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Mit der Eisenstange zugeschlagen

Eldagsen. Mit blutüberströmtem Oberkörper steht der Mann am Montagabend an der Langen Straße, an seinem Kopf eine Platzwunde. Hier in Eldagsen ist gerade ein Streit eskaliert. Die Polizei zählt am Ende drei Verletzte – und ermittelt jetzt wegen Hausfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung.

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Der erste Notruf erreicht das Springer Kommissariat gegen 18 Uhr. Ein aufgeregter 66-Jähriger ist am Telefon. Zwei Männer seien in die Wohnung seines Sohns (24) eingedrungen – gegen dessen Willen. Während ein Streifenwagen anrückt, eskaliert die Auseinandersetzung, die sich vermutlich um Schulden und einen unliebsamen Eintrag im sozialen Netzwerk Facebook drehte.

Einer der Männer, ein 22 Jahre alter Springer, schnappt sich – offenbar als eine Art Pfand – den Motorradhelm des 24-Jährigen und verlässt mit seinem Begleiter (20) die Wohnung. Doch der Bestohlene und sein Vater folgen den beiden. Auf der Straße versucht der 22-Jährige, mit einer 40 Zentimeter langen Eisenstange auf seine Kontrahenten einzuschlagen. Und wird selbst zum Opfer: Denn der 24-Jährige und ein unbeteiligter junger Mann nehmen dem stark alkoholisierten Angreifer die Stange ab. Der 22-Jährige gibt nicht auf, schlägt weiter. Und kassiert einen Hieb auf den Kopf – mit seiner eigenen Eisenstange.

Inzwischen ist die von umliegenden Dienststellen verstärkte und von weiteren Zeugen alarmierte Polizei eingetroffen. Und muss sich erst mal Gehör verschaffen: „Es war eine Riesenschreierei, alle Beteiligten haben sich angebrüllt“, sagt Kripochef Hartmut Retzlaff. Die Beamten trennen schließlich die Streithähne. Und sorgen dafür, dass der blutüberströmte 22-Jährige per Rettungswagen in Springer Krankenhaus gebracht wird.

Dann stellen die Polizisten die Eisenstange sicher, protokollieren die leichten Verletzungen, die der 24-Jährige und sein Vater bei der Rangelei erlitten haben. Und beenden ihren Einsatz.

Eigentlich. Denn der 22-Jährige hat andere Pläne: Er lässt seine Kopfverletzung im Krankenhaus behandeln und macht sich dann erneut auf dem Weg nach Eldagsen. Dort dreht er noch einmal auf. „Er hat eine Tür eingetreten und mehrere Fensterscheiben zerschlagen“, sagt Retzlaff, der den Schaden auf mehrere tausend Euro schätzt.

Der 66-Jährige und sein Sohn rufen erneut die Polizei. Und die fackelt nicht lange: Der 22-Jährige, der knapp 2 Promille pustet, kommt in die Ausnüchterungszelle und wird erst gestern Morgen entlassen. „Die Aussage hat er verweigert“, so Retzlaff. Er und seine Kollegen kennen den jungen Mann allerdings gut: Er ist schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten; unter anderem wegen Körperverletzung, Nötigung oder räuberischer Erpressung. Jetzt laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Die Beteiligten werden demnächst vorgeladen. Dann soll auch geklärt werden, ob es sich bei der Eisenstangen-Attacke gegen den 22-Jährigen um Notwehr handelt. zett

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