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S-Bahn-Schläger hatte Kontakt zur rechten Szene / Angeklagter 20-Jähriger ist mehrfach vorbestraft

Mit der Faust ins Gesicht – Ausraster hat Folgen

Springe (ric). Sein Vorstrafenregister ist lang. Zu lang, für einen 20-Jährigen, der noch keine Berufsausbildung begonnen hat. Weil der Springer jetzt im wahrsten Sinne wieder zuschlug, droht ihm nun eine saftige Strafe.


Es war offenbar der Kontakt zur rechten Szene in Wunstorf, durch den er auf die schiefe Bahn geriet: Siebenmal musste er sich schon vor Gericht verantworten, wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Diebstahl in zum Teil schweren Fällen, Sachbeschädigung und Nötigung. Zuletzt verdrosch er mit seinem Kumpel bei einer öffentlichen Veranstaltung einen anderen Jugendlichen krankenhausreif. Durch den Umzug nach Springe soll der 20-Jährige weg sein von den Wunstorfer Neonazis – ein richtiges Ziel hat er im Leben aber noch nicht gefunden.

Mehrfach war der junge Mann bereits in Haft, Jugendarrest. Eine achtmonatige Bewährungsstrafe läuft im Moment. Trotz allem hat er sich wieder hinreißen lassen zu einem Gewaltausbruch, an jenem Abend im März in der S-Bahn von Springe nach Hannover. Die Anklage: Der Heranwachsende soll einen anderen einmal oder mehrfach mit der geballten Faust ins Gesicht geschlagen haben, weil dieser und dessen Begleiter seine Freundin angesprochen und sie aufgefordert hatten, sich zu ihnen zu setzen. Das Opfer zog sich Verletzungen zu, erstattete Anzeige.

„Es kam zur Auseinandersetzung, ich hab den Jungs gesagt, sie sollen meine Freundin in Ruhe lassen“, sagte der Angeklagte aus. Er gab zu, die Beherrschung verloren und zugeschlagen zu haben. „Der eine und sein Kumpel haben dümmliche Kommentare abgelassen – da hab ich ihm mit der Faust eine verpasst.“ Das Opfer konnte gestern nicht aussagen, der Schüler besucht ein Internat in Baden-Württemberg und hat noch keine Ferien. Der andere ist nicht auffindbar – verzogen nach unbekannt, teilt das Einwohnermeldeamt mit.

„Nie gelernt, sich ein Stopp-Schild zu setzen“

Der Bewährungshelfer bescheinigt dem Angeklagten zwar „fehlende Reife“, gleichwohl Intelligenz und die Chance, mehr aus seinem Leben zu machen: „Was fehlt ist seine Impulskontrolle, er hat noch nicht gelernt, sich selbst ein Stopp-Schild zu setzen.“ Beachtlich: Von sich aus hatte der 20-Jährige versucht, einen Täter-Opfer-Ausgleich zu arrangieren, also eine Maßnahme zur außergerichtlichen Konfliktschlichtung. Der Experte sprach sich gegenüber den Schöffen und der Richterin dafür aus, erneut eine Bewährungsstrafe auszusprechen – verbunden mit der Auflage, einen intensiven sozialen Trainingskurs zu absolvieren. Das Verfahren wird am 28. Oktober fortgesetzt.

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