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Wisentgehege bildet ab August wieder Tierpfleger aus – und will falsche Erwartungen verhindern

„Mit der Realität hat das nicht viel zu tun“

Alvesrode. Wenn Oliver John eine der zahlreichen Zoo-Dokus im Fernsehen sieht, muss er manchmal den Kopf schütteln: „Mit der Realität hat das nicht viel zu tun“, sagt er. Der 44-Jährige muss es wissen: Er soll ab August im heimischen Wisentgehege Tierpfleger ausbilden und damit dessen Lehrlings-Programm nach jahrelanger Pause wieder anschieben.

Oliver John übernimmt ab August die Tierpfleger-Ausbildung im Wi
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Am 1. Oktober hat John seinen Dienst im Wisentgehege bei Alvesrode angetreten. Er kommt aus dem sächsischen Leipzig an den Deister, hat zuletzt in einem Tierpark in Dessau gearbeitet. Zu seinen Aufgaben gehört künftig neben der Ausbildung der neuen Lehrlinge auch die Organisation von Dienstplänen und Futterbestellungen. Doch damit er inmitten der Gehegenatur keinen reinen Bürojob bekommt, kümmert er sich auch um das Raubtierrevier: „So bleibt quasi die Verbindung zur Basis“, sagt John und schmunzelt.

John hat den Beruf des Tierpflegers schon zu Beginn der 80er-Jahre in der DDR gelernt. Einen Unterschied zur Bundesrepublik habe es in diesem Bereich kaum gegeben, erinnert sich John.

An die künftigen Pfleger hat John einige Anforderungen: „Sie müssen ein Händchen fürs Tier haben, das ist unabdingbar. Sie müssen wissen, wie man sich richtig verhält.“ Auch die Belastbarkeit sei in dem Beruf wichtig, so der Meister: „Man muss auch am Wochenende und an Feiertagen arbeiten. Den Tieren kann man nicht sagen: ‚Wir sehen uns nach Weihnachten wieder.‘“

John liegen die Tiere am Herzen, das merkt man, wenn man mit ihm spricht. „Für mich war schon sehr früh klar, dass ich so etwas machen will“, erzählt er. Bevor er sich auf die Stelle bewarb, war er im Frühjahr schon einmal privat im Wisentgehege zu Gast – und gleich begeistert: „Hier ist alles sehr naturnah, bei manchen Tieren sieht es fast aus wie in freier Wildbahn.“ Favoriten hat er sich auch schon ausgeguckt: Neben seinen Schützlingen, den Wölfen, haben es ihm besonders die Wisente, die Wappentiere des Geheges, angetan.

Für Gehegeleiter Thomas Hennig ist die Rückkehr zur Tierpflegerausbildung auch eine Herzensangelegenheit: „Es ist schade, dass wir als öffentliche Einrichtung lange nicht ausgebildet haben. Aber es war einfach niemand da, der das hätte übernehmen können.“ Dass der Personalbedarf insbesondere in großen Zoos da ist, da haben Hennig und John keine Zweifel. Für die Ausschreibung des ersten Durchgangs, die im Frühjahr erfolgen soll, rechnet der Gehegechef „mit mehreren hundert Bewerbungen“ für zwei freie Plätze. Wie das Programm danach fortgesetzt wird, steht noch nicht fest.

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