monat war er in Freiheit, dann wanderte ein 22-jähriger Springer zurück ins Gefängnis. Kurz nach seiner Haftentlassung hatte er zunächst massiv seine Ex-Freundin am Telefon bedroht, dann einem Polizeibeamten einen Kopfstoß versetzt und einen Tag später im Amtsgericht Springe gegenüber Justizvollzugsbeamten randaliert.


Zu viel Gewalt, eine geringe „Frustrationstoleranz“ und keine Anzeichen von Reue – so das Bild, das Richterin Pamela Ziehn vom Angeklagten hatte. Am Ende der gestrigen Verhandlung verurteilte sie den 22-Jährigen zu einem Jahr und fünf Monaten Haft. Der Prozess fand unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen statt. Der Angeklagte wurde in Fußfesseln vorgeführt, außerdem behielten zwei Wachtmeister den zu Gewaltausbrüchen neigenden Springer stets fest im Blick.

Die Verhandlung war geprägt von Entschuldigungen des jungen Mannes. Immer wieder beteuerte er, dass ihm die körperlichen Übergriffe und die verbalen Entgleisungen gegenüber den Beamten leid täten. Allerdings zeigte er wenig Reue, was sein Verhalten gegenüber der 30-jährigen Ex-Freundin anbelangt. Unter Tränen hatte sie ausgesagt, dass der 22-Jährige häufig ausgerastet sei und sie in ständiger Angst vor ihm lebe.

Wegen eines gemeinsamen Sohnes habe sie allerdings nie ganz den Kontakt zu ihm abgebrochen. In einem Telefonat im August soll er sie mit dem Satz bedroht haben: „Du musst damit rechnen, dass ich Dir den Kopf mit meiner Pumpgun wegschieße.“

Daraufhin verständigte die 30-Jährige die Polizei. Die kam mit einem Sondereinsatzkommando, um bei den Eltern seiner Verlobten nach der angeblichen Waffe zu suchen. Da flippte der 22-Jährige aus und versetzte einem Springer Polizeibeamten eine Kopfnuss.

Einen Tag später, als der Angeklagte der Ermittlungsrichterin vorgeführt wurde, kam es erneut zum Eklat. Er bespuckte die Justizvollzugsbeamten und versuchte, sich loszureißen, wie er jetzt auch kleinlaut gestand.

In ihrer Urteilsbegründung machte die Richterin deutlich, dass sie bei dem Angeklagten keine positive Sozialprognose erkennen könne. Obwohl er noch so jung sei, habe er schon Haftstrafen von insgesamt knapp fünf Jahren abgesessen. Gelernt habe er daraus offensichtlich nichts, wie die jüngsten Taten zeigten.

„Die hohe Rückfallgeschwindigkeit ist erschreckend“, so die Vorsitzende. Sie befürchtet, dass sich der 22-Jährige auch in Zukunft nicht im Griff haben wird. Die diversen Entschuldigungen und Beteuerungen, sich geändert zu haben, hält das Gericht für wenig glaubhaft.

Ob das Urteil Bestand haben wird, muss sich noch zeigen. Unmittelbar nach der Bekanntgabe kündigten der Angeklagte und sein Verteidiger an, Berufung einlegen zu wollen.

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