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Zwei „möderische Schwestern“ lesen auf dem Hermannshof aus ihren Krimis

Mit Gänsehaut- und Gruselgarantie

Völksen (hzs). Ob im Fernsehen oder als Hörbuch, Krimis haben Hochkonjunktur. Da wundert es nicht, dass die mörderische Welle bis auf den Völksener Hermannshof schwappt.

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„Das habe ich noch nicht erlebt“, meinte der ortsansässige Verleger Dietrich zu Klampen vor den vollen Reihen. „Zum ersten Mal ist eine Lesung schon im Vorverkauf fast ausgebucht.“ Die Besucher wollten sich die beiden „mörderischen Schwestern“ Cornelia Kuhnert und Ilka Sokolowski, die im Rahmen des hannoverschen Frauenkrimifestivals im „Haus im Park“ lasen, auf gar keinen Fall entgehen lassen.

Kuhnert und Sokolowski gehören zu den „Mörderischen Schwestern“, einer Vereinigung deutschsprachiger Krimi-Autorinnen. Frauen und Krimis, das passe einfach zusammen, so Dietrich zu Klampen. Die Unterschiede zu den männlichen Kollegen? „Die Damen haben einen sehr feinen Humor. Der ist oft schräger und weniger auftrumpfend als bei den Herren.“ Während die Qualitätskriterien für einen Krimi gleich geblieben seien („Er muss spannend sein, sonst bringt’s nichts“), habe sich die Funktion des Kriminalromans gewandelt. „Der moderne Krimi hat eine große Tiefe, enthält psychologische, soziologische und geschichtliche Elemente“, stellt zu Klampen klar. „Der Gesellschaftsroman von heute muss unterhalten und lehrreich sein. Und genau das ist der Krimi.“

Einen passenden Beleg für zu Klampens These lieferte die erste mörderische Schwester des Abends. Die Burgdorferin Cornelia Kuhnert, studierte Germanistin und Historikerin, langjährige Lehrerin und seinerzeit erste grüne Stadträtin ihrer Gemeinde, griff mit den noch immer verharmlosend als „Celler Hasenjagd“ bezeichneten historischen Ereignissen des 8. Aprils 1945 ein brisantes zeitgeschichtliches Thema auf. Nach einem US-Luftangriff auf den Celler Bahnhof flohen damals aus den Waggons Menschen, die nach Bergen-Belsen gebracht werden sollten. Dem Aufruf zur Jagd auf die Entflohenen folgten viele Celler Bürger. „Die haben zusammen mit der SS die Leute wie Hasen gejagt und getötet. Eine heute fast vergessene Schuld.“ In „Tödliche Offenbarung“ stellt Kuhnert die historischen Ereignisse in einen Kontext mit der wieder erstarkenden rechtsextremistischen Szene. „Die ist überhaupt nicht zu unterschätzen“, so die Autorin, die nicht nur in Sachen rechter Schulungsheime in der Südheide gründlich recherchiert hat.

Die aus Stadthagen stammende Ilka Sokolowski lässt die ehemalige Gärtnerin Leo Heller ermitteln. „Eine Privatperson statt einer Ermittlerin. Das gibt mir größeren Spielraum“, erklärt die gelernte Anglistin. Ihr Roman „Böse Affen“ nimmt seinen Ausgang im Hightech-Milieu der CeBit. „Es geht um ,Black Ape One’, ein Smartphone, aber auch um Wirtschaftsspionage und… nein, mehr verrate ich nicht.“

Auch Dietrich zu Klampen schweigt dazu, stellt aber fest: „Das ist kein Hightech-Krimi, auch keine Geschichtsaufarbeitung wie bei Frau Kuhnert, sondern ein angenehm verwickelter, mit viel Humor durchsetzter und äußerst spannender Roman.“

Die Lesung war eine Gemeinschaftsveranstaltung von der Stadtbibliothek Springe, dem zu Klampen Verlag und dem Verein „Kunst und Begegnung“ vom Hermannshof.

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