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Kein Vorsitzender / Blick nach Münder?

Musikschule: Lage wird immer düsterer

Springe/Bad Münder (zett). Für die Musikschule Springe sieht es immer düsterer aus: Auch mehr als anderthalb Monate nach der erfolglosen Mitgliederversammlung hat sich noch niemand gefunden, der die Führungsspitze des Vereins übernehmen würde. Der Schule droht die Auflösung – betroffen wären über 400 Kinder und Jugendliche. Die ebenfalls gebeutelte Jugendmusikschule in Bad Münder könnte sich eine Kooperation, vielleicht sogar eine Fusion mit Springe vorstellen – doch das ist Zukunftsmusik.


Denn retten, da ist sich der Münderaner Musikschulchef Andreas Seidel sicher, könnte eine solche wie auch immer geartete Zusammenarbeit die Springer Einrichtung kurzfristig nicht: „So ein Fusionsprozess beispielsweise würde sich über Jahre hinziehen.“ Doch in Springe drängt die Zeit: Schon im kommenden Monat könnte bei einer weiteren Mitgliederversammlung der Punkt „Auflösung des Vereins“ auf der Tagesordnung stehen. „Vielleicht rüttelt das ja noch mal einige wach“, sagt der kommissarische Vorsitzende Gerhard Friedrich.

Er erklärte gestern, er sei „nicht sehr optimistisch“. In den vergangenen Wochen habe er verschiedene Vereinsmitglieder gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, den Vorsitz der Musikschule zu übernehmen: „Aber da tut sich einfach nichts.“ Ein Ende für die Musikschule träfe viele hart, davon ist Friedrich überzeugt. 320 Familien sind momentan bei dem Verein angemeldet, viele gleich mit zwei oder mehr Kindern: „Die müssten sich dann alle private Lehrer suchen, wenn sie weiter musizieren wollen.“ Viele der Pädagogen kämen extra aus Hannover: „Die wollen dann ja auch nicht für einen einzigen Schüler rüberfahren.“ Die Musikschule leiste die organisatorischen Voraussetzungen, bringe die Lehrer mit mehreren Kindern und Jugendlichen in geeigneten Räumen zusammen, betont Friedrich: „Das fällt dann alles weg.“ Der kommissarische Vereinschef hat Verständnis dafür, dass vielen die Zeit für den Vorstandsposten fehlt: „Ich sehe das ja bei mir mit dem Stress im Beruf.“ Trotzdem habe er die Aufgabe zwei Jahre lang übernommen: „Irgendwann ist man auch mal dran.“

Sollte sich noch jemand finden für den Posten – und damit die Musikschule vor dem Aus bewahren – dann will Andreas Seidel aus Bad Münder die Fühler nach Springe ausstrecken: „Wir sind ja keine Konkurrenzunternehmen.“ Bereits jetzt seien viele der Lehrer für beide Einrichtungen tätig – „da können wir bestimmt noch weitere Synergieeffekte wecken.“ Für Seidel hätte auch eine langfristige Verschmelzung der Standorte Springe und Bad Münder ihren Reiz: Mit dann annähernd 1000 Schülern erreiche man eine „auskömmliche Größe“.

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