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Zahlreiche Kommunalpolitiker wollen nicht mehr für den Stadtrat kandidieren oder zögern noch

Mindestens ein halbes Dutzend „Aussteiger“

Springe (mf/jemi/mari). In zehn Monaten sind Kommunalwahlen. Schon jetzt steht fest, dass im nächsten Stadtrat einige bekannte Gesichter nicht mehr auftauchen werden. Eine Reihe von Politikern will nicht mehr für das Ehrenamt antreten.

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SPD: Prominentestes Mitglied dieser Gruppe dürfte Jürgen Trotte sein. Seit 1986 ist der Ratsherr dabei, seit 2001 bekleidet er zusätzlich den Posten des Springer Ortsbürgermeisters. „Hinter mir liegt eine schöne Zeit“, blickt der Rentner zurück. Doch nun sei es an der Zeit, „Platz zu machen für jüngere, unverbrauchte Kräfte, die neue Ideen mitbringen“. In seiner aktiven Zeit als Gewerkschafter habe er sich früher selbst oftmals über Ältere geärgert, die an Ämtern klebten. Das werde ihm nicht passieren, machte Trotte deutlich.

Genauso denkt sein Rats- und Ortsbürgermeisterkollege Klaus Babitz, der sich mit 64 Jahren ebenfalls komplett aus der Kommunalpolitik zurückziehen will. „Am Ende der nächsten Legislaturperiode wäre ich 70 – das muss nicht sein“, sagt der Alferder. Altenhagens Ortsbürgermeisterin Ulrike Bornscheuer will sich von einem ihrer zwei Posten verabschieden: „Entweder ich stelle mich erneut für den Ortsrat und das Amt der Ortsbürgermeisterin zur Verfügung – oder für den Stadtrat“, sagt die Sozialdemokratin. Die Doppelfunktion sei zeitlich nicht mehr leistbar.

Gegenüber Parteifreunden hat auch Gestorfs Ortsbürgermeister Bernd-Georg Höfer (64) seinen Abschied angekündigt. Auf NDZ-Anfrage hält sich der langjährige Chef der Stadtratsfrakion aber noch bedeckt. Er werde sich später erklären, kündigte er an.

Für Axel Schulte-Czichon steht indes längst fest: „Fünf Jahre sind genug. Ich bin beruflich stark eingebunden und deshalb künftig nicht mehr dabei.“

Noch unentschlossen ist Ratsvorsitzender Helmut Kürsten. Das SPD-Urgestein wäre mit Ablauf der nächsten Wahlperiode 72. Zögerlich sind auch noch die Genossen Antje Cordts (Gestorf), Ursel Postrach (Lüdersen) und René Bennecke (Alvesrode). Während Cordts und Postrach betonen: „Wir tendieren eher zum Weitermachen“, macht Bennecke die Entscheidung von seiner beruflichen Zukunft ab. Der Alvesröder schließt Anfang 2011 sein Maschinenbau-Studium ab.

CDU: Wenn Rolf Siering Ende 2011 nach zehn Jahren Mitarbeit ausscheidet, gehört er noch immer zu den Jüngeren im Rat. Sein Entschluss sei allein der knappen Zeit geschuldet, sagt der Rechtsanwalt und Notar, der auch zur Riege der ehrenamtlichen Vize-Bürgermeister gehört. Die Terminfülle wachse ihm schlicht über den Kopf. Dem Vernehmen nach ist der CDU-Politiker außerdem die vielen – auch innerparteilichen – Streitereien der vergangenen Monate leid. Dies soll ihn in seiner Entscheidung, dem Rat den Rücken zu kehren, bestärkt haben.

Berufliche Gründe sind es auch, die Klemens Miserre zum Ausstieg veranlassen. Der Immobilienhändler hat eine neue Aufgabe in Hannover übernommen, die ihm keine Zeit mehr für Stadt- und Ortsrat lasse, lässt er wissen.

Überraschend dürfte für viele der Abschied Wilfried Baxmanns sein. Der Eldagsener, der auch kurze Zeit Fraktionsvorsitzender der Union war, wird sich nach eigenen Angaben 2011 aus der Politik zurückziehen. Er wolle sich künftig auf seine Arbeit als Sportfunktionär konzentrieren.

Zu den Unentschlossenen in den Reihen der CDU gehört der 62-jährige Heinrich Eicke aus Gestorf.

FDP: Einigkeit herrscht bei den Liberalen. Sowohl Hermann Seebürger als auch Peter Kimmel wollen dem Stadtrat erhalten bleiben. Zu alt fühlen sich die beiden keineswegs: „Nach meiner Pensionierung habe ich mich so richtig für die FDP reingehängt“, sagt Kimmel. Beide sind außerdem überzeugt, dass ein gewisser Erfahrungsschatz im Rat nicht schadet. „Solange mich die Partei lässt, bleibe ich dabei“, erklärte Kimmel.

Grüne: „Bis zur letzten Minute“ will sich Fraktionsvorsitzende Elke Thielmann-Dittert die Entscheidung offen halten. Sie müsse zunächst private Dinge abwägen. Unabhängig von ihr seien die Grünen auf der Suche nach weiteren Kandidaten – für den Fall, dass sich mehr Sitze ergeben. „Es gibt schon Interessenten“, verrät die Fraktionschefin. Uwe Mügge hält seine Kandidatur für „wahrscheinlich“. Christiane Wiehles Engagement ist noch unklar.

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